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Bergung von Funden aus dem Grundstein der ehemaligen Stadtkirche Pforzheim von 1829 auf dem Rathaushof

PRESSEMITTEILUNG 3. Juli 2018

Nr.: 243/2018

 

Im Zuge der seit 2013 andauernden archäologischen Ausgrabungen des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart auf dem Rathaushof in Pforzheim wurden weite Teile der massiven Fundamente des durch den badischen Hofbaumeister Heinrich Hübsch geplanten, jedoch unvollendeten Nachfolgebaus für die 1789 zerstörte Stadtkirche freigelegt. Das Grabungsteam stieß dieses Jahr in den Fundamenten des Nordturms auf den Grundstein mit eingelassener Inschriftenplatte. Darauf sind das Datum der Grundsteinlegung, der 25. August 1829 und die Initiale des damals herrschenden badischen Großherzogs Ludwig vermerkt. Unter der Platte war ein Hohlraum zur Aufbewahrung einer Zeitkapsel o.ä. zu vermuten.

 

Gestern, am 2. Juli 2018, wurde im Beisein der Presse und der Öffentlichkeit von einer Fachfirma die Inschriftenplatte vom Grundstein abgehoben, um das Stück zu sichern und für die später beabsichtigte Aufstellung in Pforzheim zu restaurieren. Im darunter liegenden Hohlraum wurde zunächst ein in eine Holzkohleschicht gebettetes Glas mit Weizenähren gefunden, möglicherweise ein Symbol für die Erntezeit im August oder aber vielleicht ein Nachhall auf die Zeiten großer Not und Missernten nach dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora 1817. Darunter lagen in einer Sandschicht zwei weitere, jedoch nicht so gut erhaltene Gläser sowie eine Zeitkapsel aus Zinn oder Blei. Soweit erkennbar enthält diese einige Münzen. Zuunterst konnte aus dem Grundstein schließlich eine leider völlig korrodierte Inschriftenplatte aus Weißmetall geborgen werden.

 

Die Funde aus dem Grundstein wurden zur Restaurierung in die zentrale Werkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart nach Esslingen gebracht. Nach der Öffnung der Kapsel unter Laborbedingungen und Sicherung der Funde sollen diese der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

 

 

Anlagen: Bilder
01: Die Zeitkapsel mit Münzen aus dem Grundstein des Neubaus der ehemaligen Stadtkirche Pforzheim im unrestaurierten Zustand.

03: Freilegung des Hohlraums unter der Inschriftenplatte. Hier kamen bei weiterer Untersuchung Gläser und eine Zeitkapsel mit Münzen zum Vorschein.

04: Grabungsleiterin Marianne Lehmann präsentiert eines der Fundstücke.

05: Inschriftenplatte des Grundsteins mit schemenhaftem Abdruck der Grundsteinlegung: 25. August 1829.

06: Anhebung der Inschriftenplatte des Grundsteins durch Maxim Kromm und Michael Schrem (von links).

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

 

 

Hinweise für die Pressevertreter:

Für Rückfragen steht Ihnen als Ansprechpartnerin Saskia Becker, Pressereferentin des Regierungspräsidiums Stuttgart, unter der Telefonnummer 0711/904-10002 gerne zur Verfügung.

 

 

 

Hintergrundinformationen

Die Stadtkirche Pforzheim hatte eine bewegte Geschichte. Im 13. Jahrhundert ursprünglich als Klosterkirche der Dominikaner errichtet, diente sie ab der Reformation 1566 als Pfarrkirche der Stadtgemeinde. In Folge der Zerstörung im Pfälzer Erbfolgekrieg 1692 wurde die einstige gotische Basilika 1716-21 auf den alten Grundmauern als protestantische Saalkirche wieder aufgebaut. Diese Kirche fiel 1789 zusammen mit 44 weiteren Gebäuden einem lokalen Brandereignis zum Opfer. Auf dem schließlich 1812 einplanierten Gelände war ein Neubau vorgesehen. Nach verschiedenen Entwürfen, u.a. 1816 von Friedrich Weinbrenner, sollte 1829 schließlich eine vom badischen Baumeister Heinrich Hübsch geplante Kirche mit doppeltürmiger Westfassade verwirklicht werden. Der Bau gedieh jedoch nie über die Fundamente hinaus und der spätere Schulplatz wurde 1847/48 endgültig eingeebnet.