Geschichte, Auftrag, Struktur

Projektbericht Stuttgart

Voraussetzung für die zukunftsträchtige Bewahrung des kulturellen Erbes ist, dass sich auch Kinder frühzeitig der Funktion der Denkmalpflege bewusst werden. Die Wahrnehmung der gebauten Umwelt ist vor allem dann ein besonderes Erlebnis, wenn die eigene Schule ein denkmalgeschütztes Gebäude ist. So war es beim Projekt der Jakobschule Stuttgart, die sich anlässlich Ihres 125-jährigen Jubiläums an der Aktion „Denkmalschutz und Schule – Grundschüler erleben Denkmale“ beteiligte. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schulgebäude erfolgte in den Klassen 4a und 4b im Mai und Juni 2010.

Die Jakobschule

Die Jakobschule wurde 1884 bis 1886 von Baumeister Adolf Wolff im niederländischen Renaissancestil erbaut. Zum größten Teil steht sie auf dem 1823 aufgelassenen Jakobfriedhof, der 1564 für die Pestopfer vor den Stadtmauern der Stadt Stuttgart angelegt wurde. Das vierstöckige Schulgebäude beherbergte anfänglich 36 Klassen für je 60 Schüler, aufgeteilt in Mädchen- und Knabenflügel. Die Toiletten waren damals aus hygienischen Gründen im Hof, wo auch ein Quellwasserbrunnen stand. Darüber hinaus verfügte die Schule über Wohnungen für ledige Lehrer und Badeinrichtungen mit Zinkwannen für die Schüler. Im Souterrain waren eine Polizeiwache und Arrestzellen für Delinquenten untergebracht. Dieser umfangreiche Schulkomplex war von sozialreformerischen Ideen geprägt.

Vorgehensweise

Das Projekt wurde in mehreren Etappen im Fächerverbund „MNK“ (Mensch, Natur, Kultur) durchgeführt. Den Auftakt bildete die gemeinsame Analyse des Begriffs „Denkmal“. Es folgten die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Jakobschule und der Vergleich der Jakobschule mit anderen Denkmalen in Stuttgart: dem Alten und Neuen Schloss, der Stiftskirche und der Leonhardskirche. Im nächsten Schritt befassten sich die Schüler mit der Biographie des Baumeisters, bevor sie an die Analyse historischer, denkmalgeschützter Fassaden und deren Vergleich mit Fassaden von Nichtdenkmalen gingen, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden.

Suchspiel

Die praktische Umsetzung umfasste unter anderem ein Suchspiel in Gruppen zu je vier Schülern. Zur dessen Vorbereitung wurden auffällige Fassadenelemente fotografiert, ausgedruckt und nummeriert. Diese Elemente wurden dann in der großen Fassadenansicht im Maßstab 1:50 abgedeckt und jeweils mit Buchstaben versehen. Die Schüler erhielten eine Suchkarte und mussten die Nummern mit den Buchstaben kombinieren. Unter den Fotos waren auch Beispiele von moderneren Gebäuden aus der Umgebung. Diese mussten erkannt, aussortiert und der Ausschluss begründet werden.

Kreative Gestaltung, Rallye und Ausstellung

Als weitere Aufgaben folgten das Ausmessen verschiedener Bauteile außer- und innerhalb des Schulgebäudes und die freie farbige Gestaltung eines vorgegebenen Fassadenabschnittes. Bleistift und Geodreieck kamen zum Einsatz bei der zeichnerischen symmetrischen Ergänzung einer Schulhaustür. Zum Abschluss entwickelten die Kinder eine Schulhausrallye, die am Schulfest im Juli 2010 umgesetzt wurde. Bei diesem Anlass wurden auch die Schülerarbeiten öffentlich ausgestellt.

Resümee

Die beiden Klassen arbeiteten sehr motiviert und mit großer Begeisterung am Thema. Dieses Interesse hielt auch außerhalb der Schule an, wie aus Bemerkungen der Kinder zu anderen Bauwerken auf dem Schulweg und bei Lerngängen deutlich wurde. Die Veranstalter sind sich einig, dass die Aktion fortgesetzt werden sollte.

Projektbeteiligte

  • Die Kinder der vierten Klassen der Jakobschule in Stuttgart
  • Dipl.-Ing. Gabriele Eggert-Muff, Freie Architektin
  • Silke Rathgeb, Lehrerin