Denkmale

Spuren des Ersten Weltkriegs im Denkmalbestand von Baden-Württemberg

Im Sommer 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Dieser Krieg hat auch im Bestand der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg seine Spuren hinterlassen. So existieren viele Kulturdenkmale, die in Zusammenhang mit den Geschehnissen neu entstanden sind oder durch diesen in ihrer Struktur verändert wurden.

Militärische Infrastruktur

Während des Ersten Weltkriegs fand eine erhebliche Erweiterung der militärischen Infrastruktur in Baden-Württemberg statt. Kasernen, Befestigungs- und Übungsanlagen, Lazarette und Krankenhäuser entstanden bzw. wurden weiter ausgebaut. Bahnhöfe, die als Ausgangspunkte oder Zwischenstationen von Aufmarsch- und Nachschubwegen an die Front dienten, wertete man durch die Ausstattung mit Küchen und Unterkünften zu Versorgungsstationen auf. Außerdem wurden bestehende Bauten für militärische Zwecke umgenutzt (z.B. Nutzung der Goethe-Schule in Karlsruhe als Kaserne oder Einrichtung eines Reservelazarettes in der Klosteranlage von Neresheim).

Rüstungsindustrie

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs stockten zahlreiche Firmen ihre Rüstungsproduktion auf beziehungsweise stellten ihren Betrieb auf die Produktion von Rüstungsgütern um. Zu den bekanntesten Firmen gehören in Baden-Württemberg die Motorenwerke Daimler, die Luftschiffbau Zeppelin GmbH, die Waffenfabrik Mauser und die Pulverfabrik Rottweil. Der stark gestiegene Rohstoffbedarf dieser Firmen führte zusammen mit der alliierten Zufuhrblockade unter anderem zu einer Verknappung von Metallen. Um den Nachschub für die kriegswichtige Produktion zu gewährleisten, fanden nicht nur Beschlagnahmen sondern auch Sondersammlungen statt, an denen die Bevölkerung Rohstoffe spenden konnte. Auch Kulturdenkmale dienten als Rohstofflieferanten: In vielen Kirchen erfolgte die Demontage der Glocken und an historischen Gebäuden die Entfernung der metallenen Dacheindeckung.

Öffentliches Leben

Parallel zum Ausbruch des Krieges setzte dessen mediale Rezeption ein. Zum einen rückte die öffentliche Informationsweitergabe seitens der Behörden in den Fokus. Mitunter mehrmals täglich wurden die neusten Entwicklungen der Kampfhandlungen und Verlustlisten an Amtsgebäuden, vor allem Rathäusern, angeschlagen. Dort bildeten sich sofort Trauben von Menschen, die keinen anderen Zugang zu Informationen hatten. An prominenten Stellen und symbolischen Orten im Stadtbild wurden seit 1914 patriotische Reden gehalten und Proklamationen verlesen. Aufgrund der Nahrungsmittelknappheit wandelte man ab 1916/17 städtische Parks und Plätze zu Anbauflächen für Nährpflanzen um. Gleichzeitig versorgten Suppenküchen in öffentlichen Gebäuden eine wachsende Zahl an Hungernden. Zur moralischen Mobilisierung der zunehmend kriegsmüden Bevölkerung stellte man unter anderem martialische Kriegerstatuen auf.

Kranken- und Invalidenfürsorge

Mit der anhaltenden Dauer der Kampfhandlungen stieg ab 1915 der Bettenbedarf in Krankenhäusern, Kuranstalten und Invalidenheimen. Aus diesem Grund wurden nicht nur neue Fürsorgeeinrichtungen gebaut, sondern auch die bestehenden konsequent Möglichkeiten genutzt. Ehemals noble Herbergen in touristischen Kurorten nahmen nun mitunter fast ausschließlich Verwundete auf (z.B. in Freudenstadt). Vor allem im Badischen entstanden in Frontnähe neue Behelfslazarette. Dort fanden hauptsächlich die Kriegsverletzten aus dem Südabschnitt der Westfront stationäre Unterbringung. Ab 1915 erfuhren dann auch repräsentative Anlagen wie Schlösser, Klöster, Bildungseinrichtungen, Sport- und Turnhallen sowie Amtsgebäude eine Umwidmung zu Krankenhäusern und Kureinrichtungen.

Erinnerungs- und Gedächtniskultur

Bereits während des Ersten Weltkrieges fand die Erinnerungskultur Niederschlag in der Benennung von Plätzen und Straßen, indem Helden der Kämpfe als Namenspaten ausgewählt wurden. Darüber hinaus wurden vor allem französisch klingende Bezeichnungen getilgt. Große Soldatenfriedhöfe mit individuellen Grabstellen entstanden nur während der Jahre 1914/15 im Hinterland der Fronten. Später konnten die Leichen und Leichenteile, wenn überhaupt, nur noch in Massen- oder Sammelgräbern beerdigt werden. Viele in Lazaretten, Kriegsgefangenenlagern oder bei Bombenangriffen Getötete, so in Freiburg, Karlsruhe und Ludwigshafen, fanden ihre letzte Ruhe auf den jeweils örtlichen Friedhöfen. Durch die Kanalisierung des Totengedächtnisses nach dem Ersten Weltkrieg richtete man auf Friedhöfen spezielle Bereiche zur symbolischen Beerdigung  der Gefallenen ein. Des Weiteren kam es im Nachgang des Ersten Weltkriegs zu einer Demokratisierung des Denkmals als symbolischem Ort für die Bevölkerung, indem Denkmäler von und für die Bevölkerung an nahezu jedem Ort aufgestellt wurden.