Publikationen und Service

Fachtagung „Klein, aber fein" im Juli 2011

Unter dem Motto „Klein, aber fein – Kleindenkmale in wissenschaftlicher und heimatkundlicher Diskussion“ veranstalteten das Landesamt für Denkmalpflege und der Schwäbische Heimatbund am Freitag, 8. Juli 2011 eine Tagung in Esslingen.

10-jähriges Projektjubiläum 2011

Seit 10 Jahren werden in Baden-Württemberg in einer einmaligen Kooperation von staatlicher Denkmalpflege und ehrenamtlichem Engagement Kleindenkmale systematisch erfasst. Dieses zehnjährige „Jubiläum“ war Anlass, den vielen Interessierten im ganzen Land (und darüber hinaus) die Möglichkeit zu bieten, das Thema Kleindenkmale gemeinsam aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. 180 Teilnehmer füllten den großen Saal des Salemer Pfleghofs bis auf den letzten Platz. In den Pausen bot der Innenhof bei wunderbarem Sommerwetter ein ideales Forum für intensive Kontaktpflege und fachlichen Austausch.

Projektziel

In ihren Grußworten betonten Ministerialrätin Monika Mundkowski-Bek, Oberste Denkmalschutzbehörde, sowie Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes, und Dr. Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, dass die flächendeckende Erfassung der Kleindenkmale in ganz Baden-Württemberg das Ziel sei und sie sich für eine Fortsetzung des Projektes einsetzen werden.

Zusammenarbeit von Denkmal- und Heimatpflege

Die Zusammenarbeit von staatlicher Denkmalpflege und ehrenamtlicher Heimatpflege hat eine lange Tradition, die – so zeigte Dr. Ulrike Plate in ihrem Beitrag auf – von der Spannung zwischen fachlicher Systematik und ehrenamtlicher Vielfalt lebt und dort, wo diese konstruktiv angewandt wird, zu hervorragenden Ergebnissen führt. Allerdings müssen auch immer wieder gegenseitige Vorbehalte überwunden werden, damit die Synergien im Sinne der Denkmale genutzt werden können.

Die Kultur der „kleinen Leute“

In ihrem Vortrag bedauerte die Kulturwissenschaftlierin Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger die oft noch bestehenden Vorurteile der Kunst- und Kulturwissenschaft gegenüber der so genannten Volkskunst – der Kultur der „kleinen Leute“ – und betonte die Bedeutung der vielfältigen Kleindenkmale für die „Lesbarkeit der Welt“ (Hans Blumenberg).

Motive für die Aufstellung von Kleindenkmalen

Martina Blaschka, Koordinatorin des Projekts, stellte nicht die Kleindenkmale, sondern die mit den Kleindenkmalen verbundenen Menschen vor – von den unterschiedlichen Motiven, Kleindenkmale zu setzen, sich mit Kleindenkmalen zu beschäftigen, bis hin zum Umgang mit dem Kleindenkmal vor Ort. Kreiskoordinator Norbert Häuser, Esslingen, stellte die Projektarbeit aus der Sicht des betreuenden Koordinators dar und betonte den pädagogischen Wert der Kleindenkmaldokumentation.

Kleindenkmale allüberall

Reinhard Wolf nahm das Publikum mit auf eine Weltreise der Kleindenkmale – wer in fremden Ländern deren Geschichte erforscht, lernt viel über Land und Leute – und so, mag man hinzufügen, kann es auch mit den Kleindenkmalen im eigenen Land gehen.

Schwerpunktreferate: Das „Madonnenländle“, die Grotte von Lourdes und Altwege

Im Beitrag von Felicitas Zemelka wurde deutlich, wie Kleindenkmale eine Landschaft prägen können – bis hin zu ihrer Vermarktung als „Madonnenländchen“, ein heute mit zwiespältigen Gefühlen getragener Titel. Die wissenschaftliche Erforschung der Grotte von Lourdes in ihrem Spektrum vom öffentlichen Verehrungsort bis hin zum Ort der privaten Andacht zeigte Kulturwissenschaftlerin Bärbel Kerkhoff-Hader auf. Ein noch weitgehend unerforschtes Feld dagegen sind die von Vermessungsingenieur Dieter Müller vorgestellten Altwege, deren systematische Erfassung und Erforschung einen wichtigen Beitrag zur Landesgeschichte leisten kann – wie bereits an den wenigen vorgestellten Beispielen deutlich wurde. Wolfgang Zimmermann stellte die Stiftung Wegzeichen-Lebenszeichen-Glaubenszeichen vor, die unter dem Motto „sensibilisieren, motivieren und prämieren“ zum Beispiel in der Arbeit mit Firmgruppen auch die jüngere Generation für das Thema Kleindenkmale begeistert.

Die Restaurierung von Kleindenkmalen

Auf sehr großes Interesse stießen die beiden Vorträge zur Restaurierung von Kleindenkmalen aus Stein und aus Metall. Steinmetzmeister und Restaurator Hans Dietl machte deutlich, dass Bearbeitungsspuren zum geschichtlichen Zusammenhang des Objekts gehören und viele Informationen preisgeben können. Restaurator Rolf-Dieter Blumer zeigte in drastischen Bildern bedauernswerte gängige Fehlbehandlungen von Denkmalen aus Metall. Folgeschluss aus beiden Referaten: Dem Erhalt von Kleindenkmalen ist es dienlicher, Fachleute zu fragen, bevor man selbst Hand anlegt.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich von einer vielfältigen und informativen Tagung berichten, die dem fachlichen und persönlichen Austausch diente. Eine Folgetagung wurde insbesondere zu einzelnen Kleindenkmaltypen und zum Schutz und zur fachgerechten Pflege von Kleindenkmalen gewünscht.