Diese Ausstellung führt mitten hinein in die Abgründe des Nationalsozialismus – und zugleich zu dem, was ihm entgegengesetzt werden muss: Erinnerung. In den Konzentrationslagern wurden Menschen entrechtet, entwürdigt, zu Nummern gemacht. Ihre Namen, ihre Gesichter, ihre Geschichten sollten ausgelöscht werden.
Das Projekt „Vergessene Spuren“ macht die Lebensgeschichte von Guido Busca wieder sichtbar: geboren 1904 in Italien, Teil des französischen Widerstands, deportiert und 1944 im KZ-Außenlager Neckargerach gestorben. Sein Schicksal steht exemplarisch für unzählige andere, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer fielen.
Verantwortet von den beiden Lehrkräften der Realschule Eberbach Christina Frischholz und Martin Kohler ist diese Ausstellung das Ergebnis einer mehrjährigen Spurensuche. Schülerinnen und Schüler recherchierten in Archiven, führten Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Angehörigen, analysierten Dokumente und reisten zu zentralen Orten seines Lebens – von Deutschland über Frankreich bis nach Italien. Schritt für Schritt rekonstruierten sie seine Biografie, die beinahe verloren gegangen wäre. Diese Ausstellung ist mehr als ein historisches Projekt: Sie ist Ausdruck gemeinsamer Verantwortung und zeigt, dass Erinnerung aktives Handeln erfordert. Jugendliche können Geschichte lebendig halten. So entsteht gelebte Erinnerungskultur im Sinne eines gemeinsamen europäischen Zeichens gegen das Vergessen, für Mitmenschlichkeit und für die unantastbare Würde jedes Einzelnen.
Das KZ vor der Haustür – Spurensuche an den Orten des KZ-Terrors
Auch der zweite Teil der Ausstellung widmet sich einer Spurensuche. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erfassung und Dokumentation der materiellen Relikte, die sich an den ehemaligen Orten des KZ-Terrors bis heute erhalten haben.
In einem zwischen 2018 und 2024 durchgeführten Projekt hat sich das Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg an den Standorten ehemaliger Konzentrationslager, aber auch an den Stätten der Zwangsarbeit und körperlichen Ausbeutung der Häftlinge umgesehen. Dabei konnten zahlreiche Spuren ermittelt werden, die einen Eindruck vom Aussehen und der Größe der Lager sowie von ihrer Einbettung in die ausbeuterischen Strukturen der NS-Rüstungsproduktion vermitteln können. Es handelt sich um Gebäude oder deren Reste, um Relikte von Industrie- und Infrastruktureinrichtungen oder auch um Barackenfundamente und Gegenstände, die im Boden der ehemaligen Lagerstandorte überdauert haben und bei archäologischen Ausgrabungen ans Licht gebracht wurden. Einige dieser Objekte sind als Exponate der Ausstellung zu sehen.
All diese vor Ort erhaltenen Spuren bezeugen die Verbrechen des Nationalsozialismus und bringen zur Evidenz, was in Deutschland nach dem Kriege lange beschwiegen oder geleugnet wurde. Ihre Eintragung in die öffentliche Karte der Kulturdenkmale führt vor Augen, das der NS-Terror auch über Baden-Württemberg ein dichtes Netz geworfen hatte. Mit ca. 50 Standorten war das KZ-System auch hier ein Phänomen, das sich weder in der Ferne noch im Verborgenen, sondern buchstäblich „vor der Haustür“ abspielte. Hinter den durchsichtigen Stacheldrahtzäunen dieser Lager erlitten Tausende Menschen ein ähnliches Schicksal, wie Guido Busca.
Hinweise zu den Öffnungszeiten:
Ausstellungseröffnung: Freitag, 03. Juli um 17:00 Uhr
Montag bis Freitag von 09:00 bis 12:00 Uhr
Samstag und Sonntag von 16:30 bis 18:30 Uhr
In Anwesenheit von Ferdinando, Enkel von Guido Busca

