Geschichte, Auftrag, Struktur

Projektbericht Bad Säckingen

 

Angeleitet von Michael Rohrer vom Stadtbauamt Bad Säckingen (Untere Denkmalschutzbehörde) haben sich im November und Dezember 2009 zwei vierte Klassen der Weihermattenschule in Bad Säckingen am Projekt „Denkmalschutz und Schule – Grundschüler erleben Denkmale“ beteiligt. Im Mittelpunkt der Projektes standen zwei sehr unterschiedliche Denkmale: das Haus zur Fischerzunft aus dem 17./18. Jahrhundert und das Gloria-Lichtspieltheater aus den späten 1950er Jahren.

 

Gloria-Lichtspieltheater

Besichtigung des Lichtspieltheaters

Mit dem Gloria-Lichtspieltheater beschäftigten sich 25 Grundschüler der Klasse 4b der Weihermattenschule in Bad Säckingen. Den Projektauftakt bildete die Ortsbesichtigung. Der Klassenlehrer Herr Müller begleitete seine Schützlinge am 17. November 2009 in das Denkmal, wo ihnen die Betreiber des Gloria Herr Schmidt und Herr Dieterle zunächst den Betrieb als Kino und Musicaltheater vorstellten. Das Lichtspieltheater feierte 2009 seinen 50. Geburtstag. Beim Rundgang durch das Gebäude wurde der aus denkmalpflegerischer Sicht interessante Bau mit seinen Sitzen im Zuschauerraum, großen Decken- und Wandleuchtern, einer Garderobe und einem verzierten Treppengeländer erläutert. Welchen Stellenwert besaß das Kino in den 1950er-Jahren und wie verhielt sich ein Kinobesucher damals? Durch die Erörterung dieser Fragen stellten die Kinder einen Bezug zum Gebäude her. Neben gestalterischen Elementen wurden auch technische Geräte wie die noch erhaltenen Filmprojektoren während des Betriebes erläutert.

Denkmale im Schulunterricht

Eine Woche später besuchte Stadtbaumeister Michael Rohrer die Kinder in ihrer Schule. Anhand verschiedener Bad Säckinger Beispiele erläuterte er den Schülern, dass jedes Denkmal ein wichtiges Zeugnis seiner Zeit ist und erhalten werden muss. Hierbei wurde den Kindern bewusst, dass auch das zuvor besichtigte Gloria - ein Gebäude aus neuerer Zeit - eine Geschichte erzählt, die sie ohne das Denkmal kaum mehr hätten nachvollziehen können. Die Einbeziehung der Schüler in den Vortrag rief reges Interesse und viele Fragen hervor.

 

Kreative Beschäftigung zum Thema Nutzung

Kann ein Denkmal, wenn es die Nutzung erforderlich macht, auch verändert werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Schüler in einer anschließenden kreativen Unterrichtseinheit. Jeder Schüler erhielt einen Ansichtsplan der Straßenfassade des Gloria-Lichtspieltheaters aus den 50er Jahren. Die Aufgabenstellung war, das Gloria nach den eigenen Vorstellungen so umzugestalten, dass die Eigenart des Gebäudes erhalten bleibt. Dabei wurde deutlich, wie intensiv sich jeder Einzelne mit der Thematik beschäftigt. Die vielen Rückfragen und vor allem das Ergebnis waren beeindruckend. Die Schüler haben mit großer Freude ihre Vorstellungen vom Aussehen des Glorias in Zukunft zu Papier gebracht. Die Arbeiten wurden ausgestellt und in der Zeitung veröffentlicht.

Der Gesamtarbeitsaufwand für die Vermittlung des Gloria-Lichtspieltheaters an die Grundschüler betrug inklusive Vorbereitungen ca. 8 Stunden.

 

 

Haus Fischerzunft

Eintauchen in die Stadtgeschichte

Die Klasse 4a der Weihermattenschule Bad Säckingen besuchte am 15. Dezember 2009 das Haus Fischerzunft. Die Ortsbesichtigung umfasste anders als bei der Parallelklasse einen gesamten Vormittag (9.00 bis 12.15 Uhr) und schloss die theoretische Erläuterung und die praktische Vertiefung des Gelernten mit ein. Stadtbaumeister Michael Rohrer und Frau Janowitsch, Mitarbeiterin Bauamt, begrüßten die 25 Schüler, die Klassenlehrerin Frau Burkart sowie die stellvertretenden Klassenlehrerin Frau Bröker in der Zunftstube. Anhand von Bildern erläuterten sie zunächst die mittelalterliche Anlage der Altstadt mit dem Münster als Mittelpunkt. Unter Einbeziehung der Schüler wurden die wichtigsten Bauwerke Bad Säckingens aufgezählt und ihre jeweiligen Besonderheiten herausgearbeitet. Die Kinder erfuhren, was ein Denkmal ist und dass es die Aufgabe aller ist, diese unverwechselbaren Zeugnisse der Vergangenheit für die Zukunft zu erhalten. Fragen der Schüler waren ausdrücklich willkommen. Sehr interessiert zeigten sich die Schüler, als ihnen unter Einbeziehung von Bildern aus der Stadtbücherei das Leben in der Vergangenheit Bad Säckingens vorgestellt und dabei auch das Zunftwesen erläutert wurde.

Das Denkmal zum Anfassen und Begreifen

Das Haus Fischerzunft wird durch den Verein „Haus Fischerzunft“ Schritt für Schritt wiederhergestellt. Ziel ist es, das Gebäude als herausragendes Einzeldenkmal zu erhalten. Dabei wird größter Wert darauf gelegt, dass die einzelnen Bauelemente sichtbar werden. Dies ermöglichte es den Kindern, Decken, Wände, Böden und eine Verschalung anzufassen und zu „begreifen“. An einer Außenwand im Erdgeschoss konnten sie z.B. den Aufbau aus Bruchsteinen, Rheinwacken, Steinresten bzw. Fugenanteilen nachvollziehen. Im Dachgeschoss wurde ein Handaufzug in Originalform erläutert und betrieben. Aber auch die noch erhaltene Küche mit Schüttstein und Klinkerboden sowie die Ausstattung stießen auf großes Interesse.

Dokumentieren und Gestalten

Um die Schüler auch praktisch in die Materie einzubinden, bekamen sie zwei Aufgaben gestellt. Mit großem Ehrgeiz übertrugen sie ein Fenster, das sie zuvor eingemessen hatten, in einen Grundriss. Anschließend durften sie das am Haus Fischerzunft angebrachte Stechschild auf Papier neu gestalten, sodass es Auskunft über die Fischerzunft gibt. Alle Beteiligten waren über die Freude und den Ehrgeiz der Kinder hoch erfreut. Die Ergebnisse wurden zu einem Plakat zusammengetragen.

Der Gesamtarbeitsaufwand für das Projekt Grundschüler und das Haus Fischerzunft betrug mit Vorarbeiten und Ausarbeitung ca. 12 Stunden.

Resümee

 

Als vorläufiges Ergebnis ist festzuhalten, dass beide Projekte bei den Schülern großes Interesse hervorgerufen haben. Die vielen Fragen und die Ergebnisse der geleisteten Arbeiten unterstreichen dies. Aus Sicht des Stadtbauamtes sollte das Projekt unbedingt fortgeführt und gefördert werden.