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Bericht über die Fachtagung „Erfassen – Erkennen – Erhalten“
25 Jahre Historische Ortsanalyse
10.10.11 Von: Regierungspräsidium Stuttgart, Pressestelle
Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart veranstaltete am 27. September 2011 das Fachkolloquium „Erfassen – Erkennen – Erhalten“ im Salemer Pfleghof in Esslingen a. N. Anlass war das 25-jährige Jubiläum des 1. Arbeitsheftes der Denkmalpflege in Baden-Württemberg mit dem Titel „Ortsanalyse“. Über Fragen der städtebaulichen Denkmalpflege, speziell den Einsatz der Historischen Ortsanalyse bei Stadtsanierungen und Dorferneuerungen, diskutierten die rund 80 Teilnehmer aus städtischen Planungsämtern, Denkmalbehörden, Architektur- und Stadtplanungsbüros, Sanierungsträgern und Universitäten. Die Historische Ortsanalyse erläutert die Entstehungsgeschichte und die historische Struktur eines Dorfes oder einer Stadt und macht auf ihre erhaltenswerten Bau- und Raumstrukturen aufmerksam. Sie ist damit ein wichtiger Teil von Sanierungsplanungen. Denn nur die historischen Werte, die erkannt und bekannt sind, können bei Stadterneuerungen und Dorfsanierungen auch sinnvoll erhalten und in die Zukunft fortgeschrieben werden.
Der erste Teil der Tagung widmete sich der Geschichte der Historischen Ortsanalyse als wichtigem Planungsbeitrag der städtebaulichen Denkmalpflege. Richard Strobel, einer der Autoren des 1986 erschienenen Arbeitsheftes „Ortsanalyse“, erinnerte an die Anfänge und die damaligen Beweggründe für die Veröffentlichung: „Wie alles begann“ lautete sein Vortrag, der von Wolfgang Thiem – städtebaulicher Denkmalpfleger im Regierungsbezirk Tübingen – unter dem Titel „Was bisher geschah“ fortgesetzt wurde: Er schilderte, wie sich dieses Fachplanungsinstrument im Beziehungsgeflecht zwischen Stadtsanierung und Denkmalpflege in Baden-Württemberg weiterentwickelt hat. „Ein Blick nach Bayern“ mit wertvollen Hinweisen auf die Planungspraxis im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurde vom dort zuständigen Denkmalpfleger Gerhard Ongyerth geworfen. Martin Hahn, städtebaulicher Denkmalpfleger im Regierungsbezirk Stuttgart, stellte die heute angewandte „Historische Ortsanalyse“ als Weiterentwicklung der damaligen Methodik vor und skizzierte Einsatzgebiete und Möglichkeiten. Markus Numberger, als freiberuflicher Gutachter mit der Erstellung Historischer Ortsanalysen bestens betraut, erläuterte dem Fachpublikum die einzelnen Arbeitsschritte der Ortsanalyse mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis.
Um die Praxis im Planungsalltag ging es auch am Nachmittag: Hier kamen die beim Planen und Bauen Beteiligten zu Wort. Barbara Neumann-Landwehr, Chefin des Planungsamts der Stadt Fellbach, berichtete von ihren Erfahrungen mit der Historischen Ortsanalyse, aber auch mit weiteren Planungsinstrumenten wie Gesamtanlagen- und Erhaltungssatzungen sowie Bebauungsplänen in historisch gewachsenen Orten wie Esslingen, aber auch im modern geprägten Fellbach. Peter Stolz, Architekt bei der LBBW Kommunalentwicklung in Heilbronn gab einen Einblick in die tägliche Praxis der Sanierungsgesellschaften im Land und würdigte den Nutzen, aber auch die Grenzen der Historischen Ortsanalyse für Sanierungsprojekte. Auch Wolfgang Schreiber, Inhaber des Planungsbüros schreiberplan in Nürtingen und zugleich Professor an der dortigen Hochschule, sprach von vielfachen Schwierigkeiten bei Sanierungsprojekten, von politischer Einflussname, von der von Investoren und dem Thema Bürgerbeteiligung. Nicht immer könnten – so sein Credo als Planer – die wertvollen Informationen einer Historischen Ortsanalyse im Planungsalltag auch umgesetzt werden. Zuletzt gaben Erik Roth, städtebaulicher Denkmalpfleger im Regierungsbezirk Freiburg und sein Stuttgarter Kollege Martin Hahn einen Einblick in Projekte der Vermittlung und zeigten auf, wie die Historische Ortsanalyse sowohl im Schul- als auch im Universitätsunterricht an die junge Generation weitergegeben werden kann.
Gertrud Clostermann, Referatsleiterin im Landesamt für Denkmalpflege und langjährige Begleiterin des Themas Stadtsanierung und Denkmalpflege, fasste Vorträge und Diskussionen des Fachkolloquiums zusammen und wagte einen Ausblick: „Einigkeit besteht bei allen Beteiligten darin, dass bei historisch wertvollen Dorf- und Stadtkernen die Ortsanalysen der Denkmalpflege Pflichtprogramm für eine erfolgreiche Sanierung sein müssen. Die notwendigen Anpassungen dieser Spezialgutachten an die Anforderungen unserer heutigen Zeiten sind vollzogen und damit ein attraktives Angebot an Sanierungsträger und Kommunen gegeben, das ge- und benutzt werden soll.“ Eine verstärkte Beteiligung der Öffentlichkeit als Desiderat werde Aufgabe für die Zukunft sein. Frau Clostermann resümierte schließlich, dass die Verantwortung für unser bauliches und städtebauliches Erbe nicht alleine die Denkmalpflege tragen könne. Auch Kommunen, Planer und Eigentümer müssten sich dieser Aufgabe stellen. Mit der Historischen Ortsanalyse könne aber erst die fachliche Basis dafür geschaffen werden.
Hinweis für die Pressevertreter
Für Rückfragen steht Ihnen als Ansprechpartner Dr. Clemens Homoth-Kuhs, Pressereferent, unter der Telefonnummer 0711/904-10002 gerne zur Verfügung.
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