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Archäologie vor den Toren der Stadt in Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis): Archäologische Sondage im Gebiet „Neue Nordstadt“ bringt erste Ergebnisse

PRESSEMITTEILUNG 2. November 2017

 

 

Nr.: 389/2017

In Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis) werden Bauvorhaben aufgrund der bedeutenden römischen und mittelalterlichen Geschichte häufig von archäologischen Untersuchungen begleitet. Seit Ende August 2017 ist ein Archäologenteam des Landesamtes für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart (LAD) vor den Toren der Stadt tätig. Die Stadt Ladenburg plant die Ausweisung des großen Baugebietes „Neue Nordstadt“. Dieser Bereich gehört zu den archäologischen Verdachtsflächen mit vermuteten mittelalterlichen, römischen und älteren Siedlungsspuren.

 

Um Planungssicherheit für das Bauvorhaben „Neue Nordstadt“ zu gewährleisten, wird das Baufeld im Vorfeld der Bebauung systematisch untersucht. Mittels Maschineneinsatz angelegte Grabungsschnitte (Sondagen) ermöglichen einen Einblick in den Bodenaufbau und die Verbreitung archäologischer Befunde. Die in der Regel 0,6 m tiefen Schnitte werden mit einer 2,5 m breiten Humusschaufel gezogen. Die archäologischen Befunde in den Sondierungsschnitten werden dokumentiert, über das Fundmaterial, vor allem Gefäßscherben datiert und auf ihren Erhaltungszustand überprüft.

 

Im Zuge der bisherigen Untersuchung wurden zahlreiche Gruben und Gräben des aus dem 17./18. Jahrhundert freigelegt, welche in Verbindung mit einer landwirtschaftlichen Aktivität stehen dürften. Sehr interessant ist die Freilegung von teils vollständigen Gefäßen des 14./15. Jahrhunderts, die in Reihen aufgestellt, vermutlich Gärten oder Felder begrenzten und als Pflanztöpfe oder vielleicht Schneckenfallen dienten. Es handelt sich bei den Gefäßen um sogenannte „Fehlbrände“, also um Ausschussware aus den Töpfereien. Mittelalterliche Töpfereien sind in Ladenburg in der Feuerleitgasse und vermutlich in der Gerbersteige angesiedelt gewesen. Aufgrund der Feuergefahr wurden Töpferöfen auch außerhalb der Stadt angelegt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich diese Töpfereien im Bereich des heutigen ehemaligen Ziegeleigeländes befinden und dort von den Gärtnern des 14./15. Jahrhunderts mitgenommen und in den Feldern und Gärten vor den Toren der Stadt vergraben wurden. Die eingehende archäologische Untersuchung des Bauabschnittes Ziegeleigeländes wird im Frühjahr 2018 erfolgen.

 

Erstaunlicherweise konnten bisher keine römischen Befunde nachgewiesen werden. Jedoch sind häufig vorgeschichtliche Siedlungspuren anzutreffen. In eisenzeitlichen Gruben finden sich Keramikscherben des 6./7. Jahrhunderts vor Christus. Die vorgeschichtliche Landschaft im Bereich des geplanten Bebauungsgebietes bot den damaligen Siedlern günstige Bedingungen, so dass sich erste Hinweise auf eine Ansiedlung schon in der Zeit um 1000 vor Christus abzeichnen. Die Menschen dieser Epoche, der sogenannten Urnenfelderzeit, benannt nach dem Bestattungsbrauch in Urnengräben, legten Lehmentnahmegruben an, um die Baustoffe für ihre Holz-Lehmbauten zu gewinnen. In den Gruben finden sich große Mengen an Siedlungsabfall, vor allem Gefäßscherben, aber auch Spinnwirtel zur Herstellung von Webfäden.

 

Die in den Sondageschnitten erfassten Befunde lassen aufgrund ihrer Verteilung und Verdichtung erkennen, an welchen Stellen eine nachfolgende Ausgrabung erforderlich sein wird. Schon jetzt werden die freigelegten Befunde ausgegraben, um eine Verzögerung der im Frühjahr 2018 geplanten Erschließung zu vermeiden. Die Voruntersuchung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Ladenburg. So wird nicht nur der Kampfmittelräumdienst bei der Überprüfung von Bombentrichtern und verdächtigen Stellen, sondern auch die Überprüfung von vergrabenen Altlasten durch den Baggereinsatz des LAD im Vorfeld der Baumaßnahme ermöglicht. Die Voruntersuchung wird voraussichtlich Ende November abgeschlossen sein und im Frühjahr 2018 in den restlichen Flächen für die noch keine Untersuchung möglich ist fortgesetzt werden.

 

Hinweise für die Pressevertreter:

Für Rückfragen steht Ihnen als Ansprechpartner Matthias Kreuzinger, Pressereferent im Regierungspräsidium Stuttgart, unter der Telefonnummer 0711/904-10002 gerne zur Verfügung.

 

 

Anlagen: 4 Abbildungen

Bild 1 Sondageschnitte werden mittels Baggereinsatz gezogen

Bild 2 Freilegung archäologischer Befunde

Bild 3 Keramikgefäß des 15. Jahrhunderts

Bild 4 Eisenzeitliche Grube 9. Jahrhundert v. Chr. während der Freilegung

 

Bildnachweis: Dr. Martin Thoma, LAD