Denkmale

Der Limes

Das größte archäologische Denkmal in Europa

Mit einer Länge von 550 km ist der Obergermanisch-Raetische Limes das größte archäologische Denkmal in Europa. Die einstige Landgrenze des römischen Reiches in Deutschland verläuft zwischen Rheinbrohl und Neustadt an der Donau und durchquert von Nordwesten nach Südosten die Bundesländer Rheinland-Pfalz (75 km), Hessen (153 km), Bayern (158 km) und Baden-Württemberg (164 km). Entlang der Strecke reihen sich etwa 900 Wachtürme sowie 120 größere und kleinere Kastellplätze.

 

Befestigte Landesgrenze aus dem 2. Jahrhundert n. Chr.

Ausgehend von einer einfachen Wegschneise durch die germanischen Wälder, bauten insbesondere die beiden Kaiser Hadrian (um 120 n.Chr.) und Antoninus Pius (um 160 n.Chr.) den Limes zu einem System kontinuierlicher Barrieren aus (Palisade, Graben und Wall in Obergermanien – Steinmauer in Raetien). Entlang des Obergermanisch-Raetischen Limes reihten sich etwa 900 Wachtürme sowie 120 größere und kleinere Truppenlager. Eigens angelegte Militärstraßen sorgten für die Verbindungen zwischen den auch von Zivilisten bewohnten Militärplätzen und dem Hinterland der Provinz. Mit Ausnahme eines 52 km langen Teilbereichs entlang des Mains handelte es sich um eine willkürliche, lineare Landgrenze, deren Verlauf vielerorts bis heute im Gelände einprägsam zu verfolgen ist. Verschiedene Streckenabschnitte des Limes führten schnurgerade durch die Landschaft ohne Rücksicht auf die Naturgegebenheiten zu nehmen. Eindrucksvollstes Beispiel ist die 80 Kilometer lange Grenzlinie zwischen Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis) und Welzheim (Rems-Murr-Kreis). Als Zeugnis der antiken Vermessungskunst ist der Obergermanisch-Raetische Limes so gleichzeitig ein eindrucksvolles, technisches Kulturdenkmal.

Ende des „geregelten” Grenzverkehrs im 3. Jahrhundert n. Chr.

Der Limes blieb rund einhundert Jahre lang in Funktion. Er war weniger ein militärisches Bollwerk als vielmehr eine überwachte Grenze im heutigen Sinne, an der die Ein- und Ausreise kontrolliert, Waren gehandelt oder verzollt wurden. Bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. funktionierte dieser „geregelte” Grenzverkehr, der den römischen Provinzen im Hinterland eine Zeit der wirtschaftlichen Blühte erlaubte. Sein Ende kam im Zuge innerrömischer Auseinandersetzungen, verbunden mit einer zunehmenden Bedrohung durch die Germanen. Dass die römische Grenzlinie auch in späterer Zeit als rätselhafte Landmarke noch gut im Gelände zu verfolgen war, drückt sich in zahlreichen überlieferten Flurnamen sowie den landläufigen Bezeichnungen „Pfahl(graben)” oder „Teufelsmauer” aus. Heute sind weite Bereiche – vor allem in offenen Landstrichen - allerdings nur noch mit archäologischen Methoden festzustellen.

 

 

Landesdenkmalämter beantragten UNESCO-Welterbe-Status

Von den zuständigen Ministerien beauftragt, erarbeiteten die Landesdenkmalämter der vier Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz seit Januar 2000 den Antrag zur Aufnahme des Limes in das UNESCO Weltkulturerbe. Dazu fertigten sie eine aktuelle Beschreibung sowie ein Schutz- und Entwicklungskonzept. Im Juli 2005 wurde der Limes zum Weltkulturerbe erklärt.

Weiterhin gelten die bestehenden denkmalrechtlichen Bestimmungen. Bereits heute sind der Limesverlauf ebenso wie seine Turmstellen, die Kastelle und umgebenden Zivilsiedlungen durch die jeweiligen Landesgesetze geschützt. Die Überwachung der Schutzbestimmungen stellt angesichts der Ausdehnung des Bodendenkmals Limes eine besondere Herausforderung dar. Der UNESCO-Antrag enthält Empfehlungen und Visionen für den weiteren Umgang mit dem Limes.

Limesentwicklungsplan

Der Limesentwicklungsplan Baden-Württemberg wurde durch das Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam mit den Landkreisen, Städten und Gemeinden erarbeitet. Neben einer systematischen Darstellung des Denkmalbestandes bietet der Limesentwicklungsplan einen Leitfaden für den Umgang mit diesem herausragenden archäologischen Denkmal nicht nur unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten, sondern auch im Hinblick auf seine touristische Erschließung und Vermittlung. Aspekte der Forstverwaltung, des Naturschutzes und der Flurneuordnung fanden ebenfalls Eingang. Den zuständigen Stellen in Kreisen, Städten und Gemeinden steht damit eine Handreichung zur Beratung und Information bei Maßnahmen vor Ort zur Verfügung.

Der Limesentwicklungsplan soll das Bewusstsein für die Bedeutung des Welterbes Obergermanisch-Raetischer Limes stärken und dazu beitragen, das Denkmal in seiner Authentizität auch in Zukunft zu erhalten.

 

Limesentwicklungsplan [PDF 4,5 MB]

    Weitere Informationen

    Die Deutsche Limeskommission koordiniert die Weiterentwicklungen am Limes und die zukünftigen Forschungsarbeiten:

    Zur Deutschen Limeskommision

     

    Das Limesinformationszentrum Baden-Württemberg (LIZ) unterhält eine öffentlich zugängliche Informationsstelle:

    Zum Limesinformationszentrum

     

    Hier finden Sie touristische Angebote rund um den Limes:

    Zur Internetseite Limesstraße

     

    Veranstaltungsprogramm Limes 2017