Geschichte, Auftrag, Struktur

Projektbericht Ludwigsburg

Von April bis Juli 2010 beschäftigten sich zwei dritte Klassen der Schlösslesfeldschule Ludwigsburg mit den Denkmalen der Stadt Ludwigsburg und speziell mit dem Schorndorfer Torhaus, einem von sechs noch erhaltenen Torhäusern, die ab 1760 den Zugang zum Stadtgebiet regelten. Im Rahmen des Fächerverbund „Mensch, Natur und Kultur“ (MNK) brachten die Lehrerinnen Christa Schuster und Ute Konrad das Thema „Denkmalschutz“ in die Schule. In Martina Klopfer, Bauingenieurin und Mitarbeiterin im Landesamt für Denkmalpflege, und Arne Fentzloff, Architekt im Stuttgarter Büro „Architektur 109“, fanden sie fachliche Unterstützung.

Denkmale und deren Eigenheiten

Zu Beginn des Projekts stand eine Unterrichtseinheit, die sich mit den elementaren Fragen rund um das Thema „Denkmal“ beschäftigte. Was ist denn überhaupt ein Denkmal? Kann auch eine Schule ein Denkmal sein oder nur Kirchen und Schlösser? Muss ein Denkmal ein bestimmtes Alter haben? Den Kindern wurde bewusst, dass jedes Denkmal für sich eine Geschichte darüber erzählen kann, warum es gebaut wurde, wer in ihm gelebt und gearbeitet hat und vielleicht auch, warum es zeitweise von niemandem gebraucht wurde und zu verfallen drohte. Anschließend galt es, die Berufsfelder, die mit der Pflege von Denkmalen betraut sind, zu definieren.

In einer Präsentation stellten Frau Klopfer und Herr Fentzloff die baugeschichtliche Entwicklung der Stadt Ludwigsburg anhand der heute noch vorhandenen Denkmale vor. Durch das Einwerfen von Fragen banden die Vortragenden die Schüler immer wieder ein. So konnte ein Schüler auf die Frage, wer denn der Gründer von Ludwigsburg sei, stolz antworten: „Eberhard Ludwig und der war ganz dick!“ Ein Beispiel, an dem sehr schön zu sehen ist, dass sich schon Achtjährige plakative Bilder gut einprägen.

Um den Lerninhalt zu festigen, erstellten Frau Klopfer und Herr Fentzloff gemeinsam mit den Kindern für jedes der beiden Klassenzimmer eine große Zeitleiste, der anschließend Bilder von Denkmalen ganz verschiedener Epochen und Typologien zugeordnet wurden.

 

Kleine Material- und Stilkunde

Als zweite Unterrichtseinheit stand ein Stadtspaziergang durch Ludwigsburg auf dem Programm. Bei dem Spaziergang wurden die typischen Erkennungsmerkmale unterschiedlicher Baustile aufgezeigt. Wie unterscheidet sich eine Jugendstilvilla  von einem Bau der Gründerzeit? In welcher Zeit wurden Putten als Bauschmuck eingesetzt? Aber auch konstruktive Punkte wurden erforscht: Was für Dachformen gibt es und sind diese typisch für eine bestimmte Epoche? Wie wird ein Fachwerkhaus konstruiert und welche Aufgaben haben die einzelnen Bauelemente? Auch über die Entwicklung des Fensters wurde anschaulich diskutiert.

Um das Gehörte direkt anzuwenden und zu verinnerlichen, vervollständigten die Schüler Fachwerk-Fassaden auf Arbeitsblättern und malten Putten.

Objektbezogener Unterricht

Als Anschauungsobjekt für die dritte Unterrichtseinheit wählten die Denkmalpflegerin und der Architekt das Schorndorfer Torhaus, das zum 300-jährigen Stadtjubiläum 2004/05 durch Architekt Lang instand gesetzt worden ist. Dass die heutige Nutzung als Museums- und Ausstellungsraum nicht mehr der ursprünglichen Nutzung als Wach- und Zollhaus entspricht, wurde den Schülern schnell klar. Dadurch inspiriert entwickelte sich ein Gespräch über denkmalverträgliche Nutzungen.

Beim Ergänzen einer unvollständigen Ansicht der Torhaus-Fassade mit ihren fünf Korbbögen und ihrem mächtigen Mansarddach schulten die Kinder ihr Auge und erlernten nebenbei, wie ein Bogen konstruktiv funktioniert und was für eine Rolle der so genannte Königsstein spielt. Die Schüler gingen bei der Vervollständigung der Ansichten ganz unterschiedlich vor: Eine Schülerin z.B. zeichnete jedes gerade oder rechtwinklige Detail wie den Fugenschnitt mit einem Lineal ein und hielt vor allem die Wiedergabe der gebogenen Dachziegel für Schwerstarbeit. Ein anderer Schüler entpuppte sich als angehender Vermesser und nahm mit Händen und Füßen Maß, um die Abstände der Fenster untereinander und ihre Position in der Fassade genau wiedergeben zu können.

 

Töpferstunde

In der nächsten Projektphase durften die Schüler selbst Hand anlegen. Ziel war die Nachbildung eines barocken Torbogens. Gemeinsam mit der Klassenlehrerin Frau Schuster überlegten die Schüler, wie ein solcher Bogen am besten modelliert werden kann. Die Wahl fiel auf die Variante „Stein auf Stein“ und so wurden Einzelsteine aus Ton geformt, im Verband aneinander gereiht und mit Schlick verklebt. Den Schlussstein, der einem Bogen erst die nötige Stabilität verleiht, kennzeichneten die Schüler mit einem „K“ für Königsstein. Die Ergebnisse des Projekts wurden den Eltern der Schüler bei einem Abschlussfest präsentiert.

Resümee

Während der Vorbereitung des Projekts stellte sich für die betreuenden Fachpersonen vor allem die Frage nach einem geeigneten Einstieg in die Thematik der Denkmalpflege. Die Annäherung über den Heimatbezug stellte sich als richtig heraus. Die Schüler waren sehr engagiert und begeisterungsfähig. Vor allem die vertiefenden praktischen Übungen wie das Zeitleistenpuzzle oder die freien Detailzeichnungen haben sie konzentriert ausgeführt. Welche Prozesse bei den Schülern in Gang gesetzt wurden, kann an den Zeichnungen abgelesen werden: Während die Fachwerkhäuser zu Beginn der Unterrichtseinheit noch recht abenteuerlich ausfielen, schärfte sich der Blick der Kinder für architektonische Details im Laufe der Zeit.

Der zeitliche Aufwand für die Erstellung der Arbeitsblätter war zwar höher als gedacht. Doch wurde dieser Mehraufwand durch das Engagement der Schüler kompensiert. Nach Meinung aller Beteiligten ist die Aktion „Denkmalpflege und Schule – Grundschüler erleben Denkmale“ sinnvoll, da sie Schüler sehr früh für die Anliegen der Denkmalpflege sensibilisiert.

Projektbeteiligte

  • Die Kinder der Klassen 3a und 3c der Schlösslesfeldschule in Ludwigsburg
  • Arne Fentzloff, Architekt aus Stuttgart
  • Martina Klopfer, Bauingenieurin und Mitarbeiterin im Landesamt für Denkmalpflege
  • Ute Konrad, Lehrerin
  • Christa Schuster, Lehrerin
  • Herr Lang, Architekt