Geschichte, Auftrag, Struktur

Projektbericht Herbolzheim

Unter Anleitung des Herbolzheimer Architekten Walter Hess und der Grundschullehrerin Katharina Sauerburger begaben sich im April/Mai 2010 15 Schüler der Grundschule Herbolzheim in ihrer Heimatstadt auf Spurensuche. Da sich anfänglich mehr als doppelt so viele Interessenten für diese außerunterrichtliche AG gemeldet hatten, musste das Los entscheiden. Die teilnehmenden Kinder erhielten dabei einen Einblick in die Theorie der Denkmalpflege, lernten die alten Gebäude mit anderen Augen zu sehen, erarbeiteten Beschreibungen ausgewählter Denkmale und erstellten eine Ausstellung zu der Eltern, Großeltern, Schulleitung, Presse und Bürgermeister in die Schule kamen, um sich von den Drittklässlern über die Denkmale ihrer Stadt informieren zu lassen.

Theoretischer Einstieg ins Thema

Zunächst führte Herr Hess die Kinder mit einer eigens für das Projekt erstellten Präsentation an das komplexe Thema heran. Mit großem Eifer erkannten die Kinder unterschiedlichste Formen von internationalen, nationalen und heimischen Denkmalen und erlernten spielerisch die Merkmale eines Denkmals.

Eine Reise durch ein denkmalpflegerisches Verfahren und der Einblick in das Denkmalschutzgesetz motivierten die Kinder, selbst aktiv zu werden: Einige von ihnen gingen in ihrer Freizeit auf Fototour durch die Stadt – so viel Interesse war seitens der Erwachsenen nicht erwartet worden.

Eine weitere Unterrichtsstunde diente der Zusammenfassung der Erkenntnisse, der Suche ausgewählter Denkmale auf einem Luftbild von Herbolzheim und der Vorbereitung des Stadtrundgangs.

 

Exkursion zu ausgewählten Denkmalen

Die erste Station des Rundgangs führte ins Technische Rathaus zu Herrn Werner Engler vom Stadtbauamt, welcher die Denkmalliste der Stadt Herbolzheim erläuterte und im Anschluss in die Margarethenkapelle führte. An diesem Objekt zeigte er den Kindern verschiedene Kriterien für die Denkmalwürdigkeit eines Gebäudes.

Auf dem weiteren Rundgang durch die Stadt wurden fünf ausgewählte Denkmale besucht. Den Lernerfolg schildert Frau Sauerburger so: „Zuerst beschrieben die Kinder nur, was sie sahen. Im anschließenden Gespräch konnten sie das Gesehene bereits mit dem vorher Gelernten verknüpfen und so verschiedene Merkmale für die Denkmalwürdigkeit der einzelnen Gebäude benennen.“

Eine arbeitsteilige Gruppenarbeit - je eine Kleingruppe befasste sich mit ihrem Lieblingsobjekt - vertiefte die Kenntnisse der Kinder. An den Herbolzheimer Objekten Margarethenkapelle (ältestes Kulturgut der Stadt, um 1320), Haus Del Fabro (ältestes Kniestock-Firstständerhaus in Baden, 1463), „Alte Burg“ (Giebellauben-Fachwerkhaus, 1592) und dem Behrle-Areal (Barockgebäude, Vierseithofanlage; ehemals Gasthof, Zollhaus, erstes Elektrizitätswerk der Stadt, um 1600) lernten die Kinder unterschiedliche Quellen auszuwerten. Sie verfassten informative Kurzbeschreibungen und gestalteten Plakate.

Die Ausstellung

Die folgenden Stunden verbrachten die „Denkmal-Kinder“ mit der Vorbereitung einer Ausstellung, in der sie einen umfassenden Einblick in ihre Arbeit geben wollten. So dokumentierten sie, wieder in Kleingruppen, die verschiedenen Stationen des Projekts:

  • Wie alles begann...
  • Rund ums Denkmal: Was ist ein Denkmal? Was macht ein Gebäude zu einem Denkmal? Wie können wir es schützen?
  • Das war unser Projekt – ein zeitlicher Ablauf
  • Fotos und Eindrücke von unserem Stadtrundgang
  • Denkmal-Quiz

Der Höhepunkt: die Präsentation

Am Freitag vor Pfingstferienbeginn war dann der große Tag der Kinder: Eltern, Großeltern, Schulleitung, Presse und Bürgermeister waren in die Schule gekommen und lauschten zunächst den vier Kurzvorträgen der Schüler über die ausgewählten Denkmale. Trotz großer Nervosität der Projektteilnehmer zu Beginn stellten sie souverän ihre Häuser vor, erklärten den Anwesenden denkmalrelevante Aspekte und führten stolz durch ihre Ausstellung.

Resümee

Die Projektkinder waren mit großem Eifer und Interesse bei der Sache. Sie beteiligten sich rege an Gesprächen und diskutierten über die von ihnen behandelten Denkmale und Denkmalschutz.

Weitere interessante Aspekte wären im geschichtlichen Bereich (z.B. Leben zu der Entstehungszeit der Häuser), in der Arbeit mit alten Baustoffen, in künstlerischen Aspekten u.v.m. zu sehen. Solchermaßen erweitert würde das Thema Stoff für eine ganzjährige Auseinandersetzung im Rahmen einer AG bieten.

Problematisch war, dass es für die Erstellung der Denkmalbeschreibungen nahezu unmöglich war, kindgerechtes Material zu finden. So musste auf fachwissenschaftliche Berichte zurückgegriffen werden. Dennoch waren die Kinder motiviert und zeigten große Ausdauer.

Die Aktion ist rundherum gelungen und sollte unbedingt weitergeführt werden.

 

Projektbeteiligte

  • die Kinder der Denkmal-AG (3. Klasse) an der Grundschule Herbolzheim
  • Katharina Sauerburger, Lehrerin
  • Walter Hess, Architekt
  • Werner Engler, Stadtbauamt