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Ausgrabungen an der "Teufelsmauer" bei Heubach stehen vor dem Abschluss

19.09.17

 

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG                                   19. September 2017

Nr.: 309/2017

 

 

Archäologische Denkmalpflege

 

Forschungen und Grabungskampagne an der „Teufelsmauer“ bei Heubach – Ausgrabungen stehen vor dem Abschluss

 

Erste Ergebnisse der aktuellen Ausgrabungen auf dem Mittelberg bei Heubach-Lautern

 

Die mächtige „Teufelsmauer“ ist ein 400 Meter langer Steinwall mit vorgelagertem Graben, der die Kuppe des Mittelbergs bei Heubach-Lautern in schnurgerader Linie quert. Sie ist Teil eines vielgliedrigen Ensembles vorgeschichtlicher Befestigungen, das die Albrandhöhen des Albuchs im Bereich von Rosenstein, Mittelberg und Hochberg prägt. Eine systematische Erforschung dieser Anlagen nach modernen archäologischen Gesichtspunkten hat bisher noch nicht stattgefunden, entsprechend wenig war über die eindrücklichen Anlagen bisher bekannt.

 

Das Landesamt für Denkmalpflege hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, diese Anlagen, die aufgrund ihrer Größe zu den bedeutendsten archäologischen Kulturdenkmalen des Landes gehören, wissenschaftlich zu erforschen. Seit 2016 ist ein Archäologen Team unter der Leitung von Dr. Christian Bollacher dabei, die zeitliche Stellung und die Funktion der befestigten Niederlassung auf dem Mittelberg durch systematische Ausgrabungen zu klären. Im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung berichtete Dr. Christian Bollacher heute, am 19. September 2017, in Heubach über die Ergebnisse der bisherigen Forschungen.

 

Landrat Pavel sagte in seinem Grußwort: „Der Ostalbkreis ist reich an Zeugnissen der Vergangenheit. Neben dem bedeutenden römischen kulturellen Erbe weisen auch zunehmend mehr Funde aus keltischer Zeit auf deren Bedeutung für unsere Raumschaft hin. Ich freue mich sehr, dass nun mit den Ausgrabungen am Rosenstein ein neuer archäologischer Schwerpunkt gesetzt wird. Deshalb habe ich mich gerne als Fürsprecher des Forschungsvorhabens gewinnen lassen, als mir das Projekt vorgestellt wurde.“

 

Auch Bürgermeister Frederick Brütting zeigte sich von den Forschungen begeistert: „Wir Heubacher freuen uns sehr darüber, dass endlich die Geschichte der Kelten am Rosenstein erforscht wird. Ich bin mir sicher: es gibt noch viel zu entdecken.“ 

 

Landesarchäologe Prof. Dr. Dirk Krausse fügte hinzu: „Schon nach der zweiten Grabungskampagne auf dem Mittelberg ist somit ein erheblicher Forschungsfortschritt zu verzeichnen. An die Stelle von Mutmaßungen ist das Bild einer keltischen Siedlung getreten, das sich mit zunehmender Erkenntnis mehr und mehr zu klären beginnt.“

 

 

Hinweise für die Pressevertreter:

Für Rückfragen steht Ihnen als Ansprechpartnerin Katja Lumpp, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart, unter der Telefonnummer 0711/904-10002 gerne zur Verfügung.

 

 

Weitere Informationen:

Wie die bisherigen Ausgrabungen ergaben, handelt es sich bei der „Teufelsmauer“ um ein Bauwerk aus der Zeit um 400 v. Chr., die im archäologischen Fachjargon als „frühe Latènezeit“ bezeichnet wird. Die Baumeister waren Kelten. Offenbar wurde für die Konstruktion des Befestigungswerkes eine Materialkombination von Holz, Erde und Bruchsteinen gewählt, was im vorgeschichtlichen Mitteleuropa nicht unüblich war. Unüblich erscheint dagegen der Umstand, dass auf eine aus Bruchsteinen aufgeschichtete Trockenmauerfront zugunsten einer durchgängigen Holzverschalung verzichtet worden zu sein scheint. Für die „Teufelsmauer“ deutet sich somit eine architektonische Sonderform an, die abseits typisch keltischer Wehrbauten wie der Pfostenschlitzmauer oder des „murus gallicus“ steht. In jedem Falle entpuppt sich der heute so eindrücklich erhaltene Steinwall als Verfallsprodukt einer ehemals komplexen und aufwändigen Konstruktion.

 

Im Schutze dieser Mauer scheint sich auf der Kuppe am Albtrauf eine lebendige Siedlung entwickelt zu haben. Zahlreiche Scherbenfunde zeittypischer Keramik künden von der Vorratshaltung und der Speisezubereitung in den einzelnen Haushalten.

 

Zusammen mit eisernen Schmiedeabfällen belegt das Fragment eines Gusstiegels, dass innerhalb der Mittelberg-Siedlung Metall verarbeitet wurde. Möglicherweise gehörte eine auffallend schlichte Eisendrahtfibel mit geknicktem Bügel, von der die aktuellen Ausgrabungen einige Exemplare zutage gefördert haben, zum Repertoire dieser lokalen Produktion, dies jedenfalls legt das geborgene Halbfabrikat einer solchen Fibel nahe. Darüber hinaus wurde auf dem Mittelberg – wie in den Siedlungen und Haushalten der damaligen Zeit üblich – Garn gesponnen und zu Stoffen verarbeitet, dies zeigen die Funde zweier Spinnwirtel an. Eine Glas- und eine Knochenperle dürften weiblichen Schmuckaccessoires zuzuordnen sein. Auf Handelsbeziehungen ins weitere Umland weisen Fragmente sogenannter Briquetage-Gefäße. Es handelt sich dabei um grob gearbeitete „Einweg-Töpfe“, in denen Salz gesotten und transportiert wurde. Die Herkunft dieser Gefäße dürfte im Umfeld keltischer Salinen bei Heilbronn oder Schwäbisch Hall zu suchen sein. Das etwa faustgroße Fragment einer Steinskulptur aus ortsfremdem Gneis-Gestein ist ein bisher einmaliger Fund, dessen abschließende Deutung noch aussteht.

 

Sofern die Finanzierung weiterer Grabungskampagnen gelingt, sollen neben dem Mittelberg auch die benachbarten Berge Rosenstein und Hochberg in den Focus künftiger Forschungen rücken. Auch sie tragen mächtige Befestigungswerke, deren zeitliche Stellung noch weitgehend ungeklärt ist. Die Häufung derartiger Anlagen am Albtrauf bei Heubach ist einzigartig und bemerkenswert, weitere interessante Ergebnisse sind hier zu erwarten.