Denkmale

Transnationaler serieller Welterbeantrag Great Spas of Europe

Der Antrag zum Welterbe

Das Landesamt für Denkmalpflege begleitet die Nominierung Baden-Badens im Rahmen des transnationalen seriellen Welterbeantrags "Great Spas of Europe" seit 2009. 2010 veranstaltete das LAD in Kooperation mit ICOMOS eine Tagung unter dem Titel „Europäische Kurstädte und Modebäder des 19. Jahrhunderts“. Hiernach gründete sich die offizielle internationale Initiative, einen gemeinsamen Welterbeantrag bedeutender europäischer Kurstädte des 19. Jahrhunderts einzureichen. Derzeit handelt es sich hierbei um elf Städte aus sieben Staaten Europas. Darunter sind die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen. Zu den tschechischen Städten gehören Marienbad, Franzensbad und Karlsbad. Hinzu kommen Baden bei Wien in Österreich, Spa in Belgien, das italienische Montecatini Terme und das französische Vichy. Außerdem gehört die bereits seit 1987 als Welterbe ausgezeichnete englische Stadt Bath zu der Gruppe. Der gemeinsame Antrag soll Anfang 2019 bei der UNESCO in Paris eingereicht werden.

Baden-Baden – „Sommerhauptstadt Europas“ des 19. Jahrhunderts

Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich Baden-Baden im 19. Jahrhundert von einem überregional unbedeutenden, aber traditionsreichen Kurbad zu einem internationalen Modebad. Monarchen, Politiker, Adlige, Industrielle und Künstler besuchten die Kurstadt für mehrere Sommermonate – Gäste kamen aus ganz Europa, später sogar aus Übersee. Sie kamen, um an den ständeübergreifenden gesellschaftlichen Vergnügungen teilzuhaben, von denen sogar die Romane eines Dostojewski handelten. Viele bedeutende Werke der europäischen Literatur-, Musik- oder Kunstgeschichte entstammen der inspirierenden Atmosphäre der damals als „Sommerhauptstadt Europas“ bekannten Kurstadt.

Unterhaltung und Vergnügen - Glückspiel prägte die Stadt

Im Mittelpunkt der Gesellschaftskur stand das Spielcasino im Konversationshaus. Baden-Baden gilt als Modell der deutschen Spielebäder von internationaler Bedeutung, deren gesellschaftliches Leben und städtebauliche Entwicklung auf die Einnahmen aus dem staatlich konzessionierten Glücksspiel zurückzuführen sind. Das Glücksspiel war seit 1837 in Frankreich verboten – ein Umstand, der den deutschen Spielcasinos nicht nur französische Gäste, sondern auch französische Pächter bescherte. Die Pächterfamilie Bénazet lenkte über Jahrzehnte das kulturelle Leben in Baden-Baden. Auf sie geht die opulente Ausstattung der Spielräume im französischen Rokokostil zurück, die noch heute erhalten sind und ihrem ursprünglichen Zweck dienen.

Ebenso veranlassten die Bénazets die Anlage des berühmten Landschaftsparks an der Lichtentaler Allee wie auch den Bau des Theaters nach Vorbild der Pariser Oper. So konnte die Stadt einen Mikrokosmos gesellschaftlichen Lebens aufweisen, wie er normalerweise nur in Groß- oder Hauptstädten vorzufinden war.

 

 

Die europäische Kurstadt des 19. Jahrhunderts – ein besonderer Stadttypus

Die internationale Anziehungskraft der Spielbank wirkte sich nicht nur auf das Spektrum gesellschaftlicher Angebote aus. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung prägte die Stadt in jeder Beziehung. Aufgrund der Lage der Thermalquellen am Florentinerberg hatte sich die Stadt mit dem Bäderviertel seit der Antike auf dieser Seite des Oosbachs befunden. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde außerhalb der Stadtmauern eine Kastanienallee mit Promenadehaus angelegt. Seit dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde an dieser Stelle mit der Errichtung des gesamten Kurviertels unter Friedrich Weinbrenner fortgefahren. Viele Kurstädte, die im 19. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebten, nahmen eine ganz ähnliche Entwicklung außerhalb der Stadtmauern.

 

Da die Kurgäste angemessene Unterkünfte verlangten, wurden nicht nur luxuriöse Hotels errichtet, wie der Badische Hof, welcher als das erste Grand Hotel Deutschlands gilt, sondern auch zahlreiche Villen. Villenanwesen entstanden zuerst oberhalb des Kurviertels am Hang des Fremersbergs, später dehnte sich das Villengebiet gen Süden aus. Die Villen beherbergten zum Kurgäste, waren also temporär vermietet, zum anderen ließen sich hier auch in- und ausländische Dauerkurgäste nieder, die Baden-Baden zu ihrem Wohnsitz erklärten.

Gäste aus aller Welt – Kirchenbauten verschiedener Konfessionen

Die ausländischen Gäste benötigten darüber hinaus eigene Gotteshäuser, sodass in Baden-Baden, wie in anderen bedeutenden Kurstädten auch, Kirchenbauten verschiedener Konfessionen entstanden. Diese fanden in der geplanten südlichen Stadterweiterung mit charakteristischen Straßenzügen und -plätzen ihren Ort. Im frühen 20. Jahrhundert wurde oberhalb der Vorstadt am Hang des Annabergs ein weiteres Villenviertel planmäßig angelegt, mit dessen Erschließung die Stadterweiterung bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitgehend abgeschlossen war. Diese charakteristische Struktur einer Kurstadt mit getrennten Vierteln unterschiedlicher Funktionen bildet einen eigenen Stadttypus und ist in Baden-Baden in ihrer Gesamtheit noch heute geschlossen vorzufinden.

 

 

Stadt im Grünen

Neben Städtebau und Architektur waren es ebenso die Grünflächen und die Landschaft, die vor dem Hintergrund der Neuausrichtung Baden-Badens als Modebad neu gestaltet und erschlossen wurden. Während die bewaldeten Hügel des Nordschwarzwalds zu Ausflügen in die Landschaft einluden, unternahmen die Kurgäste ihre täglichen Morgen- und Nachmittagsspaziergänge in Kurgarten und Kurpark. Auch Spaziergänge durch die Villengebiete mit ihren großzügigen, parkähnlichen Villengärten erfreuten sich großer Beliebtheit. Hierbei fanden die Kurgäste zum einen Zerstreuung und genossen einen ungezwungenen gesellschaftlichen Austausch, zum anderen war die Bewegung wichtiger Bestandteil der Kurtherapie.

 

Die 2,3 km lange Kurpromenade Lichtentaler Allee verläuft vom Goetheplatz bis zum Kloster Lichtenthal, welches ein weiteres beliebtes Ausflugsziel im 19. Jahrhundert darstellte. Der unter Johann Michael Zeyher ab 1839 angelegte, weitläufige Landschaftspark entlang der Oos besitzt einen mannigfaltigen Bestand an heimischen und exotischen Bäumen und Pflanzen. Er verschmilzt mit den anliegenden Gärten der Villen und Hotels und schließlich mit den Hängen der Landschaft.

 

 

Denkmalschutz in Baden-Baden

Die Besonderheit Baden-Badens liegt in seiner langen Entwicklungsgeschichte als Kurstadt. Bereits in der Antike wurde die Stadt am Battertberg aufgrund der Thermalquellenvorkommen besiedelt und weist noch heute die Ruinen römischer Badanlagen auf. Seitdem durchlief Baden-Baden alle Entwicklungsphasen, die eine Kurstadt kennzeichnen, und kann diese im historischen Bestand und in der Stadtanlage nachweisen. Da die Stadt nur äußerst geringe Kriegsschäden zu verzeichnen hatte und spätestens seit den 1970er Jahren Maßnahmen traf, um das Stadtbild und die charakteristischen Stadtquartiere substanziell und strukturell zu erhalten, gibt es in Baden-Baden einen hohen Altbaubestand.

 

Die nominierte Welterbestätte besitzt auf 230 ha über 770 Denkmale, darunter 17 Kulturdenkmale von besonderer Bedeutung. 2007 wurde die Innenstadt mit dem Kurpark nach §19 DSchG als Gesamtanlage unter Schutz gestellt, so dass bauliche Veränderungen am Erscheinungsbild genehmigt werden müssen. Dieser Schutz ist für die nominierte Welterbestätte grundlegend und soll im Zuge der Bewerbung auf die gesamte Welterbestätte ausgedehnt werden.

Zeitplan im Welterbeverfahren

Der transnationale serielle Antrag aller elf Städte soll Anfang 2018 offiziell durch das federführende Land Tschechien in Paris eingereicht werden. Die Entscheidung der UNESCO über die Aufnahme der „Great Spas of Europe“ und damit Baden-Badens in die Welterbeliste wird frühestens im Sommer 2020 fallen.

    Ansprechpartner

    Volkmar Eidloth
    Landesamt für Denkmalpflege
    Berliner Straße 12
    73728 Esslingen am Neckar
    +49 (0711) 90 44 51 73