Ehemaliges Pfarrhaus in Immendingen.

Unteres Schloss in Mulfingen-Buchenbach

Schloss genutzt - Fachwerk verputzt

Das Untere Schloss mit noch sichtbarem, ursprünglich aber nicht auf Sicht angelegtem Fachwerk (2002).
Das Untere Schloss mit noch sichtbarem, ursprünglich aber nicht auf Sicht angelegtem Fachwerk (Foto 2002)

Im Zuge der Instandsetzung des Unteren Schlosses in Mulfingen-Buchenbach wurde das Fachwerk wieder verputzt, um dem Schloss sein authentisches Erscheinungsbild wiederzugeben.

Vorgeschichte
Laut Inschrift am Eckständer wurde das Untere Schloss 1715 für den Buchenbacher Ortsherrn von Stetten erbaut. Der zweigeschossige lang gestreckte Bau zeichnet sich durch ein zeittypisches Mansarddach und eine regelmäßige Befensterung aus. Die Bausubstanz des Hauses war, nachdem zuletzt nur noch drei Räume als Ortsteilrathaus genutzt wurden, gegen Ende der 1990er Jahre stark heruntergekommen.

Das neue Nutzungskonzept

Bald nach 2000 machte man sich in der Ortschaft Gedanken über eine neue öffentliche Nutzung und eine Instandsetzung des Unteren Schlosses. Nach Abstimmung mit der Denkmalpflege verzichtete man auf große Eingriffe in das Obergeschoss und entschied sich für den Einbau des gewünschten Gemeindesaals in den ehemaligen Stall. Die Salons im Obergeschoss bestimmte man zur Aufnahme der Ausstellung „Erlebnis Mittleres Jagsttal“ unter Belassung der drei Räume für die Ortschaftsverwaltung. Heute sind die Salons mit ihren barocken und biedermeierlichen Stuckdecken, Türblättern, Lambrien und Parkettböden restauriert und in die Farbfassung des frühen 19. Jahrhunderts zurückversetzt.

Salon im Obergeschoss mit der Ausstellung „Erlebnis Mittleres Jagsttal“ (2009).
Salon im Obergeschoss mit der Ausstellung „Erlebnis Mittleres Jagsttal“ (Foto 2009)
Flur im Obergeschoss (2009).
Flur im Obergeschoss (Foto 2009)
Stuckdecke in einem Salon im Obergeschoss (2009).
Stuckdecke in einem Salon im Obergeschoss (Foto 2009)

Das Untere Schloss wird wieder verputzt

Im Zuge der Abstimmungen sprach sich die Denkmalpflege für den Wiederverputz des etwa um 1900 frei gelegten Fachwerks aus. Das konstruktive Fassadenfachwerk des Schlosses stammt aus einer Erneuerungsphase um 1800, bei der das wahrscheinlich schadhafte Vorgängerfachwerk von 1715 – mit Ausnahme der Eckständer – auch zugunsten größerer Fensteröffnungen ausgetauscht und verputzt wurde. Diese Einschätzung wurde durch die restauratorische Befunduntersuchung bestätigt. Das Untere Schloss stellte ursprünglich mit seiner Putzfassade eine Architektur dar, mit der sich der Bauherr bewusst vom rustikalen Sichtfachwerk, wie es das Obere Schloss mit seinem Fachwerkgiebel aus dem 15. Jahrhundert zeigt, abwandte. Er wählte ein im spätbarocken Zeitgeschmack flächig verputztes, von der französischen Schlossarchitektur inspiriertes Äußeres. In einem Aquarell der Schlossherrin Eugenie von Stetten von 1886 ist das verputzte und hell gestrichene Untere Schloss im Vordergrund vor dem mittelalterlichen Oberen Schloss mit seinem Sichtfachwerkgiebel dargestellt.

Unteres und Oberes Schloss (Aquarell von 1886).
Unteres und Oberes Schloss (Aquarell von 1886).
Feierliche Wiedereröffnung des Unteren Schlosses am 16. Mai 2009.
Feierliche Wiedereröffnung des Unteren Schlosses am 16. Mai 2009.

Mutige Entscheidung gegen den Trend

Die Gemeindevertreter und der Architekt ließen sich – auch dank der Wiederentdeckung dieser Ansicht und wegen des fortan besseren Witterungsschutzes der Fachwerkkonstruktion – vom denkmalpflegerischen Konzept der Rückgewinnung des authentischen Erscheinungsbilds überzeugen und vertraten diese Einschätzung auch Kritikern gegenüber. Gestalterische Akzente in den mittlerweile wieder vollflächig verputzten und hell gestrichenen Fassaden des Unteren Schlosses setzen heute wie seit 1800 die regelmäßig angeordneten Fensteröffnungen mit grauen Bekleidungen und die graublauen Klappläden.

Resümee

Die Akzeptanz eines historisch korrekten, verputzten Erscheinungsbilds bildet bei der immer noch vorherrschenden öffentlichen Wertschätzung von sichtbarem Fachwerk bislang noch eine löbliche Ausnahme.