Denkmale

Inventarisation des historischen Warenarchivs der WMF in Geislingen an der Steige

Die WMF – eine weltweit bekannte württembergische Firma

Im Jahre 1853 gründete der Müller Daniel Straub in Geislingen an der Steige eine Fabrik für Haushaltsgegenstände aus versilbertem Kupferblech. Nach der Vereinigung mit der Esslinger Versilberungsanstalt Ritter & Co. im Jahre 1880 und der gleichzeitigen Umbenennung in Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) stieg das Unternehmen innerhalb von drei Jahrzehnten zum größten Industriebetrieb in Württemberg auf. Neben Haushaltsgegenständen wie Kochgeschirren und Kaffeemaschinen produzierte die WMF in ihrer „Galvanoplastischen Kunstanstalt“ nun auch Skulpturen für Brunnen, Denkmäler und Friedhöfe sowie Replikate von Museumsobjekten. Seit den 1920er Jahren wurden in der „Neuen Kunstgewerblichen Abteilung“ der WMF in verschiedenen innovativen und äußerst anspruchsvollen Techniken kunsthandwerkliche Objekte aus Metall, Glas und Keramik hergestellt. Die WMF wurde so zeitweise zum weltweit führenden Hersteller hochwertiger Dekorationsgegenstände. In der Nachkriegszeit konzentrierte sich die Firma wieder auf die Herstellung von Haushalts- und Tischwaren; heute gehören Gastro-Kaffeemaschinen und Elektrokleingeräte zu den wichtigsten Produktionsbereichen.

 

 

Die Besteckserie 2500 nach Entwurf von Kurt Mayer wird seit 1932 hergestellt.
Die Besteckserie 2500 nach Entwurf von Kurt Mayer wird seit 1932 hergestellt.
Die erste Kaffeemaschine der WMF aus dem Jahr 1888.
Die erste Kaffeemaschine der WMF aus dem Jahr 1888.

Das historische Warenarchiv der WMF

In den Firmengebäuden in Geislingen hat sich ein ca. 11.000 Einzelstücke umfassendes Warenarchiv erhalten, das sowohl Belegstücke aus der mehr als 150 Jahre währenden kunstgewerblichen und industriellen Produktion der Firma enthält, als auch zahlreiche Unikate in Form von Versuchsstücken, Handmustern oder Prototypen. Vertreten sind Gegenstände aus allen Bereichen der Herstellung - von reinen Gebrauchswaren bis zu gestalterisch hochwertigen Design-Objekten nach Entwürfen bekannter Künstler. Ergänzt werden die Sammlungen durch mehrere Tausend historische Produktfotografien, Plakate und Warenkataloge. Das historische Warenarchiv der WMF ist somit ein einzigartiges Dokument der gesamten Produktion einer der renommiertesten Firmen des Landes und damit als Sammlung ein bewegliches Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung.

 

 

Vase aus Myra-Glas nach einem Werksentwurf der WMF aus der Zeit um 1927.
Vase aus Myra-Glas nach einem Werksentwurf der WMF aus der Zeit um 1927.
lvanoplastische Kopie der Paradiestür am Florentiner Baptisterium, 1910-13
Galvanoplastische Kopie der Paradiestür am Florentiner Baptisterium, 1910-13.
Steinzeug-Büste einer indonesischen Göttin nach Entwurf von Gerda Conitz von 1937/38
Steinzeug-Büste einer indonesischen Göttin nach Entwurf von Gerda Conitz von 1937/38.

Das WMF-Projekt

In einem gemeinsamen Projekt des Landesamtes für Denkmalpflege und der Firma WMF werden sämtliche Gegenstände im historischen Warenarchiv fotografiert und mit Angaben zu Materialien, Techniken, Maßen, Datierungen, Entwerfern und Erhaltungszuständen in einer Datenbank erfasst. Das Ziel dieser erstmaligen vollständigen Dokumentation der Sammlung ist es, die Voraussetzung für ihre langfristige Erhaltung, aber auch für eine künftige Zugänglichkeit für die Forschung und die Öffentlichkeit zu schaffen.

 

 

Der erste WMF-Sicomatic-Schnellkochtopf von 1927.
Der erste WMF-Sicomatic-Schnellkochtopf von 1927.
Bowlengefäß aus Ikora-Metall, Entwurf von Karl Holzinger um 1930.
Bowlengefäß aus Ikora-Metall, Entwurf von Karl Holzinger um 1930.

    Ansprechpartner

    Dr. Dieter Büchner
    Landesamt für Denkmalpflege
    Berliner Straße 12
    73728 Esslingen am Neckar
    dieter.buechner(at)rps.bwl.de
    +49 (0711) 90 44 52 31

    Projektbearbeiter

    Heinz Scheiffele, WMF

    Dr. Tim Heilbronner