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Ministerialdirektor Guido Rebstock und Staatssekretärin Marion von Wartenberg ehren Teilnehmer der Aktion „Grundschüler erleben Denkmalpflege“

Am 19. Januar 2015 luden Ministerialdirektor Guido Rebstock vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft und Staatssekretärin Marion von Wartenberg vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport anlässlich des 5-jährigen Bestehens der Aktion „Grundschüler erleben Denkmale“ zu einer Feierstunde ins Haus der Wirtschaft nach Stuttgart ein.

Kindern und Jugendlichen Denkmalpflege näher bringen

Der Ladesdenkmalpflege Baden-Württemberg ist es ein zentrales Anliegen, Kindern und Jugendlichen altersgerechte Informationen und Aktionen zu Inhalten und Methoden der Denkmalpflege anzubieten. In den letzten Jahren hat sie für diese Altersgruppen verschiedene maßgeschneiderte Angebote entwickelt, die vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft finanziert und teilweise vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport begleitet werden. Mit Führungen, Unterrichtsmaterialien, Projektvorschlägen und Fortbildungen stehen insbesondere Schulklassen beziehungsweise Lehrer im Fokus. Einen besonderen Stellenwert hat die Aktion „Denkmalschutz und Schule – Grundschüler erleben Denkmale“, an der bislang rund 1600 Schülerinnen und Schüler in Baden- Württemberg teilgenommen haben. Dabei gehen denkmalerfahrene Architekten in Grundschulen, informieren im Unterricht über Denkmalpflege, führen über eine von ihnen betreute Denkmalbaustelle und vertiefen anschließend gemeinsam mit dem Lehrenden das Gelernte in einer kreativen Aktion. Die Architekten engagieren sich in diesem Zusammenhang auf ehrenamtlicher Basis.

Anerkennung und Ehrung der Beteiligten

Im Rahmen des Festaktes dankten Ministerialdirektor Rebstock und Staatssekretärin von Wartenberg allen Beteiligten für ihr bisheriges Engagement und nutzten die Gelegenheit, auf die gute Zusammenarbeit der beiden Ministerien hinzuweisen. Fünf herausragende Schulaktionen und Projektpaten wurden an diesem Tag geehrt.

Die Grundschule Wiechs erhielt eine Auszeichnung für ihr äußerst kreatives und nachhaltig angelegtes Projekt aus dem Jahr 2013/14. Ein von der Landesdenkmalpflege finanzierter Film gab den Teilnehmern einen lebendigen Einblick in das von Rektorin Rosemarie Jäkel und ihrem Lehrerteam entwickelte Projekt, das sich ganz auf den Wohnbeziehungsweise Heimatort der Kinder konzentrierte. Die aufgesuchten Kulturdenkmale waren nicht spektakulär, aber doch wesentlicher Bestandteil der Geschichte des Dorfes, das heute zur Stadt Schopfheim gehört. Ganz besonders zu erwähnen ist die Dynamik der Aktion: Statt einer Klasse nahm schließlich die gesamte Schule an dem Projekt teil, aus einem Kulturdenkmal wurden sieben Objekte. Da zu jedem Denkmal ein entsprechender „Experte“ benötigt wurde, hat man nicht nur mit dem einleitenden Architekten kooperiert. Zum Schluss konnte man 13 Experten aus dem Teilort Wiechs begeistern, ihr Spezialwissen an die Kinder weiterzugeben. Ergebnis des Projektes war eine so genannte Tour de Wiechs, bei der die deutschen Kinder ihre Erkenntnisse den Schülern der französischen Partnerschule aus Ferrette vortrugen.

Eine weitere Auszeichnung erhielt Dipl.-Ing. Michael Rohrer von der Unteren Denkmalschutzbehörde Bad Säckingen. Er erkannte schon früh, dass die Vermittlung der Wertigkeit von Kulturdenkmalen und der Methoden, wie sie erhalten werden können, eine wichtige Grundlage für seine Arbeit und die seiner Nachfolger sein wird. Als „Mann der ersten Stunde“ wirkt er seit Beginn der Aktion zusammen mit der Weihermattenschule in jedem Schuljahr mit. Doch es blieb nicht nur bei einer Grundschule in Bad Säckingen. Was man tun muss, damit die historische Altstadt Bad Säckingen so ansehnlich bleibt, wollten zwischenzeitlich zwei weitere Schulen der Stadt wissen. Und so betreute Herr Rohrer im vergangenen Schuljahr acht Grundschulklassen mit 185 Kindern. Das ist im Teilnehmerkreis ein wahrlich herausragendes Engagement. 

Die Aktion „Denkmalschutz und Schule – Grundschüler erleben Denkmale“ zieht keine Grenze zwischen behinderten und nicht behinderten Kindern. Das Kooperationsprojekt der dritten Klassen der Hölderlin-Grundschule mit einer Schulklasse für Geistig- und Körperbehinderte der Kaywaldschule machte dies deutlich. Im Mittelpunkt dieses Projektes aus dem Schuljahr 2011/12 stand die Restaurierung der evangelischen Regiswindiskirche in Lauffen am Neckar. Die Unterrichtseinheiten wurden nach Möglichkeit gemeinsam umgesetzt. Nach der Erörterung der Frage „Was ist ein Denkmal eigentlich?“ folgte eine praktische Unterrichtseinheit aller Kinder unter fachkundiger Anleitung  der Steinmetzfirma Melchior und des Büros Strebewerk. Die Schülerinnen und Schüler beider Schulen erfuhren „am eigenen Leib“, welche Leistung Steinmetze bei der Erbauung der Regiswindiskirche erbringen mussten. Sie waren erstaunt, dass auch Stein vergänglich ist, und suchten gemeinsam nach Spuren der bereits durchgeführten Reparaturen. Derart sensibilisiert, wollten die Kinder Spenden für die Sanierung sammeln und verkauften auf einer Schulveranstaltung Selbstgebasteltes mit dem Motiv der Kirche. Die Hölderlin-Kinder arbeiteten noch ein wenig intensiver an dem Projekt. Sie wurden auch im Rahmen des SWR1-Workshops „Die jungen Redakteure“ mit Beiträgen rund um das Denkmal Regiswindiskirche und mit einem Sponsorenlauf aktiv. Maßgeblichen Anteil an diesem gelungenen Projekt hatten die betreuenden Lehrkräfte: Gabriele Bareis und Petra Fink von der Hölderlin-Grundschule zusammen mit Brigitte Glashauser und Herrmann Namislov (inzwischen im Ruhestand) von der Kaywaldschule. Ihnen gilt besonderer Dank. Auf große positive Resonanz stieß die Festveranstaltung zum fünfjährigen Jubiläum der Aktion „Grundschüler erleben Denkmale“ Beim Erfahrungsaustausch schilderten Projektinitiatoren und Teilnehmer, wie alles anfing und was sie persönlich erlebt haben.

 

 

Einblicke in die Projektarbeit

Aus dem Kreise der ehrenamtlich tätigen Architekten haben sich besonders hervorgetan Dipl.-Ing. Till Läpple und Dipl.-Ing. Tilman Riegler, Inhaber des Büros Strebewerk aus Stuttgart. In drei Schuljahren betreuten sie vorwiegend im Regierungsbezirk Stuttgart verschiedene Projekte zu Kulturdenkmalen, denen gemeinsam ist, dass sie aus Naturstein erbaut wurden. Stets arbeiteten sie bei den einzelnen Grundschulprojekten mit den vor Ort tätigen Steinmetzbetrieben zusammen und bereicherten so die praktischen Unterrichtseinheiten durch haptische Sequenzen. Zweimal begleiteten sie in Lauffen am Neckar die Hölderlin-Grundschule zur Restaurierung der evangelischen Regiswindiskirche, einmal als Kooperationsprojekt mit geistig- und körperlich behinderten Kindern. In Creglingen konnte die örtliche Grundschule die Sanierung der Herrgottskirche mit ihrer Hilfe thematisieren, in Maulbronn und Bebenhausen wurden ganze Klosteranlagen erschlossen. Dabei nutzen sie nicht einfach nur das ebenfalls hervorragende Angebot der Schlösserverwaltung, sondern entwickelten ein speziell auf die Denkmalpflege fokussiertes Programm. Für insgesamt 190 Grundschulkinder waren sie beide die unangefochtenen Experten. Ein solches Engagement ist nicht selbstverständlich und hat beide viel Zeit und Kraft gekostet. Damit haben sie sich die Auszeichnung redlich verdient.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden drei von der Landesdenkmalpflege für Grundschulen und die Sekundarstufe 1 konzipierte Unterrichtsmaterialien (in Heft 2/2015 folgt hierzu ein gesonderter Beitrag) sowie das neue Kinderbuch "Abenteuer Denkmalpflege" vorgestellt.

 

 

Film über das Grundschulprojekt in Wiechs

Informationsseite zum Buch „Abenteuer Denkmalpflege“

Projektseiten "Grundschüler erleben Denkmale"

Pressemeldung zur Jubiläumsveranstaltung