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Denkmalpflegerischer Werteplan zu der Gesamtanlage Ladenburg (Landkreis Rhein-Neckar-Kreis)

Offizielle Übergabe durch das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in Ladenburg

 

Pressemeldung Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

 

Dr. Annegret Kaiser und Daniel Keller vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart übergaben heute den fertiggestellten Denkmalpflegerischen Werteplan für die Gesamtanlage Ladenburg an Bürgermeister Stefan Schmutz. Mit dem neuen Planwerk werden nun auch die denkmalpflegerischen Werte in der Gesamtanlage Ladenburg präzise erfasst, aktualisiert und anschaulich dargestellt. Die Intention des Denkmalpflegerischen Werteplans ist eine ganzheitliche Darstellung des kulturellen Erbes. Hier werden nicht nur die Kulturdenkmale, sondern auch deren wesentlicher Kontext mit erhaltenswerten Gebäuden, Straßenzügen, Plätzen und Grünflächen dokumentiert. In Texten, Karten und Fotos werden alle Elemente, die den historischen, schützenswerten Stadtkern prägen, beschrieben und bewertet. Als städtebaulich-historischer Fachbeitrag des LAD ermöglicht er für die tägliche Praxis einen unkomplizierten und schnellen Datenzugriff und steht damit allen am Planen und Bauen in Ladenburg beteiligten Behörden und Personen tagesaktuell zur Verfügung.

 

Das LAD hat über 50 Denkmalpflegerische Wertepläne für die historischen, denkmalgeschützten Stadt- und Ortskerne des Landes erstellt. Auf zusammen fast 10.000 Seiten wird in diesen Fachplänen die Vielzahl, Vielfalt, Individualität und Qualität der Siedlungslandschaft in Baden-Württemberg gewürdigt.

 

Hintergrundinformationen:

Die Stadt, deren römische Wurzeln auf das in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts gegründete Kohortenkastell zurückgehen, wurde unter Kaiser Trajan als Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium ausgebaut. Die römische Stadt Lopodunum, mehrfach zerstört und zuletzt unter Valentian I. 369 zurückerobert, blieb als Trümmerstätte besiedelt und wird urkundlich erstmals für das Jahr 755 als Lobetdenburc bezeugt. Unter den Franken entstand im 5. Jahrhundert der Königshof, der dann im 7. Jahrhundert in Besitz der Wormser Bischöfe überging. In der Folge ab 1395 zur Hälfte und ab 1705 zur Kurpfalz gehörig wurde Ladenburg 1803 badische Oberamtsstadt. Der Burgus des Königshofes mit dem südlich daran anschließenden Bischofshof bilden den Kern für die sich daran auf der Rhein-Neckar-Aue gegen Osten entwickelnde mittelalterliche Kernstadt, an die sich hoch- und spätmittelalterliche Stadterweiterungen gegen Norden und Osten anschließen. Der Marktplatz, ein unregelmäßiges Geviert, liegt östlich der mittelalterlichen Kernstadt und ist wohl bei den spätmittelalterlichen Stadterweiterungen angelegt worden. Die Silhouette wird durch die Bauten der spätmittelalterlichen St.-Gallus-Kirche und der 1876/78 errichteten evangelischen Kirche sowie vom Norden auch durch das Martinstor und den Hexenturm bestimmt. Das Gebiet der Altstadt ist bis heute noch durch den Verlauf der mittelalterlichen Befestigung begrenzt, deren Bestand gegen Westen und im Norden zwischen Hexenturm und Martinstor die ehemalige Wehrhaftigkeit belegt. Neben der St.-Gallus-Kirche, deren Krypta in die Umfassung der Apside der römischen Marktbasilika eingefügt ist, bezeugt die Altkatholische St.-Sebastians-Kapelle, die aus dem karolingischen Vorgängerbau der bischöflichen Hauskapelle hervorging, mit dem steingedeckten Turm des 11. Jahrhunderts die lange Stadtgeschichte. Das Stadtbild wird durch den weitgehend geschlossenen Hausbestand des 15. bis 19. Jahrhunderts geprägt, darunter eindrucksvolle Fachwerkhäuser. Anwesen früherer adeliger und kirchlicher Herrschaft wie der Bischofhof mit seiner wiederhergestellten Fassadenbemalung (heute Lobdengaumuseum), der Handschuhsheimer Hof und der Jesuitenhof, bestimmen die weitgehend aus dem Spätmittelalter stammende und besonders durch die Barockzeit geprägte Struktur der Stadt. Die Dichte der archäologischen Befundlage ist durch eine Vielzahl von Aufschlüssen innerhalb der Stadt ablesbar gemacht. Da die Stadt sowohl von den Zerstörungen des pfälzischen Erbfolgekrieges wie auch des zweiten Weltkrieges verschont blieb, konnte die schonende Sanierung der 1980er Jahre hier das geschlossene Stadtbild, welches in seiner Silhouette bis heute von störenden Hochbauten verschont blieb, als Zeugnis überliefern. Bei der Stadt handelt es sich um eine Gesamtanlage gemäß §19 Denkmalschutzgesetz (DSchG), an deren Erhaltung ein besonderes öffentliches Interesse besteht.

 

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