Denkmale

Die ehemalige Brauerei Kaufmann in Boxberg-Schwabhausen

Lebendiges Dokument der Bierproduktion trotz Umnutzung

Die ehemalige Brauerei Kaufmann steht auf einer Anhöhe am Westrand von Schwabhausen, einem Ortsteil der Stadt Boxberg im Main-Tauber-Kreis. Die Anlage samt Direktorenvilla ist nahezu vollständig erhalten. Die ehemalige Zweckbestimmung der Brauerei ist noch heute erlebbar - auch wenn hier schon lange kein Bier mehr gebraut wird.

Werbebild mit der Gesamtanlage der Brauerei.
Der Brauereikomplex auf einer Werbetafel.

Eine malerische Landbrauerei

Die Wetterfahne auf dem Dach der Brauerei gibt einen deutlichen Hinweis auf das Baujahr der Anlage: Die Brauerei-Ingenieure Haegele & Mayer aus Ulm erbauten sie 1903 im Auftrag des Unternehmers Ludwig Kaufmann. Bei der Brauerei handelt es sich um einen bis zu dreigeschossigen Komplex von Bauten aus gelbem Backstein mit Gliederungen aus rotem Ziegel und rotem Sandstein.

 

Bei der Gestaltung des gekoppelten Staffelgiebels mit Zinnen und reicher Gliederung griffen die Ingenieure auf die Formensprache der Renaissance zurück. Die Traufseiten hingegen sind zum Teil als dekoratives Sichtfachwerk ausgebildet. Die Direktorenvilla entstand ab 1907 in unmittelbarer Nähe zu den Brauereigebäuden und ist als gelber Backsteinbau mit Walmdach und einer Fachwerkveranda ausgeführt. Charakteristisch ist der Eckturm mit seiner Zwiebelhaube.

Wetterfahne mit Angabe des Baujahres der Brauerei.
Wetterfahne mit Angabe des Baujahres der Brauerei.
Gekoppelte Staffelgiebel mit Zinnen und reicher Gliederung.
Gekoppelte Staffelgiebel mit Zinnen und reicher Gliederung.
Wetterfahne mit Angabe des Baujahres der Brauerei.
Wetterfahne mit Angabe des Baujahres der Brauerei.

Zwischennutzung

Ein Jahr nach dem Tod des Bauherrn im Jahr 1932 ging die Brauerei in Konkurs. Die Gerätschaften und Braukessel übernahm eine andere Brauerei. Die ausgeräumten Gebäude dienten anschließend verschiedenen Zwecken. Die zwischenzeitlichen Nutzer veränderten dabei kaum etwas an der Architektur. 1979/80 wurde die ehemalige Brauerei Kaufmann als anschauliches Dokument einer Landbrauerei in die Liste der Kulturdenkmale aufgenommen.

Umnutzungskonzeption

Direktorenvilla von 1907.
Direktorenvilla von 1907 mit Ecktürmchen und Fachwerkveranda.

1999 kaufte ein Unternehmer den Brauereikomplex, um ihn als Fertigungshalle und Lager für Reinigungsmittel zu nutzen. Er selbst zog in die ehemalige Direktorenvilla ein. Das Nutzungskonzept war so ausgelegt, dass Eingriffe in das Erscheinungsbild und die Großräumigkeit der Brauereigebäude nicht notwendig wurden. Der neue Eigentümer ließ die Brauerei nach und nach instand setzen, finanziell unterstützt durch Denkmalmittel des Landes Baden-Württemberg. Um weitere Schäden an der Bausubstanz zu vermeiden, erfolgte 2006 die Neueindeckung der Dächer der Brauereigebäude und zwar wieder mit roten Doppelmuldenfalzziegeln. Zahlreiche bauzeitliche Fenster konnten mittlerweile durch eine Fachfirma repariert werden. Fehlende oder abgängige Fenster sind durch denkmalgerechte Nachbildungen aus Holz ersetzt. Für den ständigen Bauunterhalt des Brauereikomplexes und kleinere Instandsetzungsarbeiten ist eigens eine Fachkraft eingestellt.

 

Luftbilder des Brauereikomplexes nach der Sanierung.
Luftbild des Brauereikomplexes nach der Sanierung.

Kur gelungen - Patient wohlauf

Bei der ehemaligen Brauerei Schwabhausen ist in seltener Weise eine Umnutzung gelungen, bei der das ungewöhnlich große Bauvolumen weder in kleine Einheiten aufgeteilt, noch die landschaftliche Einbettung durch eine bauliche Verdichtung verunklärt worden sind. Nach erfolgreicher Instandsetzung ist somit die einzige denkmalgeschützte Brauerei im Main-Tauber-Kreis für die nächste Generation anschaulich bewahrt. Auch wenn heute Reinigungsmittel den alten Industriekomplex als Produkt verlassen, bleibt die Brauerei ein lebendiges Dokument der Bierproduktion auf dem Lande.