Archäologische Ausgrabung in Osterholz Bugfeld am Fuße des Ipf

Archäologische Denkmalpflege

Archäologische Denkmalpflege

Die Archäologie erforscht die Geschichte schriftloser Zeiten und der Bereiche, die durch Schriftquellen nicht abgedeckt sind. In Deutschland bietet die Untersuchung archäologischer Fundstellen bis zum Beginn der Römerzeit die einzige Möglichkeit, Geschichte wieder zu finden. Auch in späteren Zeiten bis ins Mittelalter und die Neuzeit können einzelne Lebens- oder Wirtschaftsbereiche und kulturhistorische Fragestellungen nur mit Hilfe der Archäologie erforscht und beantwortet werden.

Ausgrabung des Beneficiarier-Weihebezirks in Osterburken
Ausgrabung des Beneficiarier-Weihebezirks in Osterburken
Der Gutshof von Hechingen Stein wurde nach seiner Ausgrabung teilrekonstruiert
Der Gutshof von Hechingen Stein wurde nach seiner Ausgrabung teilrekonstruiert
Rekonstruktion des frühkeltischen Fürstengrabes von Hochdorf im Landkreis Ludwigsburg
Rekonstruktion des frühkeltischen Fürstengrabes von Hochdorf im Landkreis Ludwigsburg

Einmal ergraben – unwiederbringlich zerstört

Während Schriftquellen immer wieder gelesen und neu interpretiert werden können, werden archäologische Fundstellen und Befunde auch bei sorgfältiger hochwissenschaftlicher Untersuchung oft unwiederbringlich zerstört. Zwar werden sie zeichnerisch, fotografisch und schriftlich dokumentiert, doch lassen sich diese Ergebnisse an dem durch die Ausgrabung beseitigten Original meist nicht mehr überprüfen.
Nach einer Ausgrabung mögen die Ruinen eines römischen Gutshofs, einer mittelalterlichen Burg oder einer Kirche stehen bleiben, aber die aussagekräftigen zugehörigen Fundschichten, die über die Geschichte des jeweiligen Bauwerks Auskunft geben, sind beseitigt.

Fundstellen für künftige Forschung erhalten

Die Archäologische Denkmalpflege erachtet es daher als ihre wichtigste Aufgabe, möglichst viele Fundstellen ungestört und unberührt im Boden zu erhalten, um sie für künftige Generationen zu bewahren. Bei Ausgrabungen besteht jedes Mal die Gefahr, dass sich Ausgräber zu sehr von den wandelbaren Fragestellungen ihrer Zeit beeinflussen lassen. Erfahrungsgemäß entwickeln sich auch Grabungs- und Untersuchungsmethoden fort, sodass in Zukunft vermutlich deutlich bessere Methoden zur Erforschung zur Verfügung stehen werden.

Wer ist zuständig für die Archäologische Denkmalpflege?

Unterwasserdenkmale erfordern den Einsatz von Forschungstauchern
Unterwasserdenkmale erfordern den Einsatz von Forschungstauchern

Die Vertretung der denkmalpflegerischen Belange übernehmen die Referate 26 und 86 Denkmalpflege in den vier Regierungspräsidien des Landes. Sie werden in Bauleitplanungen einbezogen und leiten bei Bedarf Ausgrabungen und Schutzmaßnahmen in die Wege. Die Referate 81 bis 85 des Landesamtes für Denkmalpflege in Esslingen werden koordinierend tätig und halten Spezialisten für die Erforschung einzelner Bereiche vor.

Wichtige Aufgabe: Die Darstellung der Forschungsergebnisse

Die denkmalpflegerische Zielsetzung steht oft im Gegensatz zu anderen Plänen, zum Beispiel Bauabsichten, wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft, der Rohstoffgewinnung oder moderner Stadtplanung. Die Denkmalschutzbehörden haben deshalb abzuwägen, welche Interessen im Einzelfall höher zu bewerten sind. Dies bedeutet, dass die Archäologische Denkmalpflege auf das Verständnis dieser Behörden und letztlich der Öffentlichkeit angewiesen ist, sodass die Darstellung der Forschungsergebnisse in ansprechender und allgemeinverständlicher Form eine wichtige Aufgabe darstellt.

Interdisziplinäre Forschung

Goldfunde aus Schöckingen im Landkreis Ludwigsburg
Goldfunde aus Schöckingen im Landkreis Ludwigsburg

Diese Forschungsergebnisse sind heute breit gefächert, sie reichen neben reiner Geschichtsforschung in viele Bereiche, etwa in die Erforschung der Lebensumstände, der Wirtschaftsweise, der Umwelt und auch der Religion unserer Vorfahren. Zahlreiche Nachbarwissenschaften sind an diesen Untersuchungen beteiligt. Die Anthropologie untersucht die Skelette nach Alter und Geschlecht, nach Krankheiten und Verletzungen und erarbeitet ein Lebensbild des Verstorbenen. Tierknochen geben Auskunft, was verspeist wurde, aber auch über die Viehzucht vergangener Zeiten. Pflanzenreste haben sich über Jahrtausende erhalten und spiegeln neben der Landwirtschaft auch die frühere Umwelt wider. Letztlich ergeben diese Forschungen ein höchst lebendiges Bild vergangener Zeiten, das den Betrachter oder Leser begeistern kann. Nicht zuletzt sind es die interessanten und wertvollen Funde die uns heutigen Menschen faszinieren.

Hier geht es zu den Publikationen der archäologischen Denkmalpflege

Planmäßige Grabungen durch Privatpersonen sind gesetzlich verboten. Helfen Sie mit, unsere Bodendenkmale zu schützen!

Näheres dazu finden Sie im Flyer Raubgräber [PDF 1,1 MB]