Denkmale

Pilotprojekt flexible Prospektionen

Archäologische Voruntersuchungen erleichtern Zustimmungen der Denkmalpflege im Bebauungsplanverfahren

Seit September 2013 sind mehrere Prospektionsteams des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart landesweit im Einsatz. Investoren und Vorhabenträger können archäologische Verdachtsflächen oder Denkmale im Vorfeld der Erschließung von einem dieser Teams untersuchen lassen. Die Tätigkeit des Prospektionsteams umfasst die Überwachung von Baggerarbeiten, eine fachgerechte Befunddokumentation und Fundbergung.

Prospektionsteam im Einsatz
Prospektionsteam im Einsatz. Maschineller Abtrag des Humus, Metallfunde werden mittels Sonde geborgen und die Funde eingemessen.
Freilegung archäologischer Befunde in einem Sondageschnitt und Vermessung mittels GPS.
Freilegung archäologischer Befunde in einem Sondageschnitt und Vermessung mittels GPS.

Zweck der Voruntersuchung

Zweck dieser Voruntersuchung ist es festzustellen, ob bzw. in welchem Umfang es nachfolgender Rettungsgrabungen bedarf. Damit wird schon im Vorfeld der Erschließung eine notwendige Voraussetzung für die Kalkulation von Zeitdauer und Kosten eventuell erforderlicher archäologischer Rettungsgrabungen geschaffen.

Vorgehen des Prospektionsteams

Kleinere überschaubare Befundkomplexe werden durch das Prospektionsteam sofort ausgegraben (max. Einsatzdauer sechs Wochen). In diesem Falle kann eine Freigabe der zu überbauenden Flächen unmittelbar nach der Voruntersuchung erfolgen. Danach sind nur noch solche archäologischen Maßnahmen möglich, die keine Bauverzögerungen nach sich ziehen (z.B. Fundbergungen, Notdokumentationen). Diese Maßnahmen werden dann in enger Abstimmung mit der Bauleitung durchgeführt.

Geomagnetische Prospektionen können Hinweise auf archäologische Fundstellen geben.
Geomagnetische Prospektionen können Hinweise auf archäologische Fundstellen geben.

Kostenbeteiligung des Landesamts für Denkmalpflege

Das Landesamt für Denkmalpflege beteiligt sich an den Kosten der archäologischen Voruntersuchung durch die Bereitstellung von Personal und Ausrüstung zum Selbstkostenpreis. Die Prospektionsteams sind in der Lage, sämtliche Baggerarbeiten selbst durchzuführen. Dazu werden lediglich die marktüblichen Miet-, Transport- und Reinigungskosten für den Bagger sowie dessen Verbrauch an Kraft- und Schmierstoffen berechnet. Alternativ kann aber auch der Vorhabenträger einen Bagger mit Baggerführer stellen.

Abschluss einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zur Planungssicherheit

Um beiderseitige Planungssicherheit zu gewährleisten und spätere Bauverzögerungen zu vermeiden, bietet das Landesamt für Denkmalpflege den Abschluss einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung  zu den Rahmenbedingungen an, d.h. insbesondere zu Fristen für die Untersuchungen und zur Kostenbeteiligung des Veranlassers.

Kostenbeispiel einer archäologischen Voruntersuchung

In der ersten Woche werden mittels gezielter Baggerschnitte der Erhaltungszustand und die Ausdehnung der archäologischen Fundstätte überprüft. Die Kosten für diese Voruntersuchung betragen bei einem Baugebiet von einem Hektar Größe abhängig von der Zahl der erforderlichen Mitarbeiter ca. 1.500 - 2.500 Euro ohne Mietkosten für einen Bagger. Sollte sich nach dieser Woche der archäologische Befund als umfangreich und komplex herausstellen, bedarf es einer archäologischen Rettungsgrabung, deren Rahmenbedingungen dann in einer weiteren öffentlich-rechtlichen Vereinbarung festgelegt werden müssen.

Dokumentation der Befundsituation

Zeichnet sich jedoch nach der ersten Woche eine überschaubare archäologische Befundsituation ab, wird diese durch das Prospektionsteam dokumentiert. Die Kosten betragen ab der zweiten und in den folgenden Wochen nur noch 1.500 Euro/Woche. Sobald die archäologischen Arbeiten in einem Zeitraum von maximal 5 Wochen abgeschlossen sind, wird das Baufeld freigegeben.

Baggerschnitte zur Prospektion in einem Baugebiet.
Baggerschnitte zur Prospektion in einem Baugebiet.
Freilegung einer abgebrochenen Kirchengruft.
Freilegung einer abgebrochenen Kirchengruft.
Bergung eines römischen Brandgrabes.
Bergung eines römischen Brandgrabes.

Kosten für den Bagger

Wird ein für die Voruntersuchung erforderlicher Bagger durch das Prospektionsteam angemietet, werden nur die marktüblichen Miet- und Transportkosten sowie der Kraftstoffverbrauch berechnet. Alternativ kann ein Bagger mit Fahrer durch den Vorhabenträger dem Prospektionsteam zur Verfügung gestellt werden.

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