Denkmale

„Alte Schule“ in Mannheim-Seckenheim

Rettung und gelungene Umnutzung eines Baudenkmals

Das Gebäude

Im Jahr 1887 errichtete die damals noch eigenständige Gemeinde Seckenheim die sogenannte „Alte Schule“ als paritätische (=ökumenische) Kleinkinderschule. Nach 1900 führte man eine Aufstockung des zunächst nur eingeschossigen Gebäudes durch, um 1920 folgte der Dachgeschossausbau mit großzügigem Zwerchhaus. Nach Auflösung der Kleinkinderschule diente das Bauwerk immer wieder Klassen der Seckenheimer Schule als Ausweichquartier, bis es schließlich zum Wohnhaus umgebaut wurde. Es folgte der Verkauf und das Gebäude stand über 30 Jahre lang leer. Das Gebäude war zwischenzeitlich bereits zum Abbruch vorgesehen und verfiel zusehends. Ein dichter Fassadenbewuchs gab dem Objekt zwar ein romantisches Aussehen, der bauliche Zustand jedoch war desolat, vor allem im Bereich des rückwärtigen Treppenhausrisalits.

Straßenfassade vor...
Straßenfassade vor...
...und nach der Sanierung.
...und nach der Sanierung.

Denkmalwert

Die „Alte Schule“ hat einen wichtigen heimatgeschichtlichen sowie einen herausragenden sozialgeschichtlichen Wert als Kleinkinderschule, einem Vorläufer heutiger Kindergärten. Das Gebäude dokumentiert außerdem einen im 19. Jahrhundert verbreiteten Schulhaustyp mit mittigem Flur und anschließendem Treppenhaus. Aufgrund des langen Leerstandes waren sämtliche Details des historischen Innenausbaus unverändert und konnten in seltener Vollständigkeit erhalten werden.

Treppenhaus des Gebäudes vor...
Treppenhaus des Gebäudes vor...
...und nach der Sanierung.
...und nach der Sanierung.

Sanierung und Umnutzung

2009 erwarb ein denkmalbegeisterter Architekt die akut vom Abbruch bedrohte „Alte Schule“ mit dem Ziel, das Objekt zu erhalten und umzunutzen. Die Maßnahmen konnten im Herbst 2010 begonnen und im Sommer 2011 erfolgreich abgeschlossen werden. Unter Erhalt der zwar nicht ursprünglichen, jedoch wohl kurz nach 1900 entstandenen Trennwände in den früheren Schulsälen entstanden im Erdgeschoss zwei Einheiten, in denen heute ein Architekturbüro untergebracht ist. Die beiden Wohnungen im Obergeschoss konnten im Bestand renoviert und im Dachgeschoss eine neue große Einheit geschaffen werden. Auch die Nebenräume im Treppenhaus hat man erhalten. Das futuristische Design der neuen Sanitäranlagen in den alten WC-Räumen überzeugt ebenso wie die Aufarbeitung sämtlicher historischer Fußböden, Innentüren, Brüstungstäfelungen und der großzügigen bauzeitlichen Haustür. Die beiden Balkonanlagen auf der Hofseite sind der zeitgemäßen Wohnnutzung geschuldet und sind daher als bewusst moderne Hinzufügung frei vor der Fassade errichtet. Der stark durchfeuchtete Teilkeller erfuhr eine wirksame Trockenlegung. Die auf Grund ihres Zustandes nicht erhaltungsfähigen Fenster konnten detailgetreu nachgebaut werden.

Innenraum vor der Sanierung.
Innenraum vor der Sanierung.
Raum im Obergeschoss nach der Sanierung.
Raum im Obergeschoss nach der Sanierung.

Denkmalpflegerische Bedeutung der Maßnahme

Durch die Maßnahmen wurde ein beachtliches und aufgrund seiner langen Nutzung für schulische Zwecke in Seckenheim sehr populäres Baudenkmal erhalten, das kurz vor dem kompletten Verlust stand. Die Rettung der „Alten Schule“ wäre nicht ohne das besondere Engagement des neuen Eigentümers und dessen hervorragende Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden zustande gekommen. Auf Grund der Wertigkeit der Maßnahmen und der denkmalpflegerischen Bedeutung des Objekts erfolgte nicht nur eine Förderung aus Denkmalmitteln des Landes Baden-Württemberg, sondern auch durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.