Geschichte, Auftrag, Struktur

Projektbericht Maulbronn

Im Rahmen der Aktion „Denkmalschutz und Schule – Grundschüler erleben Denkmale“ stach das Projekt der 3. Klasse der Grundschule am Silahopp in Maulbronn durch seine besondere Vielfalt hervor. Neben Till Läpple vom Büro Strebewerk in Stuttgart setzten sich Angelika Braun von den Staatlichen Schlössern und Gärten und Sibylle Burrer vom ehemaligen Steinbruch Burrer gemeinsam mit der Klassenlehrerin Stefanie Straub sehr engagiert für die Durchführung des Projektes ein. In dessen Mittelpunkt stand das ortsansässige Zisterzienserkloster Maulbronn, das 1146 gegründet und 1993 zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Was ist ein Denkmal?

Als Einstieg in die Thematik brachte jeder Schüler ein Foto oder Bild von einem Denkmal mit in die Schule. Ob das gewählte Gebäude auch tatsächlich ein Denkmal ist und warum, darüber diskutierten die Kinder am darauf folgenden Tag im Unterricht. Gemeinsam mit der Klassenlehrerin wurden die „wirklichen“ Denkmale in einer weiteren Schulstunde nach Typen geordnet.

 

Es gibt viel zu entdecken…

Dem theoretischen Unterricht folgte eine erste Besichtigung des Klosters mit Frau Braun von der Schlösserverwaltung unter dem Motto „Fledermaus Mauli erzählt“. Thematisiert wurde dabei unter anderem die Sage von Maulbronn, die die Entstehung des Klosters wiedergibt. Auch erfuhren die Schüler mehr darüber, wie sich das Leben der Mönche zur Zeit, als das Kloster noch als solches genutzt wurde, abspielte. Frau Braun suchte dabei immer wieder den Bezug zu bestimmten Architekturdetails. So zeigte sie den Schülern zum Beispiel den Büßerkreis, in dem die Mönche als Strafe knien mussten, wenn sie zu spät zum Gebet erschienen oder während diesem eingeschlafen waren. Zudem erfuhren die Schüler mehr zur Funktion der einzelnen Räume des Klosters, deren aus dem Lateinischen abgeleitete Bezeichnungen ihnen nicht mehr geläufig sind. Dass die Mönche auch handwerklich versiert waren, konnten die Schüler nachempfinden, als sie selbst handwerklich tätig wurden und so genannte Zisterzienserfliesen töpfern durften.

Die Kinder als Denkmal-Detektive

Bei der zweiten Führung durch das Kloster durch Herrn Läpple wurden die Kinder zu kleinen Detektiven. Sie beschäftigten sich u.a. mit den Fragen „Wie und mit welchen Materialien wurde das Kloster erbaut?“ oder „Wie kamen denn die Steine ohne einen Kran - wie wir ihn heute kennen - nach oben?“. Vor allem ging es aber darum aufzuzeigen, was getan werden muss, um einen so großen Gebäudekomplex wie das Kloster zu erhalten. Als ausgebildeter Steinmetz lenkte Herr Läpple den Blick der Kinder auch auf Details wie die Steinmetzzeichen und schilderte deren Bedeutung. Begeistert skizzierten die Kinder die Zeichen, die sie bei ihrem Gang durch das Kloster selbst entdeckten.

Ein weiteres Augenmerk wurde auf die für die Bauzeit typischen konstruktiven Merkmale gelegt. Als Vorbereitung einer später folgenden praktischen Übung malten die Schüler die unterschiedlichen Fensterformen. Herr Läpple erklärte, warum die Fenster so aussehen und führte dabei spielerisch die Begriffe des romanischen und gotischen Baustils ein.

Workshop Steinbearbeitung

Wie ein Steinhauer arbeitet, welche Werkzeuge er benutzt und welche weiteren Handwerksberufe es früher gab, erfuhren die Kinder beim Besuch der Steinhauerstube im Dorfmuseum Schmie.

Im Anschluss an den Ausflug bekamen sie die Aufgabe, ein Modell von einem Rundbogen zu bauen. Wie die Steinmetze überlegen sie zuvor, wie die Steine behauen werden müssen, damit sie einen Rundbogen ergeben. Für eine gerade Mauer und für den unteren Teil des Bogens sind rechtwinklige Quader nötig, für den Bogen müssen die Steine jedoch seitlich schräg zulaufen und oben und unten gerundet sein. Auch die Funktion des Schlusssteins wurde erklärt. Nach diesen Vorüberlegungen bauten die Kinder Torbögen aus Kartoffelstückchen und prüften diese auf ihre Standfestigkeit.

Ihr theoretisches Wissen über die Steinbearbeitung wendeten die Schüler schließlich bei einem Workshop im ehemaligen Steinbruch Burrer selbst an. Aus dem gleichen Stein, der zum Bau des Klosters Maulbronn verwendet worden ist, hauten sie hier eine Vogeltränke. Fachkundig unterstützt wurde diese Aktion durch die Tochter des Steinbruchbesitzers Frau Burrer. Nach Vollendung der Arbeiten wurde jede Vogeltränke stolz mit einem eigenen Steinmetzzeichen signiert.

Im benachbarten Steinbruch Lauster war als Abschluss des Workshops zu erleben, wie die moderne Steinbearbeitung funktioniert. Dass die Bearbeitung heute sehr viel einfacher ist, konnten die Schüler dank ihrer Praxiserfahrung nun gut einschätzen. Vor allem aber entwickelten sie ein Verständnis dafür, welcher zeitliche Aufwand für den Bau und die Erhaltung historischer Gebäude erforderlich ist und warum sich dieser Aufwand lohnt.

 

Resümee

Die Kinder haben mit Begeisterung an der Aktion teilgenommen und zeigten großes Engagement. Zur Dokumentation fasste jeder Schüler seine Projektergebnisse in einem Themenbuch zusammen, das er mit Zeichnungen und Fotografien illustrierte.

Projektbeteiligte

  • Die Kinder der Klasse 3b der Grundschule am Silahopp Maulbronn
  • Till Läpple, Steinmetz und Architekt vom Büro Strebewerk in Stuttgart
  • Stefanie Straub, Lehrerin
  • Angelika Braun, Staatliche Schlössern und Gärten
  • Sibylle Burrer, ehemaliger Steinbruch Burrer
  • Frau Nusser, Steinbruch Lauster