Denkmale

Die römische Stadt von Neuenstadt am Kocher

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Infos zum 3D-Modell

  • Objekt: Apollo Grannus Tempel von Neuenstadt am Kocher (ohne Nebengebäude)
  • Dreidimensionale Vermessung: Riegl VZ-400 Laserscanner
  • Geometrie des 3D-Modells: ca. 700.000 Dreiecke und ca. 530.000 Punkte
  • Downloadgröße des 3D-Modells: ca. 100 MB

Das Objekt

Eine der herausragenden Entdeckungen der baden-württembergischen Archäologie der letzten Jahre ist eine römische Stadt mit einer zentralen Tempelanlage in Neuenstadt am Kocher. Der Ort wurde ca. 160 n. Chr. gegründet und erstreckt sich auf einer Fläche von über 25 ha. Mit ihrer Lage am Kocher, zwischen den römischen Siedlungen und Kastellen von Wimpfen und Öhringen, sowie durch die Anbindung an einen Fernhandelsweg vom Rheintal in Richtung Franken, befindet sich die Siedlung an einem überegional bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Gleichzeitig war sie das politische und wirtschafliche Zentrum einer zivilen Verwaltungseinheit (civitas), die von Kaiser Marcus Aurelius in den neu besetzten Gebieten zwischen Neckar und der nach Osten verlagerten Limesgrenze gegründet wurde. Zunehmende Germaneneinfälle und die Aufgabe des Limes im 3. Jahrhundert besiegelten schließlich das Ende der römischen Siedlung in Neuenstadt.

Eine antike Stadt mit heiligem Bezirk

Archäologische Ausgrabungen der letzten Jahre erbrachten herausragende römische Befunde und führen die beeindruckende antike Stadtanlage vor Augen. Der Ort erstreckte sich auf mehreren Ebenen vom Kocher bis auf die nördlich gelegenen Flussterrassen, wobei sich an topographisch markanten Punkten repräsentative und öffentliche Gebäude fanden. Neben einem Verwaltungspalast und Thermenanlagen gab es am höchsten Punkt der ausgegrabenen Areale ein herrschaftliches Anwesen. Ein ganz besonderes und zudem im Zentrum der Stadtanlage gelegenes Objekt ist ein abgegrenzter heiliger Bezirk mit einem Tempel des Apollo Grannus, dem gallorömischen Heilgott.

 

 

Der Apollo Grannus Tempel

Den Nachweis, dass es sich bei der Tempelanlage um einen Tempel des römischen Heilgottes Apollo Grannus handelt, erbrachten Fragmente von Weihestatuen, die im Tempelschutt gefunden wurden, sowie ein bereits im 17. Jahrhundert entdeckter Weihestein, den ein Ratsmitglied der civitas für die Genesung seines Sohnes dem Heilgott gestiftet hatte. Der Tempel konnte in den letzten Jahren komplett freigelegt werden. Er bestand aus einem rechteckigen Umgangstempel mit Vorraum. Im Innersten befand sich der Standort des Kultbildes, erkenntlich an einem gebogenen Podest. Im Osten schloss sich ein Nebengebäude an, das über einen Gang mit dem Tempel verbunden war. Zwischen Tempel und Nebengebäuden konnte ein Brandopferplatz lokalisiert werden. Vor dem Tempel erstreckte sich eine Terrasse sowie – am Fuße des Heiligtums– zwei sechseckige aus Sandstein gemauerte Becken in einem offenen Hof. Diese nahmen aus dem unter der Tempelanlage anstehenden Fels austretendes Hangschichtwasser auf und können als die heiligen Quellen des Tempels angesehen werden.

 

 

Weiterführende Literatur

  • K. Kortüm 2014, Topograhie und Stadtenwicklung von Neuenstadt am Kocher. In: Ein Traum von Rom: Stadtleben im römischen Deutschland (Theiss, Darmstadt), 118-133.
  • K. Kortüm 2014, Finale in Neuenstadt – Abschluss der Ausgrabungen im Apollo-Grannus-Tempel. Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2013 (Theiss, Stuttgart), 164-168.
  • K. Kortüm 2013, Neuenstadt am Kocher – geplante Zentralsiedlung des Neckarvorlandes? In: A. Heising (Hrsg.), Neue Forschungen zu zivilen Kleinsiedlungen (vici) in den römischen Nordwestprovinzen (Habelt, Bonn), 151-166.
  • K. Kortüm 2011, Heilige Quellen des Apoll. Archäologie in Deutschland 3, 2011, 6–11.