Geschichte, Auftrag, Struktur

Inventarisation

Grundlage denkmalpflegerischen Handelns

Die Inventarisation ist die wissenschaftliche Erfassung, Erforschung und Dokumentation der Kulturdenkmale. Sie bildet die Voraussetzung für deren umfassenden Schutz und Pflege und ist gesetzliche Aufgabe. Sie ist die Grundlage für Gutachten, Stellungnahmen und die denkmalfachliche Beratung, also letztlich für alle denkmalpflegerischen Maßnahmen.

Gegenstand der Inventarisation

Kulturdenkmale sind Geschichtszeugnisse mit Erinnerungswert für eine Gemeinde, eine Region oder sogar das ganze Land. Damit besteht ein öffentliches Interesse an ihrer Erhaltung. Archäologische Kulturdenkmale, oft Bodendenkmale genannt, sind im Boden verborgene Zeugnisse oder Hinterlassenschaften des Menschen aus allen Epochen. Dabei kann es sich um einen paläolithischen (altsteinzeitlichen) Lagerplatz, einen Grabhügel, oder um Industrieanlagen des 20. Jahrhunderts handeln. In der Praxis sind diese Fundplätze häufig durch eine unterschiedliche Farbgebung im Gegensatz zum umgebenden Boden gekennzeichnet, oder sind als Geländemarken  (zum Beispiel Erhebungen) erkennbar.

Foto von dem Nach der Grabung wiederaufgeschütteten keltischen Großgrabhügel in Villingen-Schwenningen, genannt „Magdalenenbergle“
Nach der Grabung wiederaufgeschütteter keltischer Großgrabhügel in Villingen-Schwenningen, genannt „Magdalenenbergle“.
Luftbildaufnahme Römischer Gutshof von Brenz an der Brenz, Gemeinde Sontheim, Kreis Heidenheim
Römischer Gutshof von Brenz an der Brenz.

Datengrundlage

Die Inventarisation bezieht ihre Informationen aus verschiedenen Quellen. Das können alte Kartenwerke sein, in denen beispielsweise heute nicht mehr erhaltene Grabhügel verzeichnet sind. Wichtig sind außerdem Beobachtungen von ehrenamtlichen Mitarbeitern, die Funde wie Keramikscherben oder Bodenverfärbungen melden. Von besonderer Bedeutung sind auch die Ergebnisse der Luftbildprospektion und der LIDAR-Daten, in denen im Boden verborgene Denkmale sichtbar gemacht werden können.

Foto eines Aktenschrankes, in dem die Ortsaktenarchiv im Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen lagern
Ortsaktenarchiv im Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen. Das „Gehirn“ der Archäologie.
Screenshot eines Datensatzes der ADAB.
Screenshot der ADABweb.

Wer inventarisiert?

An der Erfassung und Erforschung der archäologischen Kulturdenkmale sind Wissenschaftler aus Referat 84.2 in den vier Dienstsitzen des Landesamtes für Denkmalpflege in Esslingen, Freiburg, Karlsruhe und Tübingen beteiligt. Hier werden die Denkmale systematisch in Listen erfasst und beschrieben. Neben der archäologischen Denkmalpflege erfassen die Wissenschaftler aus Referat 83.2 die Denkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege. Eine weitere Kernkompetenz der Inventarisation liegt in der Planungsberatung. Hier werden Gemeinden oder Kommunen beraten, wenn Bebauungs- oder Flächennutzungspläne archäologische Belange berühren.

Ortsakten und elektronische Datenbank ADABweb

Das Wissen über die Denkmale wurde in der Vergangenheit vorwiegend in den Ortsakten in Papierform gesammelt. Diese sind nach wie vor eine wichtige Quelle der denkmalpflegerischen Arbeit und werden kontinuierlich gepflegt und fortgeschrieben.

Um den Anforderungen der digitalen Datenverarbeitung gerecht zu werden, war es jedoch notwendig, die Daten der Ortsakten in eine elektronische Datenbank zu überführen. Diese Datenbank ADABweb enthält die wichtigsten Informationen zu allen erfassten Kulturdenkmalen mit Text, meist auch mit Fotos und Kartierung. Für alle am Planen und Bauen Beteiligten, besonders die Unteren Denkmalschutzbehörden, können hier aktuelle Fachdaten (zum Beispiel georeferenzierte Daten) zur Verfügung gestellt werden.