Denkmale

Ehemaliges Krematorium in Tuttlingen

 

Umnutzung gelungen - Krematorium wurde Bürgerzentrum

Über Jahrzehnte stand das ehemalige Krematorium in Tuttlingen, ein ungewöhnliches Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, leer. Wiederholt war es vom Abbruch bedroht. Nun ist es einer engagierten Gruppe Tuttlinger Bürger unter maßgeblicher Beteiligung der Landesdenkmalpflege gelungen, das Krematorium zu sanieren und einer öffentlichen Nutzung zuzuführen. Die Mitglieder des mittlerweile preisgekrönten Fördervereins haben bewiesen, dass auch ein Krematorium einer anderen Nutzung zugeführt werden kann. Erste Ausstellungen und Konzerte fanden bereits parallel zu den Sanierungsarbeiten seit 2004 unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Seit der Einweihung am 6. Oktober 2007 dient das ehemalige Krematorium ganz offiziell als Bürgerzentrum für verschiedene kulturelle Veranstaltungen.

Außenaufnahme vor Restaurierung der Fenster, 2005
Außenaufnahme vor Restaurierung der Fenster, 2005
Aussegnungshalle mit Blick zur Orgelempore, 2004
Aussegnungshalle mit Blick zur Orgelempore, 2004

Das Gebäude

Der Kuppelbau mit niedrigen, schlossähnlichen Seitenflügeln wurde als eine der ersten Feuerbestattungseinrichtungen Deutschlands 1926/27 errichtet. Das repräsentative Gebäude kombiniert Stilelemente des neuen Bauens mit denen des Neobarock, Jugendstil und Art Deco. Beinahe unverändert sind sein Äußeres (mit farbigen Bleiglasfenstern und eingefärbtem Putz), seine Grundrissdisposition und seine komplette Ausstattung (Türen, Lampen, Orgel, Fußböden, Farbfassungen und Technik) erhalten.

 

 

Die Sanierung

Im Zuge der Sanierung wurden grundlegende Sicherungs- und Reparaturarbeiten durchgeführt. Die wegen Vandalismus verbretterten farbigen Bleiglasfenster wurden saniert und erhielten eine Schutzverglasung. Die Holztüren und Fußböden sowie die Orgel wurden restauriert, Heizung und Elektrik modernisiert. Es folgten die Sicherung der Raumfassung in der Aussegnungshalle und ihre Wiederaufbringung entsprechend historischem Befund. Weitere Maßnahmen zielten auf die Bekämpfung der Feuchteproblematik im Untergeschoss. Die Landesdenkmalpflege begleitete die umsichtigen, Substanz schonenden Instandsetzungsarbeiten über mehrere Jahre durch kontinuierliche konservatorische Beratungen. Zur Finanzierung standen großzügige private Spenden, Denkmalfördermittel des Landes, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zur Verfügung.

 

Künstlerische Aktionen im umgenutzten Krematorium
Künstlerische Aktionen im umgenutzten Krematorium
Glasfenster der Aussegnungshalle vor der Restaurierung, 2005
Glasfenster der Aussegnungshalle vor der Restaurierung, 2005

Vorbildliches bürgerschaftliches Engagement und vorbildliche Zusammenarbeit aller Beteiligten

Das Projekt besitzt Beispielcharakter weit über die Region hinaus, sowohl aufgrund des starken bürgerschaftlichen Engagements als auch aufgrund der konstruktiven Zusammenarbeit aller Beteiligten: Bürgerschaft, Stadt als Eigentümerin, Handwerker, Fachfirmen und Landesdenkmalpflege. Dank ungewöhnlicher Ideen und überdurchschnittlichem Einsatz der Tuttlinger Bevölkerung konnte auf diese Weise ein ungewöhnliches Kulturdenkmal gesichert, der Nachwelt überliefert und einer denkmalgerechten Nutzung zugeführt werden. Ein scheinbar hoffnungsloser Fall hat sich zum kulturellen Anziehungspunkt der Region entwickelt.