Denkmale

Die Höhlen der ältesten Eiszeitkunst

Die Objekte

Höhlenfundstellen der Schwäbischen Alb spielen eine herausragende Rolle in der frühen Menschheitsgeschichte. Durch zahlreiche archäologische Ausgrabungen seit mehr als 100 Jahren wurden hier die weltweit ältesten Belege mobiler figürlicher Kunst entdeckt. Zudem fanden Archäologen die ältesten direkten Nachweise für Musik. Bislang sind über 50 figürliche Kunstobjekte und acht Flöten bekannt, die meist aus Elfenbein, aber auch aus Knochen gearbeitet worden sind. Die Fundschichten, aus denen diese Funde stammen, konnten auf ein Alter von 35.000 bis 43.000 Jahre vor heute datiert werden. Sie gehören in die Zeit, in der der moderne Mensch (homo sapiens) Europa besiedelte und schließlich den Neanderthaler verdrängte.

 

 

Jäger und Sammler ... Künstler und Musiker

Kunst und Musik waren offensichtlich ein wichtiger Bestandteil des Alltags der frühen modernen Menschen auf der Schwäbischen Alb. Die Funde geben interessante Einblicke in Lebensbereiche der prähistorischen Jäger und Sammler neben dem täglichen Kampf ums Überleben in einer eiszeitlichen Umwelt. Durch fortlaufende Forschungsarbeiten wurde bekannt, dass nicht nur eiszeitliche Großtiere - also die typische Jagdbeute der Menschen - sondern auch kleine Tiere wie ein Fisch, ein Wasservogel und vielleicht auch ein Igel abgebildet wurden. Hinzu kommen die Darstellungen von menschlichen Figuren und von Mischwesen. Von ganz besonderer Bedeutung sind die Venus vom Hohle Fels und der Löwenmensch aus dem Hohlenstein Stadel. Ebenso beachtenswert sind das Relief einer menschlichen Figur aus dem Geißenklösterle sowie anthropomorphe Figuren aus dem Vogelherd und dem Hohle Fels.

 

 

Schmuckateliers der Eiszeit

Auch Schmuckgegenstände wie Perlen und Anhänger aus Tierzähnen sind in den Höhlen gefunden worden. Werkabfälle aus den unterschiedlichen Stadien der Herstellung belegen, dass Schmuck in den Höhlen der ältesten Eiszeitkunst nicht nur verworfen oder verloren, sondern auch gefertigt worden ist. Die verschiedenen Schmuckgegenstände könnten Teile von Arm- oder Fußreifen, von Halsketten oder Haarbändern oder gar aufgenähte Verzierungen der Kleidung gewesen sein.

 

 

Eiszeitliche Konzerthallen?

Aus dem Hohle Fels, dem Geißenklösterle und dem Vogelherd stammen neben figürlicher Kunst und Schmuck auch Fragmente von Flöten. Die drei vollständigsten Stücke kommen aus dem Hohle Fels und dem Geißenklösterle. Sie sind zwischen 12 und 22 cm lang. Dass es sich tatsächlich um Flöten handelt, mit denen man auch musizieren konnte, zeigten experimentelle Nachbauten. Die Flöten sind sowohl aus Vogelknochen als auch aus Mammutelfenbein gefertigt.

 

Auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe

Aufgrund der besonderen Funde wird für sechs Höhlenfundstellen ein Antrag auf Einschreibung in die UNESCO-Welterbeliste gestellt. Dazu gehören das Geißenklösterle, die Sirgensteinhöhle und der Hohle Fels im Achtal sowie die Vogelherdhöhle, die Hohlenstein Stadelhöhle und die Bocksteinhöhle im Lonetal.
 

Weitere Informationen zum Welterbeantrag gibt es hier.

 

 

Dreidimensionale Vermessung

Seit 2013 werden Höhlenfundstellen der Schwäbischen Alb vom Landesamt für Denkmalpflege unter Einsatz eines Laserscanners dreidimensional vermessen. Zusätzlich werden auch möglichst viele der mobilen Kunstobjekte dreidimensional erfasst, vor allem mit einem Streifenlichtscanner und mittels der SfM-Methode.

 

 

Verfügbare 3D-Modelle von Höhlen

 

 

  • Die Höhlen im Hohlenstein im Lonetal

 

 

  • Der Hohle Fels im Achtal

 

 

  • Der Sirgenstein im Achtal

 

 

  • Der Vogelherd im Lonetal

 

 

Hier geht es zu den 3D-Modellen.

 

 

Weiterführende Literatur

  • Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Abt. Ältere Urgeschichte und Quatärökologie der Eberhard Karls Universität Tübingen (Hrsg.) 2009, Eiszeit. Kunst und Kultur. Begleitband zur Großen Landesausstellung (Thorbecke, Ostfildern).
  • Th. Beutelspacher et al. 2014, Die Rückkehr des Löwenmenschen. Archäologie in Deutschland 2/2014, 8­–13­­­­­­­­.
  • N.-J. Conard et al., Eiszeitarchäologie auf der Schwäbischen Alb. Die Fundstellen im Ach- und Lonetal und in ihrer Umgebung (Kerns, Tübingen).
  • C.-J. Kind 2011, Löwenmensch, Mammut und eine Frau. Die älteste Kunst der Menschheit auf der Schwäbischen Alb und die Nachgrabungen am Hohlenstein im Lonetal. Denkmalpflege in Baden-Württemberg - Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege 40-1/2011, 3–8. pdf
  • Ulmer Museum (Hrsg.) 2013, Die Rückkehr des Löwenmenschen. Geschichte Mythos Magie (Thorbecke, Ostfildern).