Geschichte, Auftrag, Struktur

Naturwissenschaften

Vielfältiges Fundgut

Das archäologische Fundgut umfasst alle Aspekte des menschlichen Lebens. Aus Siedlungen stammen Speisereste und Produktionsabfälle, in Gräbern finden sich neben den Knochen der Verstorbenen Beigaben und Einbauten. Die archäologische Forschung bezieht alle diese Funde als Quellen ein und erschließt so viele Informationen wie möglich aus ihnen. Hierfür spielen die Naturwissenschaften eine wichtige Rolle. Sie liefern Erkenntnisse zu Herkunft und Datierung der Objekte sowie zu Wirtschafts- und Lebensweise der Menschen.

Zentrale Fachdienste

Im Landesamt für Denkmalpflege sind eine Reihe naturwissenschaftlicher Fachdienste angesiedelt, die den Fachgebieten Prospektion, Dokumentation und Archäobiowissenschaften sowie Feuchtbodenarchäologie des Referats 84.1 zugeordnet sind. Die  auf verschiedene Standorte verteilten Spezialisten bearbeiten Funde aus den landesweiten Ausgrabungen. Ihnen stehen Vergleichssammlungen und das für ihre Arbeit notwendige spezielle Equipment zur Verfügung.

Knochenjobs: Anthropologie und Archäozoologie

Der Spezialist für Menschenknochen bei der Arbeit
Der Spezialist für Menschenknochen bei der Arbeit.

Eine in allen Epochen von der Steinzeit bis in die Neuzeit wichtige Quellengattung stellen Knochen von Mensch und Tier dar. Sie werden am Dienstsitz Konstanz wissenschaftlich bearbeitet.

Die anthropologische Untersuchung der Menschenknochen liefert Aussagen zu Alter, Geschlecht und Größe des verstorbenen Individuums. Darüber hinaus lassen sich Rückschlüsse auf Ernährungszustand und –weise ziehen. In manchen Fällen finden sich Spuren von Krankheiten und Gewalteinwirkung, die als Todesursachen identifiziert werden können. Die Ergebnisse der Individualuntersuchungen werden zu populationsübergreifenden Auswertungen herangezogen.

Tierknochen lassen nach der Bestimmung der Tierart Aussagen zur Wirtschaftsweise zu. Der Wechsel von Jagd zu Haustierhaltung in der Jungsteinzeit ist an ihnen abzulesen. Das Schlachtalter der Tiere gibt Hinweise auf die Zusammensetzung der Herden.

Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie

Forschungstaucher im Einsatz
Forschungstaucher im Einsatz.

Die Wissenschaftler des Dienstsitzes Hemmenhofen am Bodensee sind für die Erforschung und den Schutz der feucht konservierten Geschichtsquellen des Landes zuständig. Besonders die zum Weltkulturerbe zählenden Pfahlbauten des Bodensees sind Gegenstand intensiver Forschung. Die komplexen Fundzusammenhänge, die schwierige Bergung und die besonderen Anforderungen beim Umgang mit den Funden erfordern die Zusammenarbeit unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen.

Botanik und Dendrochronologie

Ein wichtiger Aspekt ist die Untersuchung der botanischen Reste und der Holzfunde des Landes. Botanische Reste aus archäologischen Grabungen zeigen das Spektrum der vorhandenen und genutzten Pflanzen an. Auch der Wandel von sammelnder zu produzierender Wirtschaftsweise ist an ihnen nachvollziehbar. Samen, Spelzreste und Pollen werden aus Bodenproben ausgewaschen, sortiert und ausgezählt.

Mithilfe der Dendrochronologie werden Hölzer aus archäologischem Kontext aufs Jahr genau datiert. Dazu werden die Jahrringe vermessen und mit Vergleichskurven abgeglichen.

Schwarze Gerstenkörner aus einem eisenzeitlichen Getreidevorrat aus Leinfelden-Echterdingen-Stetten
Gerstenkörner aus einem eisenzeitlichen Getreidevorrat aus Leinfelden-Echterdingen-Stetten.
Wissenschaftlerin beim Pollenzählen am Mikroskop
Wissenschaftlerin beim Pollenzählen am Mikroskop.
Bohrkernentnahme an Pfahlbauholz im dendrochronologischen Labor in Hemmenhofen
Bohrkernentnahme an Pfahlbauholz im Dendrolabor.

Kooperationen

Darüber hinaus finden Untersuchungen in Kooperation mit Universitäten und Forschungsinstitutionen statt.

    Weitere Informationen Feuchtbodenarchäologie

    Dienstsitz Hemmenhofen am Bodensee