Denkmale

Moderne Mess- und Dokumentationsmethoden

In der Landesdenkmalpflege wird man, wenn es um das Thema der Gebäudedokumentation geht, zunehmend mit digitalen Mess-, Dokumentations- oder auch Inventarisations-methoden konfrontiert. So können mit Hilfe von modernen Messverfahren, wie dem Laserscanning oder auch dem SfM-Verfahren, dank automatisierter Prozesse schnelle und millimetergenaue Aufnahmen erstellt werden, aus denen ein scheinbar lückenloses, täuschend echtes Abbild eines Denkmals geschaffen wird.

SfM (Structure from Motion): Grundlage: zahlreiche Fotos des Objektes
SfM (Structure from Motion): zahlreiche Fotos des Objektes.
SfM - Rechenprozess: Aus den Fotos (in blau: Lage der einzelnen Fotostandpunkte) wird eine 3D-Punktwolke bzw. Oberflächenmodell generiert.
SfM - Rechenprozess: Aus den Fotos (in blau: Lage der einzelnen Fotostandpunkte) wird ein Oberflächenmodell generiert.
Ergebnis des SfM: texturiertes Oberflächenmodell der Lourdesgrotte in Hausen am Bussen, welches entsprechend weiterverarbeitet werden kann.
Ergebnis des SfM: texturiertes Oberflächenmodell welches entsprechend weiterverarbeitet werden kann.

Aber wie und mit welchem Aufwand entsteht zum Beispiel aus der Punktwolke eines Laserscanns eine zweidimensionale Zeichnung, die traditionell auf Grundlage der Anforderungen an ein verformungsgerechtes Aufmaß in den unterschiedlichen Genauigkeitsstufen erstellt wird? Eine weitere wichtige Grundlage bei der Gebäudedokumentation sind Bildpläne, z.B. für Gebäudeansichten, welche herkömmlicherweise mit Hilfe von photogrammetrischen Verfahren erzeugt werden. Aber auch aus texturierten Oberflächenmodellen, die mit Hilfe des SfM-Verfahrens erstellt werden, können solche Orthofotos generiert werden, wo sich Fragen nach den Vor- bzw. Nachteilen gegenüber den üblicherweise eingesetzten Verfahren stellen.

Aber sind diese Verfahren mit der alltäglichen Arbeit eines Bauforschers vor Ort am Kulturdenkmal überhaupt vereinbar? Bedeuten sie nicht nur eine Zeit- und Kostenausweitung bei der Datengewinnung oder helfen sie auch, ein Objekt effektiver und genauer zu dokumentieren?

Ölberg in Überlingen, texturiertes Oberflächenmodell.
Ölberg in Überlingen, texturiertes Oberflächenmodell.
Ölberg in Überlingen; aus dem Oberflächenmodell generierte Ansichten.
Ölberg in Überlingen; aus dem Oberflächenmodell generierte Ansichten.

Darüber hinaus soll getestet werden, wie solche, mit Hilfe der modernen Verfahren erzeugten, dreidimensionalen Informationen nicht nur für zweidimensionale Ergebnisse genutzt werden, sondern in Form von 3D-Modellen eine Gebäudedokumentation bereichern könnten, sei es in Form von dreidimensionalen Bauphasenmodellen oder auch in Form von 3D-Kartierungen.

 

Ein Raumbuch kann fallweise die zeichnerische Dokumentation durch Beschreibungen und Fotografien ergänzen. Für eine solche Inventarisation offerieren Datenbanksysteme digitale Archivierungsmöglichkeiten, in denen sämtliche Objektinformationen gespei-chert und miteinander verknüpft werden können, um von überall und jederzeit abrufbar zu sein. Aber kann ein solches digitales Raumbuch das klassische, manuelle erstellte Raumbuch überhaupt ersetzen?

Texturiertes Oberflächenmodell der hl. Katharina (Bad Mergentheim)
Texturiertes Oberflächenmodell der hl. Katharina (Bad Mergentheim).
Verschiedene 3D-Modelle: Drahtgittermodell
Verschiedene 3D-Modelle: Drahtgittermodell.
Oberflächenmodell
Oberflächenmodell.

Alle diese angesprochenen Themen haben natürlich einen unmittelbaren Einfluss auf die alltägliche Arbeit des praktischen Baudenkmalpflegers. Mit einer Bewertung dieser modernen Methoden und Verfahren sollen Fragen beantwortet werden, die sich dem Konservator bei einer zu beauftragende Baudokumentation stellen: Wie und wo können diese Verfahren effizient eingesetzt werden, um verschiedenen Belangen, wie z.B. die Nachvollziehbarkeit und Richtigkeit einer Bauaufnahme oder einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis gerecht zu werden? Welche digitalen Produkte können einem praktischen Denkmalpfleger zur Bewertung eines Denkmals tatsächlich helfen, der nur auf geringe technische Ausstattung und Know- How bei finanziell beschränkten Möglichkeiten zurückgreifen kann?

 

Das Ergebnis dieses zweijährigen Projektes zum Umgang mit modernen Mess- und Dokumentationsmethoden in der Bau-und Kunstdenkmalpflege soll sich u.a. in der Erweiterung und Ergänzung des Arbeitsheftes „Empfehlungen für Baudokumentationen" niederschlagen.

    Ansprechpartnerin:

    Christiane Brasse
    Landesamt für Denkmalpflege
    Berliner Straße 12
    73728 Esslingen am Neckar
    christiane.brasse(at)rps.bwl.de
    +49 (0711) 90 44 52 12