Geschichte, Auftrag, Struktur

Projektbericht Bad Wimpfen

An der Ludwig-Frohnhäuser-Schule in Bad Wimpfen widmeten sich im Rahmen der Aktion „Denkmalschutz und Schule – Grundschüler erleben Denkmale“ gleich drei Klassen auf einmal dem Denkmalprojekt. Architekt Emil Heller führte gemeinsam mit den Klassenlehrerinnen Sara Aras, Sonja Stegmaier und Juliane Gutzeit die dritten Klassen in die Thematik Denkmalpflege ein. Die praktische Auseinandersetzung erfolgte am Beispiel des Alten Spitals in Bad Wimpfen, einem ehemaligen Krankenhaus aus dem 13. Jahrhundert.

Einführung

Den Beginn des Projektes bildete die Auseinandersetzung mit den Epochen der Architektur. Architekt Emil Heller erstellte einen Zeitstrahl, auf dem die Kinder international bekannte Bauwerke wie die Pyramiden von Gizeh, die Porta Nigra in Trier, den Speyerer Dom, den Pariser Eiffelturm und den Burdsch Chalifa in Dubai einordneten. Dann sortierten sie die Denkmale aus Bad Wimpfen hinzu. „Seit der Antike ist die Akropolis das Wahrzeichen der griechischen Hauptstadt Athen“, heißt es z.B. in der Beschreibung des Athener Burgbergs, die eines der Kinder für seine Projektmappe anfertigte. Auf weiteren Arbeitsblättern ihrer Projektmappe beschäftigten sich die Schüler mit der Definition des Denkmalschutzes, den Beweggründen für die Gründung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Welterbeprogramm der UNESCO. Zur Vorbereitung ihres ersten Unterrichtsganges stellte Herr Heller den Kindern das Alte Spital in Bad Wimpfen in einer Powerpointpräsentation vor.

Besichtigung des Alten Spitals

Im denkmalgeschützten Alten Spital wird heute die reichsstädtische Geschichte der Stadt Bad Wimpfen veranschaulicht. Schwerpunkte der musealen Präsentation sind Stadtrecht, Territorium, Zünfte und Handwerk und die Schlacht bei Bad Wimpfen. Außerdem besitzt es ein großes Stadtmodell. Hier empfing Stadtarchivar Günther Haberhauer die Kinder und führte sie zunächst durch die Räume. Bei dem anschließenden Quiz beantworteten die Kinder spannende Fragen: In welcher Bauweise wurden die spätmittelalterlichen Wände errichtet? Wie häufig wurde während der letzten 400 Jahre das Alte Spital gestrichen? Was steht in Bad Wimpfen alles unter Denkmalschutz? Doch auch die Funktion des Gebäudes und die Lebensumstände seiner ehemaligen Bewohner kamen darin vor.

Fachwerkfassaden gestalten

Zurück in der Schule studierten die Kinder konzentriert die Elemente einer Fachwerkkonstruktion. Dann ging es ans Gestalten. Auf einer Platte durfte jeder Schüler aus vorgefertigten Hölzchen seine persönliche Fachwerkfassade montieren und die Gefache mit Fugenmasse füllen. „Das macht richtig Spaß“, kommentierte die Schülerin Linda Holm, während sie ihr Fachwerk mit einem roten Anstrich versah. Nachdem die Kinder zuvor mit ihrem Projekt bereits ins Radio gekommen waren, wurden sie bei dieser Aktion von einer Journalistin der Tageszeitung „Heilbronner Stimme“ begleitet. So viel Aufmerksamkeit für ihr Projekt machte die Kinder mächtig stolz auf ihre Leistungen.

Interview mit Passanten und Denkmallied

„Was wissen Sie über Denkmalschutz?“ „Wissen Sie, seit wann es Denkmalschutz gibt?“ „Ist Denkmalschutz für Sie wichtig?“ Diese und weitere Fragen stellten die Schüler Passanten in der Bad Wimpfener Innenstadt und stellen dabei fest, dass sie inzwischen zum Teil schon weit mehr gelernt hatten, als die meisten Erwachsenen über Denkmalpflege wissen. In Vorbereitung auf ihr großes Abschlussfest mit Eltern und Großeltern übten die Kinder zur Melodie von „Live ist life“ der Gruppe Opus ein selbst komponiertes Lied zum Denkmalschutz ein.

Besuch der Experimenta in Heilbronn

Zur Vertiefung des Umweltschutzaspektes in der Denkmalpflege und des technischen Verständnisses für Architektur unternahmen die Klassen anschließend einen Ausflug zur Experimenta in Heilbronn. Auf dieser Ausstellung mit Labor sollen Naturwissenschaft und Technik erlebbar und begreifbar gemacht werden. Mithilfe von Spielgeld erwarben die Kinder Baumaterial, aus dem sie Brücken bauten. Anschließend verglichen sie, welche Konstruktion am stabilsten ist.

Abschlussfest

Mit welcher Begeisterung die Schüler bei der Sache waren, wurde noch einmal beim Abschlussfest deutlich. Besonders imponierte der gemeinsame Vortrag des Denkmalschutzliedes, bei dem rund 80 Kinderstimmen lautstark die Bedeutung des Denkmalschutzes lobten. Ein unvergesslicher Moment für alle in der Denkmalpflege aktiven Menschen, die im Alltag oft kritische Kunden treffen und mit mühsamer Überzeugungsarbeit befasst sind. So zeigt sich, dass auch dieses Projekt auf sehr fruchtbaren Boden gefallen ist. Und so resümierten die Lehrerinnen auch, dass die Kinder und sie viel aus dem Projekt „mitgenommen“ hätten und nun mit „anderen Augen“ durch ihren Ort gehen würden.

Projektbeteiligte

  • Emil Heller, Architekt aus Neckarsulm
  • Sara Aras, Lehrerin
  • Juliane Gutzeit, Lehrerin
  • Sonja Stegmaier, Lehrerin
  • Günther Haberhauer, Stadtarchivar Bad Wimpfen