Veranstaltung

Mediale Vermittlung von Architektur - Hochwachttagung 2027

- 23.01.27

Mediale Vermittlung von Architektur in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

Architektur ist weit mehr als gebaute Umwelt. Sie ist Ausdruck gesellschaftlicher Leitbilder, politischer Ordnungen und kultureller Identitäten. Ihre Wirkung entsteht jedoch nicht allein durch das Bauwerk selbst, sondern ebenso durch dessen mediale Vermittlung. Publikationen und Ausstellungen sowie Fotografien und Filme prägen die Wahrnehmung von Architektur, ordnen sie in historische Zusammenhänge ein und beeinflussen ihre öffentliche wie fachwissenschaftliche Bewertung. Vorstellungen von Moderne, Tradition oder Zeitlosigkeit sind daher stets auch das Ergebnis gezielter Inszenierungen und diskursiver Aus-handlungsprozesse.

Zahlreiche Architekturströmungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden von den schnell wechselnden politischen Systemen sowie deren normativen Organen beeinflusst und polarisierten die Architektenschaft in ihrem Sinne. Im deutschsprachigen Raum und den Nachbarländern lässt sich angesichts der großen Umbrüche dieser Zeit gut untersuchen, wie Institutionen und Akteure - etwa Denkmal- und Baupflegeämter, Heimatvereine, Verlage und Redaktionen von Fachzeitschriften und Monografien sowie Ausstellungshäuser und Galerien - durch ihre medialen Strategien die Vorstellung und Bewertung von Architektursprachen, -stilen und -haltungen prägten und welche dieser Zuschreibungen bis in die Gegenwart fortwirken.

Die zu diesem Thema vorliegenden Forschungen widmen sich häufig einzelnen Medien, Akteure oder Institutionen und betrachten spezifische Fragestellungen. Eine vergleichende Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen institutionellen Strategien, medialer Vermittlung und der Herausbildung entsprechender architektonischer Leitbilder steht dagegen vielfach noch aus.

Das Kolloquium möchte diese Fragestellungen in einem interdisziplinären Austausch bündeln und weiterführend diskutieren.

 

Zum Hochwacht-Stipendium

Die Stadt Esslingen am Neckar vergibt seit 2018 das Hochwacht-Stipendium zu bauhistorischer Forschung. Das Stipendium hat das Ziel, angehenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Raum zur konzentrierten Forschung zu bieten und gleichzeitig Publikationen zu fördern, die sich mit den verschiedensten Aspekten der Stadtgeschichte Esslingens befassen.

Für die Dauer von sechs Monaten stellen die Stadt Esslingen und die Wüstenrot Stiftung jedes Jahr die Esslinger Hochwacht als freie Unterkunft sowie einen Unterhaltszuschuss zur Verfügung. Die Stipendiaten und Stipendiatinnen werden fachlich durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg begleitet.

Lilian Kraft untersuchte 2025 die Vermittlung und Rezeption traditionalistischer Architektur in Esslingen. Obwohl die Stadt im Wirkungsbereich der renommierten sowie für diese Architektursprache prägenden „Stuttgarter Schule" lag und zahlreiche Absolventen als Architekten in Esslingen tätig waren, steht die Architektur des 20. Jahrhunderts dort bis heute häufig im Schatten des mittelalterlichen Bauerbes.

Das Forschungsvorhaben widmete sich damit einem bislang wenig beachteten Teil der Esslinger Baugeschichte sowie dessen Wahrnehmung in Wissenschaft und Öffentlichkeit.

 

Veranstalter

Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

Lg. Architekturgeschichte Dep. Architektur, Fak. II Universität Siegen

Veranstaltungsort

Salemer Pfleghof

Untere Beutau 8-10

73728 Esslingen am Neckar