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Wirtschaftsminister Ernst Pfister verleiht Archäologiepreis 2008 an Rudolf Landauer aus Mosbach und Limes-Cicerones

15. Oktober 2008: „Baden-Württembergische archäologische Denkmalpflege hat im internationalen Vergleich hohe wissenschaftliche Bedeutung”

Für seine 20-jährige Tätigkeit auf dem Gebiet der Luftbildarchäologie und die öffentlichkeitswirksame Vermittlung dieser Art der Erkundung von Bodendenkmalen verlieh Wirtschaftsminister Ernst Pfister heute in Stuttgart dem Journalisten und Fotografen Rudolf Landauer aus Mosbach den Archäologiepreis Baden-Württemberg 2008. Der Förderpreis ging an den Verband der Limes-Cicerones mit Geschäftsstelle in Mögglingen im Ostalbkreis. Der Archäologiepreis Baden-Württemberg wird alle zwei Jahre von der Wüstenrot Stiftung Ludwigsburg vergeben. Der Hauptpreis, der an Rudolf Landauer ging, ist mit 5.000 Euro, der Förderpreis mit 2.500 Euro dotiert. Die Veranstaltung wurde von Dieter Planck, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege und Vorsitzender der Jury, sowie Dr. Wolfgang Bollacher, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Stiftung, eröffnet.

 

Durch seine regelmäßigen Befliegungen und die daraus resultierenden fotografischen Dokumentationen trug Rudolf Landauer zur Entdeckung, Sicherung und Erforschung zahlreicher archäologischer Fundstellen bei. „Die Bodendenkmalpflege verdankt ihm beispielsweise die Erkundung eines römischen Speichergebäudes einschließlich der dazu gehörigen landwirtschaftlichen Höfe in Bad Rappenau, den Nachweis eines Kleinkastells in Bad Friedrichshall-Kochendorf und einer Sternschanze aus dem 30-jährigen Krieg auf dem Altenberg bei Bad Wimpfen”, so Ernst Pfister. Die Jury habe die wissenschaftliche Vorgehensweise, die Dokumentation seiner Ergebnisse und die Art, wie er sie vermittelt, überzeugt.

 

Der Verband Limes-Cicerones, der den Förderpreis erhielt, wurde im Zusammenhang mit der 2005 erfolgten Eintragung des Obergermanisch-Raetischen Limes in die Liste des Weltkulturerbes von ehrenamtlichen Führern gegründet. Ziel war und ist es, fachlich qualifiziertes, speziell geschultes Führungspersonal für Exkursionen, Vorträge und Führungen zu Einzelobjekten im Bereich des Limes zur Verfügung stellen zu können. Die inzwischen knapp 100 aus dem ganzen Land stammenden Limes-Cicerones wurden vom Fachpersonal des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg geschult und geprüft. Die Mitglieder des Verbandes, die regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen, sind fachlich qualifiziertes Führungspersonal für Exkursionen, Vorträge und kulturtouristische Veranstaltungen. Das Limesinformationszentrum in Aalen arbeitet eng mit ihnen zusammen.

 

In seiner Rede zur Preisverleihung lobte Wirtschaftsminister Ernst Pfister vor allem den ehrenamtlichen Einsatz zugunsten der archäologischen Denkmalpflege in Baden-Württemberg.

 

Ernst Pfister wies auf die Aktivitäten im Bereich der Bodendenkmalpflege seit der letzten Preisverleihung vor zwei Jahren hin. So existiert seit Anfang 2008 das Limesinformationszentrum in Aalen und die Universität Tübingen hat die Forschungsgrabungen am Vogelherd und im Hohle Fels bei Schelklingen fortgesetzt. Der Fund des kleinen Elfenbein-Mammuts von Niederstotzingen-Stetten hat wesentlich dazu beigetragen, die Fundlandschaften Lone- und Achtal wieder in das öffentliche Interesse zu rücken. Herausragende Befunde und Funde ergaben auch die Untersuchungen des frühmittelalterlichen Friedhofes in Hessigheim im Landkreis Ludwigsburg. Im Umfeld von Neuenbürg im Enzkreis wurden zahlreiche Spuren frühkeltischer Verhüttungsanlagen aus dem fünften Jahrhundert vor Christus entdeckt. Dabei handelt es sich um einen der ältesten Belege für Eisengewinnung in Mitteleuropa. Wegen ihrer hohen wissenschaftlichen Bedeutung wurden die Grabungen im Nordschwarzwald in das Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufgenommen.

 

Als weiteren Höhepunkt der Arbeit der Landesarchäologie nannte der Minister die für September 2009 geplante Große Landesausstellung um Kunst und Kultur der Eiszeit. „Die baden-württembergische archäologische Denkmalpflege hat im internationalen Vergleich eine hohe wissenschaftliche Bedeutung. Dies wird dadurch unterstrichen, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft auch in der Zukunft Projekte im Land finanzieren wird”, so Ernst Pfister.

 

Zudem informierte der Minister über den Stand weiterer Welterbe-Anträge: In Vorbereitung befindet sich ein Antrag zur Aufnahme der alpenländischen, prähistorischen Pfahlbauten. Sowohl der Antrag zur Aufnahme von Schloss und Park Schwetzingen als auch der transnationale Antrag zum architektonischen und städtebaulichen Werk Le Corbusiers, an dem Deutschland mit zwei Gebäuden in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung beteiligt ist, liegen der UNESCO in Paris zur Entscheidung vor.