Denkmale

Dokumentation des Neckarkanals

Längstes Kulturdenkmal in Baden-Württemberg

Der Neckarkanal bei der Staustufe Hessigheim.
Der Neckarkanal bei der Staustufe Hessigheim.

Eines der jüngsten und gleichzeitig größten Kulturdenkmale in Baden-Württemberg ist der Neckarkanal. Die zwischen 1918 und 1968 für die Schifffahrt ausgebaute Wasserstraße erstreckt sich vom Plochinger Hafen bis zur Mündung des Neckars in den Rhein bei Mannheim. Insgesamt ist der Neckar von der Quelle bis zur Mündung 367 Kilometer lang. Die unter Denkmalschutz stehende schiffbare Strecke beträgt 200 Kilometer und führt über 27 Staustufen. Zu diesen gehören Wehre, die das Wasser aufstauen, Schleusen, Kraftwerke sowie Uferbauwerke und Anlagen für den Schiffsverkehr. Der gesamte Neckarkanal ist ein herausragendes Beispiel für die Planung und Umsetzung eines technischen Großprojekts.

Im Rahmen zahlreicher aktueller Verfahren zu Umbaumaßnahmen am Neckarkanal, darunter insbesondere Schleusenerweiterungen, Wehrumbauten und Renaturierungen im Zuge von Landschaftsparkprojekten, war es notwendig, detaillierte Informationen zu den einzelnen Bestandteilen des Kulturdenkmals vor Ort und in Archiven zu erheben. In einem eineinhalbjährigen Projekt wurde deshalb die Wertigkeit der einzelnen Bestandteile des Neckarkanals präzise recherchiert und dokumentiert.

Historische Aufnahme des Neckarkanals bei Neckargemünd (Rhein-Neckar-Kreis)
Historische Aufnahme des Neckarkanals bei Neckargemünd (Rhein-Neckar-Kreis).
Übersichtsplan der Wehranlage mit Kraftwerk in Gundelsheim von 1933
Übersichtsplan der Wehranlage mit Kraftwerk in Gundelsheim (Kreis Heilbronn) von 1933.

Projekt Neckarkanal

Für das Projekt suchten Bauforscher und Historiker in allen relevanten Archiven nach zeitgenössischen Bauplänen, Zeichnungen und älteren Fotografien des Kanals und sichteten die Akten zum Bauverlauf und zu bereits erfolgten Umbaumaßnahmen. Alle baugeschichtlich relevanten Bestandteile dabei in einem geografischen Informationssystem kartiert. In dieses eingebunden ist eine fotografische Dokumentation aller Streckenabschnitte sowie aller Ingenieurbauwerke wie Staustufen, Schleusen, Wehre, Wasserkraftwerke, Bootsschleppen, Fischtreppen, Windwerke etc.

Für die einzelnen Streckenabschnitte, jeweils von Staustufe zu Staustufe, sind alle relevanten Informationen dieser Dokumentation in kurzen Steckbriefen zusammengefasst. Sie erläutern Topographie und Naturraum, Bauzeit und Charakteristika des Streckenabschnittes, seinen Erhaltungszustand und die Einordnung in den Gesamtzusammenhang des Neckarkanals. Die Informationen zu allen Einzelteilen des Kulturdenkmals sind in Erfassungsbögen dokumentiert.

Auszug aus dem geografischen Informationssystem, Bereich Gundelsheim.
Auszug aus dem geografischen Informationssystem, Bereich Gundelsheim.

Der Denkmalpflege und allen am Neckarkanal beteiligten planenden Behörden und Büros steht mit dieser Nachqualifizierung und Präzisierung des Kulturdenkmals Neckarkanal nun ein umfassender wissenschaftlicher Fundus zu Verfügung, der praxisnah aufbereitet ist. Konservatorisches Ziel ist es, die Gebäude und Anlagen des Kanals unter dem Aspekt der anstehenden Umbaupläne als Gesamtheit so weit wie möglich zu schützen und für künftige Generationen erlebbar zu machen.

    Projektverantwortliche

    Dr. Michael Hascher
    Landesamt für Denkmalpflege
    Berliner Straße 12
    73728 Esslingen am Neckar
    michael.hascher(at)rps.bwl.de
    +49 (0711) 90 44 51 55
    Dr. Martin Hahn
    Landesamt für Denkmalpflege
    Berliner Straße 12
    73728 Esslingen am Neckar
    martin.hahn(at)rps.bwl.de
    +49 (0711) 90 44 51 83