Denkmale

Dokumentation des Truppenübungsplatzes Münsingen

Auf der Hochfläche inmitten der Schwäbischen Alb befindet sich ein ausgesprochen großflächiges, und gleichermaßen komplexes wie vielschichtiges Kulturdenkmal des Landes Baden-Württemberg, der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen.

Truppenübungsplatz der ersten Stunde

Die Münsinger Anlage zählt zu den ersten modernen militärischen Übungsplätzen, die ab etwa 1890 im Deutschen Reich eingerichtet wurden. Bis 1903 entwickelte sie sich zu einer der am besten ausgestatteten ihrer Art und verblieb auch nach dem Ersten Weltkrieg als einer der wenigen Ausbildungsplätze. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden Unterkünfte und Ausbildungseinrichtungen in größerem Rahmen ausgebaut und modernisiert sowie an die Bedürfnisse einer mit Panzern und motorisierter Artillerie ausgestatteten Armee angepasst. 1937/39 folgte die Erweiterung des Platzes auf fast das Doppelte zu seiner heutigen Größe von ca. 6.700 ha.

Beobachtungsturm mit Blick über den Truppenübungsplatz
Beobachtungsturm mit Blick über den Truppenübungsplatz.

Unter französischer Regie

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die weitere militärische Nutzung des Platzes unter französischer Kommandantur statt, 1957 kamen auch deutsche Soldaten wieder auf den Platz - zwei Jahre nach Gründung der Bundeswehr. Ab den 1960er Jahren erfolgte der sukzessive Platzausbau seitens des Bundes mit modernen Schießständen, Zielbauten und Panzerschießbahnen.

110 Jahre Übungsbetrieb enden

Maschinenraum im Zielbedienungsunterstand
Maschinenraum im Zielbedienungsunterstand.

2005 endete der gesamte militärische Betrieb, das Areal wurde Ausgangspunkt und Herzstück des 2009 anerkannten Biosphärengebietes Schwäbische Alb. In Hinblick auf die Anzahl, die zeitliche Verteilung und die Dichte von Übungsanlagen hat sich bundesweit eine einmalige und besonders anschauliche militärhistorische Überlieferung ergeben. Damit ist der Truppenübungsplatz Münsingen in seiner Gesamtheit ein bedeutendes Zeugnis der Militärgeschichte der letzten 100 Jahre. Aus wissenschaftlichen, vor allem landes- und militärgeschichtlichen Gründen ist er seit 2007 Kulturdenkmal.

Ein Kulturdenkmal mit 66 Quadratkilometern

Dokumentation eines verschütteten Unterstandes
Dokumentation eines verschütteten Unterstandes.

Das zur Unterbringung der übenden Soldaten schon 1895 entstandene „Alte Lager“ sowie das „Remontedepot Breithülen“ wurden im Rahmen eines Bestandskatalogs und denkmalpflegerischen Bindungsplans als Grundlage für kommende Nutzungsänderungen bereits 2013 eingehend untersucht. In einem zweiten Schritt erfolgte für die gesamte Fläche des Übungsplatzes eine Dokumentation aller militärischen Hinterlassenschaften, womit methodisches Neuland zu betreten war. Zwischen 2013 und 2016 wurden bauliche Strukturen wie Beobachtungsstände, Unterstände oder Zielbauten, aber auch linien- und flächenhafte Strukturen wie Schießbahnen oder Schützengräben in ihren Funktionszusammenhängen flächendeckend aufgenommen.

Auf insgesamt 66 km2 wurden 1.276 Objekte in einer Datenbank erfasst, fotografiert und in einem geografischen Informationssystem kategorisiert, beschrieben, zeitlich gruppiert und ausgewertet. Eine aktuelle Bestandskarte mit allen Objekten, thematischen Karten, Zeitschichtenkarten, Ensemblekarten und historischen Karten helfen bei der Verortung der Objekte und geben einen Überblick.

Erfassung der Objekte im geografischen Informationssystem
Erfassung der Objekte im geografischen Informationssystem.

Einzigartige Dokumentation

Weiße Warntafel mit blauer Schrift
Warntafel.

Mit Unterstützung örtlicher Geländekenner und des Bundesforstes ist eine bundesweit bisher wohl einzigartige Erfassung und Bewertung entstanden. Das Landesamt für Denkmalpflege stellt sich mit dieser eingehenden Dokumentation den Herausforderungen des konservatorischen Umgangs mit dem aufgelassenen Truppenübungsplatz Münsingen und trifft Vorsorge für die Bewahrung der Relikte einer 110-jährigen Militärgeschichte auf der Schwäbischen Alb.

Sicherheitshinweis: Der Platz darf nur auf den freigegebenen Wegen begangen werden!

    Projektverantwortliche

    Dr. Martin Hahn
    Landesamt für Denkmalpflege
    Berliner Straße 12
    73728 Esslingen am Neckar
    martin.hahn(at)rps.bwl.de
    +49 (0711) 90 44 51 83
    Beata Hertlein
    Landesamt für Denkmalpflege
    Alexanderstraße 48
    72072 Tübingen
    beata.hertlein(at)rps.bwl.de
    +49 (07071) 75 72 45 9
    Wolfgang Thiem
    Landesamt für Denkmalpflege
    Alexanderstraße 48
    72072 Tübingen
    wolfgang.thiem(at)rps.bwl.de
    +49 (07071) 75 72 47 3

    Projektbearbeiter

    Joanna McMillan, Stuttgart

    Christoph Morrissey, Tübingen