Denkmale

Landesweites Projekt „Archäologie – Landwirtschaft – Forstwirtschaft“

Der Verlust von archäologischen Denkmalen in der Kulturlandschaft

Mit etwa 60.000 Bodendenkmalen besitzt das Land Baden-Württemberg ein reiches archäologisches Erbe. Viele dieser Kulturdenkmale liegen in land- und forstwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten, die bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit zu den bevorzugten Siedlungsregionen des Menschen zählten.

Die konventionelle Bewirtschaftung von Denkmalflächen führt jedoch zu einer allmählichen und endgültigen Zerstörung des Archivs unserer Kulturgeschichte im Boden. Das intensive Bewirtschaften durch Tiefpflügen und Düngemittel, Drainage- und Wegebaumaßnahmen sowie der Einsatz großer Maschinen gefährden die archäologische Substanz sowohl im Ackerland als auch in Waldgebieten. Gleichzeitig haben auch Landwirte zunehmend mit dem Verlust ertragreichen Bodens in Folge von Erosion zu kämpfen.

 

 

Foto: I. Kretschmer
Verlust der archäologischen Substanz am keltischen Oppidum Burgstall (Finsterlohr, Main-Tauber-Kreis).
Luftbild: O. Braasch
Je deutlicher ein Bodendenkmal im Luftbild zu erkennen ist, desto stärker liegt es im Pflughorizont und ist in seiner Substanz gefährdet (Klosteranlage Anhausen bei Satteldorf, Ldkr. Schwäbisch Hall).
Foto: I. Kretschmer
Die Ackerflächen am Baisinger Bühl (Rottenburg am Neckar, Ldkr. Tübingen) schneiden in den Fuß des keltischen Großgrabhügels ein.

Schutzmaßnahmen und Problemlösungsstrategien

Eine ressortübergreifende Arbeitsgemeinschaft zum Thema „Archäologische Kulturdenkmale in land- und forstwirtschaftlich bewirtschafteten Gebieten“ erarbeitet unter Beteiligung der verschiedenen Fachbereiche von Denkmalpflege, Land- und Forstwirtschaft, Flurneuordnung, Natur- und Bodenschutz gemeinsame Schutzstrategien, um das archäologische Kulturgut zu bewahren und die Belange der beteiligten Bewirtschafter und Eigentümer zu berücksichtigen.

So können Lageinformationen zu archäologischen Denkmalen Flächennutzer in die Lage versetzen, die betroffenen Areale denkmalschonend zu bewirtschaften. Besonderen Schutz bieten die dauerhafte Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Nutzflächen als Grünland oder der Einsatz von Methoden der konservierenden Bodenbearbeitung.

Die Interessen von Denkmalpflege, Natur- und Bodenschutz können sich auch gegenseitig unterstützen. Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen, die bei baulichen Eingriffen in der Landschaft erforderlich sind, können bei Eignung auch Denkmalflächen mit einbeziehen.

Durch die Schulung von Forstmitarbeitern und die Aufnahme von Denkmalflächen in die digitale Waldfunktionenkartierung der Forstverwaltung werden Denkmale in bewaldeten Gebieten zukünftig besser erkannt und bei der Waldbewirtschaftung berücksichtigt.

 

 

Foto: G. Wieland
Denkmalverträgliche Forstwirtschaft am Heiligenberg (Heidelberg), Beschilderungen informieren über prähistorische Denkmale im Boden.
Foto: I. Kretschmer
Schulung zu archäologischen Denkmalen in forstwirtschaftlich genutzten Gebieten im Landkreis Calw.
Luftbild: O. Braasch
Luftbilder ermöglichen es, archäologische Strukturen im Boden zu erkennen, die oberirdisch nicht mehr sichtbar sind (Marienkirche bei Wilferdingen, Enzkreis).

Weitere Informationen

Die Informationsbroschüre „Archäologie - Landwirtschaft - Forstwirtschaft: Wege zur integrativen Nutzung von Bodendenkmalen in der Kulturlandschaft“ kann kostenfrei über das Landesamt für Denkmalpflege bestellt werden und steht als PDF-Datei zum freien Download zur Verfügung.

Die gleichnamige Wanderausstellung führt, wie die Infobroschüre, in die Thematik ein und stellt die verschiedenen Schutzmaßnahmen vor. Zusätzlich informiert sie mit zahlreichen archäologischen Fallbeispielen aus allen Regionen Baden-Württembergs über Denkmale in land- und forstwirtschaftlich genutzten Gebieten.

 

Broschüre Archäologie - Landwirtschaft - Forstwirtschaft [PDF 5,4 MB]

Zu den Seiten der Wanderausstellung Archäologie - Landwirtschaft - Forstwirtschaft

Veranstaltungs- und Fortbildungsprogramm

Aktuell werden Fortbildungen zum Thema „Archäologische Denkmalpflege im Wald - Forstwirtschaftliche Praxis und Möglichkeiten" über das Forstliche Bildungszentrum Karlsruhe angeboten. Die Termine können Sie dem Veranstaltungskalender entnehmen. Gleiches gilt für die aktuellen Stationen der Wanderausstellung.

 

 

Ansprechpartnerin

Manuela Fischer
Landesamt für Denkmalpflege
Berliner Straße 12
73728 Esslingen am Neckar
manuela.fischer(at)rps.bwl.de
+49 (0711) 90 44 52 22