Denkmale

Ehemaliges Pfarrhaus in Immendingen-Ippingen

Abbruch verhindert

Keine Verwendung mehr für das Pfarrhaus

1999 wurde in Immendingen-Ippingen über den Abbruch des ehemaligen Pfarrhauses diskutiert. Nach dem Auszug des letzten Pfarrers zwei Jahre zuvor hatte die Kirchengemeinde keine Verwendung mehr für das große Gebäude und sah sich außerstande, es instand zu halten. Das ehemalige Landesdenkmalamt lehnte den Abbruch ab und regte die Kirchengemeinde zu Erhalt und Umnutzung an. Ein Umbau des Kulturdenkmals mit Ausbau des Dachgeschosses wurde 2001 aus finanziellen Gründen verworfen. Wieder war es die Denkmalpflege, die dazu ermunterte einen neuen Versuch für eine Umnutzung anzugehen. Im Juli 2007 konnte das zum Gemeindezentrum umgenutzte Haus eröffnet werden.

 

Straßenfassade vor der Sanierung.
Straßenfassade vor der Sanierung.
Straßenfassade nach der Sanierung.
Straßenfassade nach der Sanierung.

Ungewöhnlich vollständige Erhaltung von Außenbau, Grundriss und Ausstattung

Das ehemalige Pfarrhaus in Immendingen-Ippingen aus dem Jahr 1721 ist ein für die Region typisches so genanntes „quergeteiltes Einhaus”. Es wird von der Traufseite erschlossen und vereint Wohnung, Stall und Scheuer unter einem Dach. Das Gebäude besteht aus einem massiven Erdgeschoss, einem Fachwerkobergeschoss und einem dreigeschossigen, stehenden Dachstuhl. Es wurde zur Bauzeit aufwendig ausgestattet und später nur sehr zurückhaltend und ebenfalls sehr qualitätvoll modernisiert. Die ungewöhnlich vollständige Erhaltung von Außenbau, Grundrissstruktur und Ausstattung machen es zu einem erhaltenswerten Denkmal. Putz, Fenster und Läden mit Ornamentik stammen teils aus der Bauzeit, teils aus dem 19. Jahrhundert. Fußböden, Lamberien, Türen, Wandschränke, Stuck und Treppen sind hauptsächlich von 1721 überliefert.

 

Bauzeitlicher Fensterladen mit Schablonenmalerei.
Bauzeitlicher Fensterladen mit Schablonenmalerei.
Die Stube mit Ausstattung von 1721 wurde Gedächtnisraum für Pfarrer Keller.
Die Stube mit Ausstattung von 1721 wurde Gedächtnisraum für Pfarrer Keller.

Tragbares Instandsetzungskonzept

Nachdem die Überlegungen zum Abbruch des Hauses und zu den nicht finanzierbaren Umbauplänen verworfen waren, wurde schließlich 2001 gemeinsam mit der Kirchengemeinde ein reduziertes Instandsetzungskonzept entwickelt: Die Scheune sollte Versammlungsraum werden, der Stall Erschließung, Garderobe und Küche aufnehmen. Im Obergeschoss waren Gruppen- und Gedächtnisräume vorgesehen. Dabei beschränkten sich die Veränderungen der historischen Grundrissstruktur auf ein absolutes Minimum. Denkmalpflegerisches Ziel bei der Instandsetzungsmaßnahme war es stets, in den reichen historischen Bestand so wenig wie möglich einzugreifen, das Kulturdenkmal einer Nutzung zuzuführen und es so unverfälscht wie möglich weiter zu überliefern.

 

 

Geduld und guter Wille führten zum Erfolg

Nach einigen Jahren gelang es, die Finanzierung durch die Denkmalstiftung Baden-Württemberg, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bonn, durch Denkmalmittel des Landes und Finanzmittel des erzbischöflichen Ordinariates zu sichern. In den Jahren 2005 bis 2007 erfolgte dann die behutsame Sanierung des ehemaligen Ippinger Pfarrhauses. Aus Sicht der Denkmalpflege handelt es sich um einen Glücksfall: Ein qualitätvolles und ausgesprochen authentisches Kulturdenkmal des frühen 18. Jahrhunderts konnte dank des zurückhaltenden Nutzungskonzeptes mit minimalen Eingriffen äußerst behutsam instandgesetzt und der Nachwelt weitgehend unverändert erhalten werden.

Die Geschichte der Instandsetzung und Umnutzung des Pfarrhauses zum Gemeindezentrum zeigt, dass eine solche Lösung Zeit braucht. Nahezu zehn Jahre sind vergangen, bevor aus Ratlosigkeit, scheinbarer „Nutzlosigkeit” des Baus, Abbruchüberlegungen, unrealistischen Nutzungsvarianten, aussichtslosen Finanzierungsproblemen sowie vielen Beratungen vor und während der Restaurierungsmaßnahmen ein neuer Mittelpunkt für die Kirchengemeinde entstehen konnte, auf den alle Beteiligten zurecht stolz sein können.