Detail eines Beinkästchens aus einem alamannischen Gräberfeld

Archäologische Restaurierung

Werkstätten und Fundarchiv
Im Unterschied zur Restaurierung der Bau- und Kunstdenkmalpflege findet die Archäologische Restaurierung zum größten Teil in den Werkstätten des Landesamtes für Denkmalpflege in Esslingen (Referat 84) bzw. in den Referaten Denkmalpflege in Freiburg, Karlsruhe und Tübingen statt. Die zahlreichen Funde aus Gräberfeldern und Siedlungsplätzen müssen oft sehr rasch geborgen werden, damit die Baumaßnahmen, bei denen Sie zum Vorschein kommen, weiter gehen können. Zur Restaurierung werden die Funde in die Referate Denkmalpflege, in das Gefriermagazin (-20°C) des Landesamtes für Denkmalpflege oder in das zentrale Fundarchiv nach Rastatt gebracht. Jedes Material erfordert eigene Lagerbedingungen. So kann z.B. der Verfall von Metallfunden durch kühle Temperaturen verlangsamt werden.

Alemannische Bernsteinkette, Bopfingen.
Alemannische Bernsteinkette aus Bopfingen-Trochtelfingen.
Silberne Scheibenfibel, Hessigheim.
Silberne Scheibenfibel aus Hessigheim.
Glasbecher, Ulm.
Glasbecher aus der Vestgasse in Ulm.

Dokumentation und Voruntersuchung
In Esslingen werden alle Funde mittels eines digitalen Röntgensystems dokumentiert. Viele Objekte treffen als so genannte Blockbergungen ein. Die Gipsblöcke sichern den originalen Fundzusammenhang und erhalten den Fund in seinem umgebenden Erdreich. Das Röntgen ermöglicht es, noch vor der Öffnung des Blocks erste Aufschlüsse über den Blockinhalt zu erlangen. Dank der Anwendung der 3D-Röntgen-Computertomographie (3D-CT) lassen sich sogar organische Materialien (z.B. Horn, Holz, textile Reste etc.) erfassen. Dies hilft, die Priorität der Freilegung festzulegen und den restauratorischen Arbeitsbedarf zu bestimmen. Die Grenzen und Möglichkeiten der 3D-CT werden derzeit im Rahmen eines DFG-Projektes in Kooperation mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg erforscht.

Freilegung einer Blockbergung.
Freilegung einer Blockbergung.
Röntgenbild einer Blockbergung.
Röntgenbild einer Blockbergung.

Schwerpunkte der Archäologischen Restaurierung
In den Werkstätten werden Funde jeglichen Materials restauriert. Die Schwerpunkte der Esslinger Werkstatt liegen in den Bereichen der Glasrestaurierung, der Metallkonservierung und -restaurierung sowie der Nassfundkonservierung. Bei komplexen Fundzusammenhängen kooperieren die Restauratoren mit dem Fachbereich Textilarchäologie, geleitet durch die einzige Textilarchäologin in der staatlichen Denkmalpflege Deutschlands. Regelmäßig verbringen Studentinnen des Studiengangs Objektrestaurierung der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zwei Semester ihres Grundstudiums in der Archäologischen Restaurierungswerkstatt.

Neue Konzepte zur Fundbewältigung
Der große Umfang bereits geborgener und noch folgender Fundmengen stellt eine logistische Herausforderung dar. Personal und Lagerflächen reichen nicht aus, um alle Funde freizulegen und zu konservieren. Daher müssen die Arbeitsprozesse stets optimiert und neue Konzepte entwickelt werden. Derzeit konzentriert sich die Esslinger Restaurierungswerkstatt auf die Entsalzung von Eisenobjekten, die neben Keramikfunden zahlenmäßig das größte Fundaufkommen darstellen und gleichzeitig die größten konservatorischen Probleme verursachen. Das Landesamt für Denkmalpflege stellt außerdem Laborausstattung und Fundmaterial für ein Projekt der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste zur Weiterentwicklung der Eisenentsalzung zur Verfügung. Projektinhalte sind die ökonomische sowie ökologische Optimierung der bisher empirisch bewährten, aber mit Nachteilen behafteten Alkali-Sulfit-Entsalzungsmethode.

Präsentation der neuesten Funde
Nach ihrer Restaurierung in den Esslinger Werkstätten wandern alle Funde in das Zentrale Fundarchiv nach Rastatt. Von dort werden sie für Ausstellungen an verschiedene Museen ausgeliehen, wie z.B. an das Archäologische Landesmuseum Konstanz. Die wichtigsten Stücke sind alle paar Jahre auf der Wanderausstellung „Entdeckungen – Höhepunkte der Landesarchäologie″ zu sehen.

Neueste Technologien und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Archäologische Restaurierung im Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen stützt sich bei allen Arbeiten auf eine moderne Ausstattung sowie neueste Erkenntnisse aus der internationalen Konservierungsforschung. Kooperationen mit zahlreichen Institutionen erlauben eine fachübergreifende Bearbeitung der Funde, um die bestmöglichen Erhaltungsbedingungen für das mühsam geborgene, oft einzigartige Kulturgut zu ermöglichen.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt 3D-Röntgen-Computertomographie
3D-Röntgen-Computertomographie
Zum Film über ein Ziergehänge aus einem Frauengrab in Lauchheim