10:30 Uhr bis 12:00 Uhr (Check-In ab 10:15 Uhr)
Seit der postglazialen Wiederbewaldung Mitteleuropas lieferten Wälder zu allen Zeiten wichtige Ressourcen für menschliche Gesellschaften. Insbesondere Holz war als Baumaterial und Brennstoff von zentraler Bedeutung. Baustrukturen bestanden in vielen Regionen in vorindustrieller Zeit zum überwiegenden Teil aus Holz, ebenso Hausrat und Geräte. Die Vielzahl an Ver- und Anwendungen des Rohstoffs Holz stellte dabei unterschiedliche Anforderungen in Bezug auf Holzdimensionen und mechanische Eigenschaften, die in den lokalen Wäldern in unterschiedlicher Regelmäßigkeit verfügbar sein mussten. Den siedlungsnahen Wäldern kam überdies eine wichtige Rolle als erweiterter Nutzungsraum der subsistenzwirtschaftlichen Siedlungsorganisation im Zusammenhang mit Waldweide, Schweinemast und Zeidlerei zu. Als Brennstoff war Holz außerdem der einzige Energieträger, der für Haushalt und handwerkliche Prozesse (z. B. Töpferei und Metallurgie) zur Verfügung stand. Der nachwachsende Rohstoff stellte somit einen erheblichen Faktor vorindustrieller Wirtschaft dar. Der Vortrag behandelt das komplexe Thema Waldnutzung aus dendroarchäologischer Perspektive. Dabei sollen konkrete Befunde und ihre Interpretation ebenso vorgestellt werden wie überregionale und aussagekräftige Synthesen großer Datensätze. Modelle zur Erkennung traditioneller Waldbewirtschaftungsformen werden präsentiert. Ein besonderer Fokus wird auf der Mittelwaldwirtschaft liegen. Im Vortrag sollen auch methodische Schwierigkeiten und Unsicherheiten etablierter Modellvorstellungen angesprochen und diskutiert werden, etwa in Hinblick auf die Niederwaldwirtschaft. Seit längerer Zeit wurden entsprechende dendroarchäologische Erklärungsmodelle entwickelt und verbreitet. Dennoch ist bei der Interpretation der entsprechenden Bewirtschaftungsform Vorsicht geboten, da entsprechende Aussagen trotz vielfacher Versuche noch nicht mit Sicherheit getroffen werden können. Die intensive Nutzung von Wäldern zur Holzgewinnung hatte tiefgreifende Folgen für die Waldbestände in Mitteleuropa, die sich teilweise dendrocharchäologisch erschließen lassen. Nichtsdestotrotz ist für eine umfassende Interpretation der komplexen paläoökologischen Zusammenhänge die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Palynologie, Archäobotanik, Archäologie und den Forstwissenschaften notwendig.
Dozent:
Dr. Bernhard Muigg, Kanton Thurgau/Universität Freiburg
Veranstalter:
Landesamt für Denkmalpflege (LAD), Fachbereich Feuchtbodenarchäologie, Hemmenhofen
Rückfragen und dauerhafte Aufnahme in den Hauskolloquiums-Verteiler:
jasmin.schadmehri(at)rps.bwl.de
Tel. +49 7735 / 93 777 112
Meeting:
https://zoom.us/j/95104902350?pwd=mtBMYLbRhW4tBmfb9mZaj6M18YKXNn.1
Meeting-ID: 951 0490 2350
Kenncode: 918328

