Denkmale

Die Viereckschanzen von Nordheim und die jüngerlatènezeitliche Besiedlung im Raum Heilbronn

Karte von Heilbronn und Umgebung, mit den Viereckschanzen von Nordheim und den Fundstellen der Jüngeren Latènezeit
Karte von Heilbronn und Umgebung, mit den Viereckschanzen von Nordheim und den Fundstellen der Jüngeren Latènezeit.

Im heutigen Süddeutschland und darüber hinaus waren Viereckschanzen ein fester Bestandteil des spätlatènezeitlichen Siedlungsgefüges. Die Frage nach der Funktion der Viereckschanzen wird seit Beginn ihrer archäologischen Erforschung kontrovers diskutiert. Am häufigsten finden sich die Interpretationen als Kultplatz oder als Siedlung einer ländlichen Elite. Auch das Verhältnis der einzelnen Anlagen zueinander und ihre Stellung innerhalb der Siedlungshierarchie sind noch umstritten.

 

Ebenso ungeklärt sind Fragen in Bezug auf Chronologie und die Gründe der Aufgabe von Viereckschanzen sowie des gesamten Niederganges der keltischen Kultur um die Mitte des 1. Jh. v.Chr. Bei den beiden Schanzen von Nordheim wurden sowohl innerhalb als auch außerhalb der Grabeneinfassungen interessante Befunde dokumentiert, darunter Gebäudereste, Brunnenschächte und Depots. Die daraus geborgene Fundmenge ist ungewöhnlich groß und umfasst neben Keramik und Tierknochen auch zahlreiche Kleinfunde aus Metall, Glas und Stein. Im mittleren Neckarraum fehlen bisher größere Fundkomplexe der jüngeren Latènezeit.

 

Im Rahmen des DFG-Projektes „Die Viereckschanzen von Nordheim und die jüngerlatènezeitliche Besiedlung im Raum Heilbronn“ werden die Befunde und Funde der beiden Viereckschanzen ausgewertet. Der umfangreiche Fundbestand von Nordheim bietet die Möglichkeit, das regionale Fundspektrum zu definieren und Verbindungen zu den besser dokumentierten Nachbarregionen zu untersuchen.

 

Zudem können beide Schanzen miteinander verglichen werden und Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Chronologie, Funktion und Stellung von zwei direkt benachbarten und zumindest teilweise gleichzeitigen Fundplätzen aufgezeigt werden

Erste Ergebnisse der Fundauswertung deuten auf mögliche Zentralortfunktionen in einer Region ohne Oppida und Großsiedlungen und zeigen eine Anbindung an regionale und Fernhandelsnetze. Zudem sollen die Anlagen in den Kontext der mittel- und spätlatènezeitlichen Besiedlung im Raum Heilbronn gestellt werden.