Geschichte, Auftrag, Struktur

Projektbericht Jakobschule, Stuttgart

Ausgangssituation

Im Schuljahr 2009/10 wurde mit den Viertklässlern der Jakobschule in Stuttgart ein Denkmalschutzprojekt anlässlich des Jubiläums „125 Jahre Jakobsschule“ durchgeführt. Aufgrund des großen Erfolgs und der durchgängig positiven Resonanz wurde ein solches Projekt im Schuljahr 2011/12 erneut angeboten. Als fachliche Unterstützung erklärte sich erneut die freie Architektin Gabriele Eggert-Muff bereit, das Projekt zu betreuen. Die Durchführung erfolgte im Rahmen der schulischen Projektwochen in drei Gruppen mit je ca. 16 Schülern. Die Projektwochen fanden jeweils an drei aufeinander folgenden Schultagen im Januar, März und Juni 2012 statt.

Die Jakobschule

Die Jakobschule wurde 1884 bis 1886 von Baumeister Adolf Wolff im niederländischen Renaissancestil erbaut. Zum größten Teil steht sie auf dem 1823 aufgelassenen Jakobfriedhof, der 1564 für die Pestopfer vor den Stadtmauern der Stadt Stuttgart angelegt wurde. Das vierstöckige Schulgebäude beherbergte anfänglich 36 Klassen für je 60 Schüler, aufgeteilt in einen Mädchen- und Knabenflügel. Die Toiletten waren damals aus hygienischen Gründen im Hof, wo auch ein Quellwasserbrunnen stand. Darüber hinaus verfügte die Schule über Wohnungen für ledige Lehrer und Badeinrichtungen mit Zinkwannen für die Schüler. Im Souterrain waren eine Polizeiwache und Arrestzellen für Delinquenten untergebracht. Dieser umfangreiche Schulkomplex war von sozialreformerischen Ideen geprägt.

Sensibilisierung der Schüler für das Gebäude

Mithilfe des Unterrichtsmaterials vom Landesamt für Denkmalpflege wurden die Schüler zunächst grundlegend in die Thematik eingeführt. Anschließend stellte Frau Eggert-Muff die Geschichte der Jakobschule und die Biographie ihres Baumeistern Adolf Wolff vor. Zur Veranschaulichung wurde den Kindern eine große Abbildung der Schulfassade hin zur Jakobstraße gezeigt, sowie Vor- und Nachkriegsaufnahmen des Schulbaus. Danach erhielten die Schüler Fotografien von markanten Gebäudeteilen der Jakobschule. Sie mussten nun entscheiden, ob die Abbildungen einen Teil des Schulhauses darstellen oder nicht. Daraufhin begann die Erforschung von außen. In Kleingruppen bekamen die Viertklässler ca. 15 Bilder von Fassadenausschnitten für ein Suchspiel. Diese sollten sie am Gebäude selbst wieder finden.

Aufmass und Hausrallye

Anschließend wurden einzelne Teile der Fassade und eine Tür im Inneren des Schulhauses abgemessen und diese Ergebnisse dann sorgfältig dokumentiert. Ein nächster Aktionspunkt war eine interaktive Hausrallye, bei der die Kinder markante Punkte im Gebäude und im Innenhof aufsuchen, finden, abzählen oder notieren mussten.

Die Schüler als Architekten und Erforscher des Gebäudes

Im Zuge der Projektwoche wurden noch weitere Schwerpunkte gesetzt. So gestalteten die Schüler einen gezeichneten Fassadenausschnitt des Gebäudes farbig oder ergänzten symmetrisch eine Schulhaustür. Als besonders spannend erwies sich ein Rundgang durch den Schutzbunker im Keller der Jakobschule. Im Licht ihrer Taschenlampen erkundeten die Kinder die vom Schulhaus ausgehenden Fluchttunnel zum Rathaus und der Arrestzelle des ehemaligen Polizeipostens sowie die unterirdischen Sauerstoffpumpen. Die abschließende Aufgabe der Projektwoche bestand für die Schüler darin, die Ergebnisse der einzelnen Projektschwerpunkte zu präsentieren. Die ausgearbeiteten Präsentationen wurden dann den Drittklässlern der Jakobschule vorgetragen.

Resümee

Die Schüler und Schülerinnen der Jakobschule nahmen erneut mit großem Interesse an der Aktion „Grundschüler erleben Denkmale“ teil. Die Klassenlehrerin berichtete des Weiteren von einem späteren Ausflug der Klasse zum Schloss Ludwigsburg im Juli 2012. Fragen der Kinder wie „Steht das auch unter Denkmalschutz?“ oder „Ist das ein Denkmal?“ seien bei dieser Exkursion keine Seltenheit gewesen. Deshalb teilte Frau Rathgeb überzeugend mit: „Ich gehe davon aus, dass eines der Ziele des Projektes, eine längerfristige Sensibilisierung der Kinder für das Thema Denkmalschutz und für erhaltenswerte Bauten, durchaus erreicht wurde.“

Projektbeteiligte

  • Kinder der Klassen 4a und 4b der Jakobschule in Stuttgart
  • Dipl.-Ing. Gabriele Eggert-Muff, Freie Architektin
  • Silke Rathgeb, Klassenlehrerin