Denkmale

Zeitliche und kulturelle Dimension

Wie alles anfing...

Die Bewohner der ersten Pfahlbauten konnten bereits auf viele Jahrtausende bäuerlicher Lebensweise zurückblicken. Ausgehend vom Vorderen Orient waren die kulturellen Errungenschaften der Jungsteinzeit, die Techniken des Pflanzenbaus und der Tierhaltung im 6. Jahrtausend v. Chr. bis nach Mitteleuropa gelangt. Lange Zeit konzentrierten sich die Siedler hier auf die fruchtbaren Lößgebiete, die Seen und Moorgebiete nordwärts der Alpen interessierten sie noch nicht.

 

Die ersten bäuerlichen Siedler des Mittelmeerraumes hatten hingegen ein engeres Verhältnis zum Wasser, denn sie waren auf Schiffen eingewandert und kolonisierten die Küstengebiete. Hier finden sich schon ab 5300 v.Chr. vereinzelte Siedlungen in Binnenseen. Gegen 5000 v.Chr. experimentierten nachfolgende Kulturgruppen bereits in norditalienischen Alpenrandseen mit der Errichtung von Häusern am feuchten Ufer und im Wasser. Aber erst um 4300 v. Chr. begann sich das Phänomen der Pfahlbausiedlungen rund um die Alpen auszubreiten. Damit entstanden mitten in Europa zahlreiche archäologische Fundstätten in einzigartiger Erhaltung.

Kulturelle Vielfalt rund um die Alpen

Im süddeutschen Alpenvorland waren donauländische und mitteleuropäische Kulturtraditionen bestimmend. Die Pfahlbauten im Schweizer Mittelland und in Ostfrankreich standen hingegen unter westeuropäischem Einfluss. In Oberitalien waren mediterrane Kulturtraditionen wirksam. Über die Alpenpässe kam es zudem zu einem Austausch von Kulturgütern. Insgesamt sind mehr als 30 archäologische Kulturgruppen in den Pfahlbauten nachweisbar. Es gab also keine einheitliche Kultur und Kulturentwicklung der Pfahlbaubewohner. Die große Vielfalt bietet vielmehr hervorragende Voraussetzungen zur Erforschung der unterschiedlichen Zivilisationen rund um die Alpen. Erst um 850 v. Chr. ging die Zeit der Ufer- und Moorsiedlungen in der späten Bronzezeit zu Ende. Allerletzte Pfahlbauten bestanden noch in der frühen Eisenzeit bis etwa 600 v. Chr.

Kulturgruppen der Pfahlbausiedler zwischen Bodensee und Donau

In Oberschwaben begann die Siedeltätigkeit in den Mooren und Kleinseen mit der „Aichbühler Kultur“ um 4200 v. Chr. Hier blieben bis etwa 3650 v. Chr. in Zeilen aufgereihte Häuser für das Siedlungsbild bestimmend. Am Bodensee rückten erstmals Siedler der „Hornstaader Gruppe“ ab 3919 v. Chr. in die Flachwasserzone vor. Hier kam es mit der „Pfyner Kultur“ ab 3870 v. Chr. zu einem neuen Siedlungsbild mit uferparallelen Häuserreihen und umgebenden Palisaden. In der „Horgener Kultur“ entstanden ab 3300 v. Chr. Dörfer mit beidseits einer Straßenachse aufgereihten Häusern. Dieses Siedlungsschema verfolgte auch die „Goldberg III-Gruppe“ ab 2900 v. Chr. am Federsee. Siedlungen der „Schnurkeramischen Kultur“ am Bodensee hatten zwischen 2682 und 2415 v. Chr. vermutlich ein offenes, aus lockeren Häusergruppen zusammengesetztes Siedlungsbild. In der frühen Bronzezeit siedelte die „Singener Gruppe“ ab etwa 1900 v. Chr. in der Bodmaner Bucht des Überlinger Sees. Es folgten ab1767 v. Chr. am Federsee, ab 1646 v. Chr. am Bodensee Siedlungen der „Arboner Gruppe“. Neben kleinen, offenen Siedlungen gab es stark befestigte Siedlungsanlagen. Die Siedlungen werden in der mittelbronzezeitlichen „Hügelgräberkultur“ um 1500 v. Chr. aufgegeben. Mit der spätbronzezeitlichen „Urnenfelderkultur“ entstanden zwischen 1060 und 843 v. Chr. nochmals stark befestigte Pfahlbausiedlungen. Letzte Pfahlhäuser entstanden am Federsee 721-621 v. Chr. und wurden im Zusammenhang einer Fischfanganlage nur noch saisonal genutzt. Die Besiedlung der Seeufer und Feuchtgebiete erfolgte nicht kontinuierlich. Nicht nur Klima- und Seespiegelschwankungen, sondern auch die demographische und kulturelle Dynamik unterbrachen die Entwicklung um teilweise mehrere Jahrhunderte.