Unsere Schule- ein Kulturdenkmal! 125 Jahre Schlosswallschule Schorndorf

Anfang des Schuljahres erhielt eine Lehrerin der Schlosswallschule die Ausschreibungsunterlagen zu „Grundschüler erleben Denkmale“. Das am nächsten liegende Angebot befand sich in Weinstadt. Aber Sie bekam eine Idee: Warum nicht das eigene Schulgebäude thematisieren? Schließlich ist es ein Kulturdenkmal und sollte im kommenden Jahr auch noch Jubiläum feiern! Sie nahm Kontakt mit der Denkmalpflegepädagogik der Landesdenkmalpflege auf. Auch ein Experte war schnell gefunden: der für den Brandschutz zuständige Bauingenieur erklärte sich bereit, beide dritte Klassen der Schlosswallschule in die Geheimnisse ihres Schulgebäudes einzuweihen.

 

Zum Einstieg fanden fünf „Denkmal-Wochen“ statt. Die Kinder entdeckten im Raum Schorndorf Natur-, Kunst-, Garten- und bewegliche Denkmale. Danach wurde in weiteren drei Denkmal-Wochen der Begriff „DENK-MAL-AN“ in einen weiteren Begriff gefasst: eine „HILF-MAL“, eine „FLÜSTER-MAL“ und eine „GRÜß-MAL“-Woche untermauerten den Begriff. Die eigentliche Projektwoche fand dann unmittelbar vor dem 125-jährigen Schuljubiläum statt. Sie wurde vom Experten mit gestaltet und betreut. Zusammen mit ihm untersuchten die Kinder das Schulgebäude und bauten ein Modell davon. Die Denkmalschutz-Aspekte wurden konkret handelnd von den Kindern erarbeitet:

  • Die Stuckverzierungen der Decken wurden nachempfunden. Die Kinder stellten eigene Schablonen her und zogen mit diesen Gips auf Platten ab. Die so entstandenen Stuckstäbe wurden nach einer weiteren künstlerischen Gestaltung auf dem Schulfest ausgestellt.
  • Die Statik des Dachgebälkes der Schule wurde anhand selbst erstellter Zapfenverbindungen erlebt. Als drei Kinder auf nachgebauten Rechtecken standen, stellten sie fest, wie haltbar diese Verbindungen sind.
  • Außerdem baute der Experte mit den Kindern Fensterbögen aus Ziegeln, genau so wie sie im Schulgebäude verwendet worden waren.
  • Um den historischen Kontext nicht außer Acht zu lassen, entdeckten die Kinder die vergangenen 125 Jahre mit Hilfe einer Zeitkette. Hierfür sammelten sie Bilder, Fotos und selbst verfasste Texte und ordneten sie zu.
  • Die schulische Wirklichkeit erlebten die Kinder beim Besuch des Schulmuseums in Schwäbisch Gmünd. Dort bauten die Kinder eine Schiefertafel aus Holz nach und lernten dazu die Altdeutsche Schrift. Am Schulfest selbst konnten sie das schreiben mit einer Feder erkunden.

In der Projektwoche fanden täglich am Ende des Vormittags Reflexionen statt. Hier erklärten die Kinder ihre Eindrücke. Sie sicherten die neuen Erkenntnisse in einem Denkmalbuch, das in den Wochen zuvor entwickelt und als selbst gebundenes Buch gestaltet wurde.

 

Das persönliche Resumee der beiden Klassenlehrerinnen:

Der hohe organisatorische Aufwand zur Materialbeschaffung und Durchführung lohnte sich. Die Kinder ließen sich von Architektur und Bauwesen begeistern. Herr Rechert beeindruckte die Kinder durch sein großes Fachwissen und die Umsetzung bei den Zapfenverbindungen und dem Bogenbau. Diese konkrete Arbeit half den Kindern , ihr Verständnis von Bauen und Architektur zu erweitern beziehungsweise überhaupt erst zu entdecken. Nach eigenen Angaben der Kinder betrachten sie jetzt ihr Schulhaus mit anderen Augen. Insbesondere wurde ihnen bewusst, wie viele besondere Details in unserem Schulhaus zu finden sind: zum Beispiel die Blütenornamente am Treppengeländer. Wichtig war jedoch auch die historische Einordnung in die Zeit vor 125 Jahren. Die andere Schulwirklichkeit und auch das alltägliche Leben unterscheiden sich zu heute stark. In einer Reflexion stellten die Kinder fest, dass sie viel lieber heute leben. Es ist einfacher und sie dürfen wesentlich stärker Kind sein. Besonders stolz waren die Kinder, als sie an der 125-Jahr-Feier als Denkmalführer den Besuchern selbst von ihrem Projekt erzählen und erklären durften, was sie gelernt hatten.

 

Dauer der Aktion:

  • Vorbereitender Unterricht 4 Wochen
  • 1 Projektwoche
  • 1 Schulfesttag

 

Projektbeteiligte:

  • 60 Schülerinnen und Schüler der Klassen 3a und 3b, Schlosswallschule Schorndorf
  • Frau Klingmann und Frau Matutis, Lehrerinnen der Schlosswallschule Schorndorf
  • Herr Ingenieur Rechert
  • Frau Bauingenieurin Mayer
  • Frau Fetzer, Schulmuseum Schwäbisch-Gmünd
  • Großeltern und Eltern der Kinder