Denkmale

ARCHES-Projekt

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung (Mitteilung) trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Seit Juni 2012 ist das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart leitende Partnerinstitution des ARCHES-Projekts (Archaeolgical Resources in Cultural Heritage. A European Standard). ARCHES geht auf eine Initiative der Arbeitsgruppe „Archäologische Archivierung“ des Verbandes der Europäischen Landesarchäologen zurück. Die Zielstellung des Projektes ist die Erstellung eines für Europa gültigen Handbuches über die Archivierung archäologischen Fundmaterials und analoger sowie digitaler Dokumente von Ausgrabungen. Im Rahmen des „Culture 2007–2013“-Förderprogramms wird das Projekt von der EU zur Hälfte finanziert.

Hintergrund

Die Ergebnisse archäologischer Projekte und Ausgrabungen müssen für die Wissenschaft und für das interessierte Publikum fachgerecht und vor allem dauerhaft konserviert werden. Keine leichte Aufgabe, wenn man an die Vielfalt dieser Ergebnisse denkt: jede Art von archäologischen Funden, die teilweise besondere Behandlung, Restaurierung oder Konservierung bedürfen, gehören dazu. Ebenso alle schriftlichen Dokumente, Zeichnungen und Fotos, die auf einer Ausgrabung gemacht werden. Früher betraf die Archivierung nur die analogen Daten, heutzutage liegen nahezu alle Daten digital vor. Ihre fachgerechte Handhabung kostet nicht nur Zeit und Lagerfläche, sondern auch sehr viel Geld.

Auf einem diesem Thema gewidmeten Symposium des Verbandes der Europäischen Landesarchäologen, kurz EAC (Europae Archaeologiae Consilium), im Jahre 2007 in Metz, Frankreich, wurde schnell klar, dass die Problematik der archäologischen Archivierung sowie deren Lösungsansätze nicht national begrenzt, sondern europaweit zu betrachten sind. Die ansteigende Zahl archäologischer Aktivitäten sowie sich verfeinernde Grabungsmethoden führen dazu, dass die Menge der Ergebnisse einen explosionsartigen Zuwachs erfährt. Deshalb entschied sich der EAC bereits während des Symposiums eine neue Arbeitsgruppe zu bilden, die sich allein mit der Thematik der archäologischen Archivierung auseinander setzen sollte.

Grundsätze der Archivierung

Zu den ersten Aufgaben der Arbeitsgruppe gehörte es, sich auf eine einheitliche Definition und die grundlegenden Prinzipien archäologischer Archivierung zu verständigen. Relativ rasch einigte man sich auf folgende Grundsätze:

 

 

  • Archäologische Archive setzen sich aus sämtlichen beweglichen Objekten bzw. dem Kulturgut, Daten und Dokumentationen jeglicher archäologischer Aktivität zusammen.
  • Ein archäologisches Archiv sollte grundsätzlich in einer anerkannten Einrichtung dauerhaft erhalten werden. Jede archäologische Aktivität sollte zum Ziel haben, ein komplettes, strukturiertes, stabiles und zugängliches Archiv zu erzeugen.
  • Es ist sehr wichtig, dass diese Standards für die Erstellung, Verwaltung und Aufbewahrung des archäologischen Archivs, das ein Projekt oder eine Unternehmung verursacht, gleich zu Beginn dieser archäologischen Aktivität vereinbart werden. So wird vermieden, dass man möglicherweise vergisst, dass die Ergebnisse auch über das Ende eines Projekts hinaus versorgt werden müssen.

Mit diesen bereits formulierten Kernprinzipien machte sich die Arbeitsgruppe daran, Leitlinien für die Vorbereitung, Erstellung und Ablage von archäologischen Archiven zu benennen. Unter der Leitung des Landesamts für Denkmalpflege erarbeiten sieben weitere regionale bzw. nationale Denkmalämter aus Sachsen-Anhalt, Belgien, der Tschechischen Republik, England, Island, den Niederlanden, Schweden gemeinsam mit ArchaeoConcept aus der Schweiz als assoziertem Partner nun Kernstandards und ein Handbuch für die Prozesse, die zu fachgerechter archäologischen Archivierung gehören.

Zu dieser Arbeit gehört die Definition von Kriterien eines archäologischen Archivs im Unterschied zu anderen Archiven, das Identifizieren von Verantwortlichkeiten und Aufgabenbereichen (zum Beispiel in der Konservierung, Pflege, Archivierungspraxis, Lagerung und Konservierungsstandards) sowie auch Überlegungen zur Selektion und Retention von Funden und Dokumentation. Es soll ein idealer Workflow von der Entdeckung bzw. Erzeugung während der archäologischen Aktivität bis zur endgültigen Ablage im Archiv aufgezeigt werden.

Ziele des Projekts

  • Identifikation gemeinsamer Kerninformationen der Projektpartner zum Thema archäologische Archivierung sowie von Verantwortlichkeiten und Aufgaben
  • Erstellung umfassender Leitlinien über Einrichtung, Vorbereitung und Ablage von archäologischen Archiven, die auch landesspezifische Besonderheiten berücksichtigen
  • Erstellen einer umfassenden Bibliographie aller relevanten Standards, Werke und Richtlinien aus den Partnerländern
  • Publikation und Verbreitung der Ergebnisse als gedrucktes Buch sowie webbasiert
  • Einrichtung einer Webpräsenz, die zukunftsgerichtet als Plattform und Forum für das Thema archäologische Archivierung dienen soll

Methodik

Das Projekt ist in sieben Arbeitsbereiche (Work Packages, WP) aufgeteilt. Jeder Partner ist für einen Arbeitsbereich verantwortlich:

 

1) Projektmanagement und Koordination (Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Deutschland)

2) Kernstandarderarbeitung und Umfragen (English Heritage, England)

3) Organisation von Workshops (Archaeological Heritage Agency, Island)

4) Bibliographie (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Deutschland)

5) Erarbeitung von anwendungsorientierten Standards (Archeologický ústav AV CR, Tschechische Republik)

6) Veröffentlichung der Ergebnisse (Hoofd Departement Archeologisch Erfgoed,Gewestelijke Overheidsdienst, Brussel Stedelijke Ontwikkeling – Directie Monumenten en Landschappen, Belgien)

7) Nachhaltigkeit (Rijksdienst het Cultureel Erfgoed, Niederlande)

8) „Springerfunktion“ in allen Arbeitsgruppen hat Schweden (Swedish National Heritage Board, Schweden)

Ein Kernstandardentwurf und Umfragen wurden durch eintägige nationale oder regionale Workshops oder Meetings ergänzt, die im ganzen ARCHES Gebiet und in der Schweiz im Frühjahr 2013 stattfanden. Sie dienten dazu, Informationen über nationale bzw. regionale Verfahrensweisen zu sammeln. Dies umfasste unter anderem die Projektplanung, die Festlegung von Archivierungsstandards, die Daten- und Informationserfassung und den Umgang mit Ausgrabungs- bzw. Projektdokumentationeh, Funden und digitalen Daten. Weitere Aspekte sind die Analyse und Archivierung der Ergebnisse, die Verpackung von Funden unterschiedlichster Art, die Problematik der ungewissen Lebensdauer digitaler Daten, die Archivordnungen und Indexierung sowie Überführung des zu archivierenden Gutes, dessen langfristige Pflege und das Management von archäologischen Archiven. Die Umfragen und Workshops identifizierten bereits existierende erfolgreiche Strategien, die in die ARCHES-Leitlinien übernommen werden können. Ebenso wurden damit Bereiche sichtbar, wo nachhaltige Strategien fehlen oder so unterschiedlich sind, dass eine neue Orientierung nötig ist.

Ergebnisse

Aus einer Kombination von Informationen aus den Workshops und Umfragen, die parallel zu den Workshops an Denkmalämter im ganzen Projektgebiet durchgeführt wurden, konnten allgemeingültige Kernprämissen (Core Standards) zusammengestellt werden. Außerdem wurden Empfehlungen und Leitlinien (auch unter Berücksichtigung regionaler und nationaler Besonderheiten) für die tatsächliche Umsetzung von ARCHES formuliert. Diese werden in einer neuen EAC-Handbuchreihe in englischer Sprache publiziert. Die Publikation in sieben europäischen Sprachen erfolgte Ende Mai 2014. Übersetzungen in die jeweiligen Sprachen der Projektteilnehmer werden auf der ARCHES-Homepage zu finden sein. Diese Homepage dient auch als zukunftsorientierte Plattform für Erneuerungen und Ergänzungen der ARCHES-Leitlinien. Sie bietet Raum für Foren und Diskussionsbeiträge zum Thema archäologischer Archivierung. Die Einrichtung einer leicht zugänglichen Homepage soll die Nachhaltigkeit des Projekts garantieren. Die Publikation der Kernstandards und Anwendungsleitlinien ist ein wichtiger Meilenstein, da es die erste gezielte internationale Initiative und Publikation sein wird, die sich allein mit archäologischer Archivierung und archäologischen Archiven befasst.

 

Zur ARCHES-Homepage

Zur Pressemitteilung zum Abschluss des Projekts

 

Die deutsche und die englische Ausgabe des ARCHES-Handbuches können Sie unter den nachfolgenden Links abrufen. Die Dateigröße ist hier auf um die 5 MB reduziert, wordurch ein schneller Download gewährleistet wird. Die Handbücher in Druckqualität finden Sie auf der ARCHES-Homepage.

 

Archäologische Archivierung in Europa: Ein Handbuch [4,6 MB]

A standard and guide to best practice for archaeological archiving in europe [4,4 MB]

Ansprechpartner

David Bibby
Landesamt für Denkmalpflege
Berliner Straße 12
Esslingen am Neckar, 1, 73728 84.1
+49 (0711) 90 44 51 21