Publikationen und Service

DNK-Studentenworkshop in der Schmiedetechnik Henning in Metzingen

Studenten beim Arbeiten im Henning Areal in Metzingen.
Studenten beim Arbeiten im Henning Areal in Metzingen.

Kreative Ideen zur Nutzung eines Industriedenkmals

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz finanziert jährlich einen Studentenworkshop, der inhaltlich von Hochschulen und Landesdenkmalämtern gestaltet wird. In diesem Jahr fand die 10. Veranstaltung dieser Art in Baden-Württemberg statt. Als Gegenstand der Untersuchung wurde ein Industriedenkmal ausgewählt: die Schmiedetechnik Henning in Metzingen, die 2014 ihren Betrieb eingestellt hat. Aufgabenstellung war die Erarbeitung von Ideen zur denkmalgerechten Nachnutzung dieses Areals.

Organisation und Ablauf des Workshops

Mit Zustimmung von Volker Rose, der den Eigentümer vertrat, holte sich das Landesamt für Denkmalpflege zur Durchführung des Workshops die Stadt Metzingen und die Universität Stuttgart (Institut für Baukonstruktion 1, Prof. Cheret und Institut für Architekturgeschichte, Prof. Philipp) mit ins Boot. Die Stadt Metzingen übernahm dankenswerter Weise die Organisation der Unterbringung und Verpflegung der Studenten sowie der Einrichtung und Ausstattung eines Arbeitsplatzes in der ehemaligen Kantine der Firma. Die Universität Stuttgart brachte ihre Erfahrung in der Planung und Durchführung von Lehrveranstaltungen ein und wurde dabei inhaltlich von Mitarbeitern des Landesamts für Denkmalpflege (Iris Fromm-Kaupp als Gebietsreferentin,Dr. Michael Hascher als Referent für Kulturdenkmale der Industrie und Technik, Prof. Michael Goer als Leiter der Bau- und Kunstdenkmalpflege, Dr. Irene Plein als Fachbereichleitung Öffentlichkeitsarbeit) unterstützt. Nach einer Ausschreibung des DNK wurden 20 Studierende aus dem Bundesgebiet ausgewählt, die aus den Fachrichtungen Architektur, Kunstgeschichte, Landschaftsarchitektur, Immobilienmanagement und Jura kamen. Der Workshop begann am Montag, 22. September 2015 mit einem Auftaktsymposium und endete mit einer öffentlichen Vorstellung der Ergebnisse am Sonntag. Als Vergleichsbeispiele wurden in einer eintägigen Exkursion am Mittwoch die Pulverfabrik in Rottweil und das Sulzer-Gelände in Winterthur besichtigt.

Exkursion der Studenten ins Sulzer-Areal nach Winterthur.
Exkursion der Studenten ins Sulzer-Areal nach Winterthur.

Harmonie der Gruppe als Grundlage für die Qualität des Umnutzungskonzeptes

Bei der Betrachtung der Ergebnisse fällt - auch im Vergleich zu früheren Workshops oder vergleichbaren Veranstaltungen – zunächst auf, dass die Studierendengruppe offenbar außergewöhnlich gut harmoniert hat. Zwar gab es im Detail konkurrierende Ansätze, im Großen und Ganzen wurde aber ein einheitlich gestaltetes Gesamtkonzept präsentiert. Für den Eigentümer wie die Stadt Metzingen ist das eine gute Grundlage für die weiteren Planungen zur Nachnutzung des Geländes. Die Qualität des Konzeptes und seiner Teile ist sehr hoch - besonders wenn man die sehr kurze Bearbeitungszeit berücksichtigt.

Innovative Konzepte auf Grundlage detaillierter Analysen

Hervorzuheben ist die Breite des Spektrums der untersuchten Aspekte. Eine Gruppe legte den Schwerpunkt auf die Standortanalyse und den Verbindungen zwischen der Innenstadt und dem hinter dem Henning Areal neu entstehenden Gewerbegebiet. Die Integration des Areals als „Zwischenstadt“ könnte danach langfristig vor allem durch die öffentliche Zugänglichkeit erreicht werden. Eine andere Gruppe beschäftigte sich mit der Frage, inwieweit das Areal in den Köpfen der Bevölkerung präsent sei oder wieder werden muss. Sie entwickelte ein neues Logo und drehte sogar einen kleinen Imagefilm. Eine dritte Gruppe befasste sich im Detail mit dem Denkmalwert und erstellte eine Alterskartierung des Geländes. Darauf basierend sah das Nachnutzungskonzept eine stufenweise, die Denkmalwerte erhaltende Entwicklung vor. Eine ähnliche schrittweise Entwicklung plante auch die vierte Gruppe mit ihrem Konzept „Tradition innovativ“. Schließlich war Gruppe fünf die einzige, die in ihrem mit „denk.mal.neu“ überschriebenem Konzept eines Tagungs- und Schulungszentrums größere Eingriffe in den denkmalgeschützten Gebäudebestand und den Neubau eines Hotelbereichs vorschlug. Abgesehen davon gelang es allen Gruppen, die sehr vielfältige Mischung angedachter neuer Nutzungen im überlieferten Bestand zu platzieren. Dabei reichte das Spektrum von Büros und Werkstätten (vorzugsweise für Start-Ups oder innovative Unternehmen) über Gastronomie- und Veranstaltungsflächen bis zu Wellness- und Sportanlagen. Auch mehr oder weniger starke Aspekte der Vermittlung des Denkmals waren in fast allen Konzepten enthalten ohne dass eine komplette Musealisierung des Geländes vorgeschlagen wurde.

Kreative Umnutzungsideen als Grundlage für die weitere Planung

Naturgemäß kann ein einwöchiger Studentenworkshop nur Ideen liefern, denen genauere Planungen folgen sollten. Wie es mit dem Henning-Areal weitergeht, wird sich in Zukunft zwischen Eigentümer, Kauf- und Mietinteressenten, der Stadt Metzingen, ihren Bürgern und weiteren Akteuren wie beispielsweise den Behörden entscheiden. Dass für diesen Prozess nun kreative Ideen von außen vorliegen, kann einer weiteren Entwicklung keinesfalls schaden.